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Eike Batista : Der brasilianische Dagobert Duck

  • -Aktualisiert am

„Ich investiere nur idiotensicher”: Eike Batista Bild: REUTERS

Mit 23 hatte er 6 Millionen Dollar auf dem Konto. Der Reichtum hat Eike Batista eine Überdosis Selbstbewusstsein beschert. Nun hat der Brasilianer mit deutscher Mutter ein Ziel: In fünf Jahren will er reichster Mensch der Welt sein.

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          In Deutschland und in vielen anderen Ländern wäre so etwas nicht möglich. „Ich möchte in fünf Jahren der reichste Mensch der Welt werden“, verkündet der brasilianische Unternehmer Eike Batista, dessen Vermögen vom amerikanischen Magazin „Forbes“ auf 30 Milliarden Dollar geschätzt wird - und bekommt dafür keine verbale Dresche, wird von der brasilianischen Öffentlichkeit weder als größenwahnsinnig noch als gierig bezeichnet. „Für mich ist das nur ein Spaß, ein Spiel“, sagt der 55 Jahre alte Milliardär. Seinen braunen Haaren sieht man an, dass sie gefärbt sind; sein Gesicht ist an Augen und der Stirn künstlich gestrafft; seine stechend blauen Augen würden im Englischen als „Crazy Eyes“ bezeichnet.

          Bei alldem Spaß ist aber auch Ernst dabei. Batista sitzt in seinem Büro in Rio de Janeiro mit Blick auf den Zuckerhut und zeigt eine Computergrafik mit einem amerikanischen Notenbankchef Ben Bernanke, der aus einem Hubschrauber Geld verteilt, den Börsenkurs seines Unternehmens EBX, Prognosen für Brasiliens Wirtschaft und ihn selbst, eitel grinsend.

          „Es ist der perfekte Sturm. Ich kann gar nichts dagegen machen, ich kann nur noch reicher werden. Außerdem investiere ich nur idiotensicher“, sagt er in fließendem Deutsch. Seine verstorbene Mutter Jutta war Deutsche, sein brasilianischer Vater hat als Bergbaudirektor für den Konzern Vale do Rio Doce die Geschäftsverbindungen nach Europa aufgebaut. Von zwölften Lebensjahr des Sohnes an wohnte die Familie in Genf, Düsseldorf und Brüssel.

          „Ich wollte endlich richtig Geld verdienen“

          Eike Batista begann in Aachen „Hüttenwesen“ zu studieren, brach das Studium aber ab. „Ich habe zweieinhalb Jahre studiert. Dann hatte ich die Nase voll, ich wollte endlich richtig Geld verdienen.“ Zuerst hielt er sich mit dem Verkauf von Versicherungspolicen über Wasser, dann folgte er dem Ruf des Goldes. Als Mittelsmann, der den Goldschürfern ihre Funde abnahm und Gold und Diamanten nach Europa verkaufte, baute er sein erstes Eigenkapital auf.

          Es dauerte nicht lange, bis er selbst acht Goldminen besaß. Mit 23 Jahren hatte er 6 Millionen Dollar auf dem Konto. Um die Jahrtausendwende verkaufte Batista die Minen zu Höchstpreisen, seither hat er scheinbar unaufhaltsam sein Imperium aufgebaut. Zu seiner Holding EBX, deren Vorstandsvorsitzender er auch ist, gehören fünf Unternehmen, die im Öl- und Gasgeschäft, in der Energiewirtschaft und in der Logistik, im Bergbau und in der Marine-Industrie tätig sind.

          Batista ist stolz auf seinen Reichtum, sehr stolz. Man kann ihn sich gut als Dagobert Duck vorstellen, der in ein Schwimmbecken voll Goldmünzen springt. Oder als Superreichen in einem James-Bond-Film, der unter der Tarnung eines Großprojekts an einem Plan arbeitet, die ganze Welt zu erobern. Batista hat das mit seinem eigenen Großprojekt, einem riesigen Hafen in der Nähe von Rio, natürlich nicht vor.

          „Irrsinnigen Luxus“ gönnt er sich nicht

          Trotz seines jovialen Auftritts wirkt er aber irritierend unnahbar, fast unheimlich. Manchmal driftet er gar ins Infantile ab, seine Stimme wird dann regelrecht kieksig. Zugleich macht er einen ehrlichen Eindruck, Formulierungen wie „Das bleibt aber jetzt unter uns“ kommen ihm nicht über die Lippen. Batista sagt, dass er noch viel mehr besitzt als von „Forbes“ geschätzt, in Geschäften mit Kosmetik und Computerchips aber viel Geld verloren hat. Und er kritisiert deutsche Unternehmen, die nach seiner Darstellung viel zu lange nur an „schöne Mulattinnen“ gedacht haben, wenn es um Brasilien ging.

          Auch über sein Privatleben redet Eike Batista relativ offen: Seine Kinder heißen Thor und Olin; von deren Mutter, einer ehemaligen Karnevalskönigin, ist er geschieden; „irrsinnigen Luxus“ gönne er sich bis auf Sportbootfahren nicht. Lieber redet er aber vom Geschäft. Sein unternehmerisches Denken habe er vom Vater geerbt, brasilianische Flexibilität, Kommunikationsfähigkeit und den freundlichen mitmenschlichen Umgang übernommen. Die Mutter habe ihm deutsche Tugenden, allen voran Disziplin, vorgelebt und seinen Sinn fürs Detail und für präzises Arbeiten geschärft.

          Während der Zuckerhut nach einem stundenlangen Gespräch allmählich im Abendrot zu verglühen scheint, hat Batista noch immer kein einziges Mal telefoniert, gesimst oder getwittert. Das ist die unprätentiöse, sympathische Seite eines Mannes, dem sein Reichtum eine Überdosis Selbstbewusstsein beschert hat. Er trägt keine protzigen Kleider, hört aufmerksam zu, stellt Fragen. Die Sicherheitsvorkehrungen in seiner Konzernzentrale sind nicht aufwendiger als in anderen Unternehmen. Wen er bewundert? „Bill Gates - und alle Unternehmer, die Leben verändernde Industrien geschaffen haben.“ Warum ist ihm selbst das nicht gelungen? Es ist die erste Frage, der Eike Batista ausweicht.

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