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Dirk Notheis : Der Kampf des gefallenen Bankers

Dirk Notheis (CDU) verlor durch den ENBW-Skandal den Posten als Deutschlandchef von Morgan Stanley Bild: Frank Röth

Dirk Notheis hat für Stefan Mappus den ENBW-Deal gemacht. Flegelhafte E-Mails brachten ihn zu Fall. Jetzt kämpft er wieder. Was treibt diesen Mann?

          Für manche ist das Leben ein Kampf. Dirk Notheis aus Ettlingen bei Karlsruhe war immer so ein Kämpfer: Aus der Sakristei wechselt er in die Schüler-Union, wird Landesvorsitzender der Jungen Union, drängt in den CDU-Bundesvorstand - was nicht klappt –, steigt rasch in einer amerikanischen Investmentbank auf, wird zum Regisseur eines geplanten Börsengangs der Bahn, nimmt Anlauf zum Sprung an die Spitze der Morgan Stanley Deutschland AG. Das alles klappt. Aber dann: ein Skandal. Arbeitsplatzverlust. Hausdurchsuchung. Ein drohender Strafprozess wegen Beihilfe zur Untreue.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Dies ist die Geschichte vom Fall des Dirk Notheis, der wieder das Stehen probiert. Ein Mann kämpft um seinen Ruf und seine Freiheit. Es geht um die Frage, ob er wieder Herr über sein Schicksal wird. Oder ob er bald vorbestraft ist. Ob er gar ins Gefängnis muss.

          Es ist ein Sonntag Mitte Juni des Jahres 2012, als Dirk Notheis die Kontrolle über sein Leben entgleitet. Die F.A.S. veröffentlicht von ihm verfasste E-Mails, Adressat ist sein langjähriger Freund Stefan Mappus, der auch Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg ist. Mappus kauft im Dezember 2010 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion kurz vor der Landtagswahl den Atomkonzern ENBW vom französischen Staatskonzern EdF, Notheis führt dabei die Regie. Der Preis von 4,7 Milliarden Euro sei „üppig“, schreibt Notheis in einer Mail, er droht den Franzosen mit der deutschen Kanzlerin, die von Mappus kontrolliert und beherrscht werde: „Er kann Angela mit seinen Truppen töten.“

          Manager mit Ellenbogeneinsatz

          Merkel heißt bei Notheis „Mutti“: „Frag Mutti, ob sie Dir ein Treffen mit Sarko arrangiert.“ Der Staatskapitalismus sei „nicht ganz einfach für Ordoliberale“, schreibt Notheis und liefert die Lösung gleich mit, wie der Öffentlichkeit die Verstaatlichung des Energiekonzerns zu verkaufen ist: „Du solltest idealerweise einen Volkswirt haben, der das Ganze gut findet. Es sollte jemand sein, der Dir einen Gefallen schuldet.“

          Die Republik kann es nicht fassen. „War Mappus seinem Banker hörig?“, titelt die „Bild“-Zeitung. In Zeiten, wo Investmentbanker sich ohnehin bis auf die Knochen blamiert haben, bestätigt Notheis die schlimmsten Ahnungen, gilt als gierig, überheblich, selbstgefällig. Lange steht seine Bank hinter ihm. Morgan Stanley wird von New York aus geführt, amerikanische Investmentbanken gelten als loyal zu ihren Landesfilialleitern, die zwar Millionen verdienen, aber wenig Macht haben und die Nächte schuften müssen, damit das Headquarter glücklich ist.

          Stefan Mappus (CDU) verlor nach Fukushima seinen Posten als Ministerpräsident von Baden-Württemberg

          Als Notheis seine E-Mails in der Zeitung wiederfindet und am Telefon hört, was New York für Vorstellungen über das weitere Vorgehen hat, weiß er, dass die Zentrale ihn fallengelassen hat.

          Dirk Notheis ist ein Kämpfer. Er ist erfolgreich im Einfädeln und Managen von Fusionen, Übernahmen, Börsengängen. Investmentbanken verdienen prächtig am Beratungsgeschäft, es gibt harte Konkurrenz. Wer seine Ellenbogen nicht einzusetzen weiß, kriegt keine Aufträge. Nachdem seine E-Mails öffentlich sind, die ihn als Drahtzieher und Mappus als Marionette präsentieren, will Notheis eine Pressekonferenz abhalten. Sich verteidigen, die Sache aus seiner Sicht darstellen. Die E-Mails seien aus dem Zusammenhang gerissen, das soll die Kampflinie sein. Doch New York verbietet ihm den Auftritt.

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