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Integration von Flüchtlingen : Nicht nur in Deutsch, sondern auch in Mathe punkten

  • -Aktualisiert am

Der Gründer der SchlaU-Schule in München, Michael Stenger (links) mit Schülern. Bild: Imago

Eine private Einrichtung in München ist die erste Schule, die Flüchtlingen staatliche Schulabschlüsse ermöglicht - und ihnen den Weg in den Arbeitsmarkt ebnet.

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          Im vergangenen Jahr haben nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge rund 4400 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland einen Asylantrag gestellt. 200 junge Flüchtlinge werden an einer etwas anderen Schule in München unterrichtet. Seit ihrer Gründung im Februar 2000 hat diese besondere Bildungseinrichtung, die sogenannte SchlaU-Schule, rund 1500 Flüchtlinge im Alter zwischen 16 und 25 Jahren betreut. Michael Stenger gründete die Schule, nachdem er merkte, dass die Sprachkurszertifikate, die Flüchtlinge für die Teilnahme an seinen Deutschkursen bekamen, nicht für den Eintritt in den Arbeitsmarkt reichten. Das lag weniger an den Deutschkenntnissen als an fehlendem Unterricht in Fächern wie Mathematik, Ethik und Naturwissenschaften.

          Die Schlau-Schule - Schlau steht für schulanaloger Unterricht - war laut Melanie Weber, der stellvertretenden Schulleiterin, die erste in Deutschland, die ausschließlich Flüchtlinge auf staatliche Schulabschlüsse vorbereitet. „Unsere Schüler müssen mindestens 16 Jahre alt sein, also in Bayern nicht mehr schulpflichtig sein. Sie dürfen maximal 25 Jahre alt sein, denn dann endet die Berufsschulpflicht für junge Flüchtlinge und Asylbewerber; im Durchschnitt sind sie 18 Jahre alt“, sagt Weber.

          Sprachförderung für junge Flüchtlinge

          Die Regelungen zur Beschulung von jungen Flüchtlingen sind in den Bundesländern unterschiedlich. In Hessen zum Beispiel sind nach Paragraph 62 des Schulgesetzes Jugendliche, die in keinem Ausbildungsverhältnis stehen, nach Erfüllung der Vollzeitschulpflicht für die Dauer von drei Jahren, längstens bis zum Ende des Schulhalbjahres, in dem sie das 18. Lebensjahr vollenden, zum Besuch der Berufsschule berechtigt. Viele Flüchtlinge haben dieses Alter schon überschritten und somit wenig Chancen, eine staatliche Schule zu besuchen.

          Doch auch in Hessen rückt die Gruppe der jungen Asylbewerber immer mehr in den Blick, auch wenn es keine Schulen nur für Flüchtlinge gibt. Seit diesem Schuljahr gibt es ein Konzept zur Sprachförderung für junge Flüchtlinge, Spätaussiedler und Zuwanderer namens InteA - Integration und Abschluss. Es richtet sich an jugendliche Seiteneinsteiger von 16 bis 18 Jahren. Es ist auch möglich, volljährige Flüchtlinge zu unterrichten, allerdings nur, wenn die Schule bereit ist, die vorgegebene Klassengröße zu überschreiten.

          Bildung ist ein flüchtiges Gut: Gleichwohl gibt es auch Jugendliche, die in die Schule flüchten, zum Beispiel in die SchlaU-Schule in München.

          Die 38 Lehrerinnen und Lehrer der Münchner Schlau-Schule und ihrer Tochterschule Isus (Integration durch Sofortbeschulung und Stabilisierung) sind nicht verbeamtet und werden von der Stadt München und dem Freistaat Bayern bezahlt. Alle haben eine Qualifizierung in Deutsch als Zweitsprache oder Deutsch als Fremdsprache. Es arbeiten auch sieben Sozialarbeiter und Schulpsychologen an den beiden Schulen. Man versucht, das Selbstwertgefühl der Schüler zu stärken, die seelische Anspannung zu lindern und gesellschaftliche Orientierung zu ermöglichen. Schulträger ist der Verein Trägerkreis Junge Flüchtlinge, dessen Vorsitzender Michael Stenger ist.

          Im Jahr 2013 betrugen die Sach- und Personalkosten von Schlau und Isus 1,6 Millionen Euro. Die Finanzierung wird durch Stiftungen und Privatspender unterstützt. Der Anteil der öffentlichen Finanzierung betrug knapp 70 Prozent. Unter den Sponsoren befinden sich neben der Aktion Mensch und Rotary International die BMW AG und Swiss Re, eines der weltgrößten Rückversicherungsunternehmen. Die Kosten je Schüler liegen bei 10 300 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Ein Schüler in Deutschland kostet nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 6300 Euro im Jahr. Doch ist der Anteil der Schüler, die keinen Abschluss machen, an der Schlau-Schule besonders gering; er beträgt nur 2 Prozent.

          Drei verschiedene Abschlüsse

          Die Schüler können drei verschiedene Abschlüsse machen: den Mittelschulabschluss, den qualifizierenden Mittelschulabschluss und den Mittleren Schulabschluss. Nach einem erfolgreichen Abschluss werden sie weiter von der Schlau-Schule, vor allem von ehrenamtlichen Helfern, betreut. 80 Prozent der Absolventen gingen im vergangenen Jahr in Ausbildungsberufe, die anderen 20 Prozent auf Realschulen und Gymnasien.

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