https://www.faz.net/-gqe-7ruxu

Ein Besuch beim Aldi-Gründer : Karl Albrecht: „Ich habe Glück gehabt“

  • -Aktualisiert am

Wenn der neben seinem vor vier Jahren verstorbenen Bruder Theo zweite Gründer des Aldi-Imperiums erzählte, wie an diesem Tag, offenbarte er sich als Antityp einer nach außen gekehrten Machtfigur. Er sprach leise, hörte aufmerksam zu, war feinsinnig und trotz seines hohen Alters wach und interessiert. Er war sichtlich ein Mensch, der Frieden mit sich und der Welt geschlossen hatte, der heiter und dennoch, selbst wenn es merkwürdig klingt, mit einer gewissen Bescheidenheit auf das Aufgebaute schaute. „Ich habe Glück gehabt, sehr viel Glück“, sagte Albrecht immer wieder. Und es war ihm anzumerken, dass er es nicht als Floskel in den Raum warf.

Natürlich war Glück dabei, immer ist auch Glück dabei, wenn Menschen Außerordentliches gelingt. Mit fünf wäre er fast an Tuberkulose gestorben. Im Krieg wurde er nach wenigen Monaten an der Front vor Moskau schwer am Bein verwundet, entkam aber wie durch ein Wunder der Amputation. Später rettete ihn ein wochenlanger Fußmarsch durch den verschneiten Osten vor den heranrückenden Russen und den deutschen Feldgendarmen, die selbst Verletzte noch zurück an die Front schickten, oder Fliehende auch mal einfach erschossen.

Er hatte das Glück, im richtigen Elternhaus groß geworden zu sein: Vater und Mutter waren Lebensmittelhändler von Kopf bis Fuß, sie führten einen Laden im Essener Bergarbeiterquartier Schonnebeck. Hier wuchs Albrecht mit seinem Bruder Theo auf, die Handels-Gene im Blut, zwischen den Regalen mit den fein sortierten Waren. Schon mit 14 lernte er Schulden eintreiben, schickte ihn die Mutter zum Geld Sammeln zu den Familien, die ihre angeschriebenen Beträge nicht zahlen wollten.

Mutter und Bruder waren sein Glück ...

Vor allem der Mutter auch war es zu verdanken, dass das Geschäft erfolgreich lief und der Familie bescheidenen Wohlstand brachte. Nur die wachsende Konkurrenz machte ihnen das Leben schwer. Es waren die Filialisten, Händler mit dutzenden Geschäften, die mit niedrigeren Preisen die Kunden anlockten. Irgendwo da muss es beide Brüder gepackt haben, denn von Anfang an war für sie klar: Wir werden Filialisten.

Und er hatte das Glück, einen Bruder an der Seite zu haben, der seine Ziele, Interessen und Leidenschaften teilte. Es muss eine seltene Symbiose gewesen sein, zumindest in den Anfangsjahren. Wärme zeichnet seine Worte, wenn er von der gemeinsamen Tandemtour erzählt, drei Wochen von Essen nach Berchtesgaden und zurück, drei Wochen, in denen sie, fein säuberlich aufgelistet, gemeinsam genau 19,50 Mark ausgaben. Ihr Gerät hatten die Brüder aus ihren jeweils eigenen Fahrrädern zusammengeschraubt – und nach dem Trip fein säuberlich wieder geteilt.

... aber Glück allein erklärt den Erfolg nicht

Doch die Erfolgsgeschichte der Albrechts war so außergewöhnlich, dass sie bei weitem nicht mit Glück allein erklärt werden kann. Es war eine einzigartige und immer wieder auch umstrittene unternehmerische Leistung: Sie schufen Deutschlands größtes Handelsunternehmen, Deutschlands größtes Familienvermögen, rund 18 Milliarden Euro, und eine Marke, die das Nachkriegsdeutschland und seine Einkaufsgewohnheiten prägen sollte wie keine andere.

Weitere Themen

Donald Trump stürzt ab

Forbes-Ranking : Donald Trump stürzt ab

Auf der Liste der reichsten Menschen der Welt büßt der ehemalige amerikanische Präsident fast 300 Plätze ein. Zu den Aufsteigern gehören Elon Musk, Kim Kardashian – und zwei Schuh-Unternehmer.

Topmeldungen

Showtime für Ola  Källenius, 51: Am Donnerstag präsentiert er sein elektrisches Spitzenmodell: „So etwas hat die Welt noch nicht gesehen.“

Elektro-S-Klasse von Mercedes : Der Tesla-Jäger

Der Daimler-Chef Ola Källenius verkauft fünfmal so viele Autos wie Elon Musk. Trotzdem ist Tesla das Siebenfache wert. Jetzt bläst der Schwede zum Angriff.
Hier wurde die Notbremse schon gezogen: Passanten am 14. April in der Münchener Innenstadt

Infektionsschutzgesetz : Hitzige Debatte in Koalition über Notbremse

In den Fraktionen von Union und SPD wird die Bundes-Notbremse bis in die Details diskutiert. Manche wollen Sport im Freien sicherstellen, andere fragen nach Sonderregelungen für Kinderschuhgeschäfte.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.