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Superstars im Musikgeschäft : Hey, Mr. DJ

  • -Aktualisiert am

Der französische DJ David Guetta (47) ist der berühmteste der Superstar-DJs Bild: AFP

Früher schubsten sie Regler rauf und runter, heute verdienen sie Millionen: DJs sind die neuen Superstars im Musikgeschäft. Dem Internet sei Dank.

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          Am übernächsten Wochenende findet zum zwanzigsten Mal das VFestival statt, mit 170000 Besuchern das größte Rock- und Popfestival in Großbritannien und eins der wichtigsten in ganz Europa. Dort treten die ganz großen Stars des Musikgeschäfts auf. Beim letzten Mal spielten Justin Timberlake und The Killers, im Jahr davor Beyoncé. Dieses Jahr steht ganz oben auf dem Programm ein Name, der in Deutschland bis vor kurzem selbst Leuten unbekannt war, die vermutlich schon häufiger zu seiner Musik tanzen waren: Calvin Harris.

          Calvin Harris ist DJ. Und nicht nur irgendein DJ, sondern der am besten bezahlte DJ der Welt, jedenfalls nach Hochrechnungen des amerikanischen Magazins „Forbes“. 66 Millionen Dollar, schätzen die Macher des Magazins, hat Harris im vergangenen Jahr verdient, mit Plattenverkäufen, iTunes-Downloads, Millionen von Spotify-Streams – und Unterwäschewerbung für Armani. Vor allem aber mit Liveauftritten wie dem, den er in zwei Wochen auf dem V Festival absolvieren wird.

          Bild: F.A.Z.

          Mit dem Privatjet um die Welt

          Die DJs, lange belächelt als Typen, die zwar Platten auflegen, aber im Zweifel weder singen und schon gar nicht selbst echte Hits schreiben können, sind in die Liga der Pop-Superstars aufgestiegen. Im besten Fall, sagen Insider, bekommen Leute wie Harris für ein zweistündiges Set Gagen im mittleren sechsstelligen Dollar-Bereich – Dimensionen, die bis vor kurzem Pop-Größen wie Beyoncé vorbehalten waren. Eine der wenigen, die Harris’ Jahresverdiensten im Popgeschäft noch das Wasser reichen können, ist denn auch seine Freundin, die Sängerin Taylor Swift. Um in der Festivalsaison rechtzeitig von Auftritt zu Auftritt zu kommen, greifen die DJs deswegen auch schon lange nicht mehr auf schnöde Linienflüge zurück, sondern fliegen im Privatjet um die Welt.

          Calvin Harris, 31, Topverdiener unter den DJs, beim Auflegen in Las Vegas
          Calvin Harris, 31, Topverdiener unter den DJs, beim Auflegen in Las Vegas : Bild: MediaPunch/face to face

          Die Musik, die Calvin Harris und gerade einmal einem Dutzend seiner Kollegen diesen Erfolg beschert hat, würde man in Deutschland vielleicht noch am ehesten als House bezeichnen, in Amerika heißt sie „Electronic Dance Music“, abgekürzt EDM. Diesem Etikett, erfunden von cleveren Vermarktern, ist es zu verdanken, dass DJs wie der Schotte Calvin Harris, der Franzose David Guetta oder der Schwede Avicii in die Liga der Superstars aufgestiegen sind. Denn junge Amerikaner konnten von EDM in den vergangenen Jahren nicht genug bekommen.

          Ob Festival, Spotify-Playlist oder Party in Las Vegas – wo EDM draufstand, strömten die Leute hin. In Las Vegas haben Calvin Harris&Co deswegen mittlerweile eine ähnliche Rolle wie einst Tom Jones und Céline Dion – die Casinobetreiber zahlen ihnen Millionen dafür, dass sie an mehreren Wochenenden im Jahr die Tanzflächen der hauseigenen Clubs zum Kochen bringen. Nebenbei stehen Popgrößen wie Rihanna und Kanye West Schlange, um von den DJs ihre Songs aufmöbeln zu lassen.

          DJs reißen Herrschaft über die Musikindustrie an sich

          Ganz klar: Die DJs sind auf dem besten Weg, die Herrschaft über die Musikindustrie an sich zu reißen. Das macht sich mittlerweile auch in Deutschland bemerkbar. In den Top Ten der deutschen Single-Charts stammen aktuell sieben Tracks von Leuten, die vornehmlich als DJs arbeiten. Der gerade einmal 20 Jahre alte Deutsche Felix Jaehn hat es Anfang Juli auch an die Spitze der amerikanischen Billboard-Charts geschafft, die ultimative Ausgangsposition für globalen Erfolg – als erster deutscher Musiker seitdem Ende der achtziger Jahre.

          Der schwedische DJ Acicii (25) heißt mit bürgerlichem Namen Tim Bergling.
          Der schwedische DJ Acicii (25) heißt mit bürgerlichem Namen Tim Bergling. : Bild: dpa

          Jaehns Musik, „Deep House“ oder „Melodic House“ genannt, ist noch ein bisschen poppiger und für europäische Ohren gefälliger als das, was Calvin Harris & Co produzieren. Seine Hits „Cheerleader“, ursprünglich ein Reggae-Song, und „Ain’t nobody“, der Remix eines Klassikers aus den Achtzigern, laufen auf jeder Abiparty und jedem Teenie-Smartphone. Seit dem Erfolg in Amerika kann sich Jaehns Manager Hoffnungen machen, das erste Mitglied einer neuen Generation von Superstar-DJs unter seinen Fittichen zu haben.

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