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Westjordanland : Die Dattel aus Jericho ist nur der Anfang vom Frieden

EU erkennt israelische Besatzung weiterhin nicht an

Nicht nur die siebentausend Israelis im Westjordanland schenken deshalb europäischen Beschwichtigungen, es gehe nur um ein wenig Verbraucherschutz, keinen Glauben mehr – auch wenn von deutschen Handelsketten wie Rewe oder Edeka noch kein Importverzicht für betreffende Produkte bekanntwurde. Die Skepsis der Israelis beruht aber eben auf der politischen Botschaft, die sie hinter der Kennzeichnungspflicht sehen: Die EU verdeutlicht damit schließlich, dass sie auch nach fast fünfzig Jahren nicht bereit ist, die israelische Besatzung der Palästinensergebiete anzuerkennen.

Für Inon Rosenblum ist dabei gerade das Jordantal ein Beispiel dafür, dass ein „wirtschaftlicher Frieden“ möglich ist. „Sollten unsere Exporte zurückgehen, würden die Palästinenser als Erste darunter leiden und ihre Arbeit verlieren“, sagt Inon Rosenblum, der auf seinen Plantagen dreißig palästinensische Angestellte hat. Insgesamt sind gut sechstausend Palästinenser im israelisch kontrollierten Jordantal beschäftigt; während der Ernte verdoppelt sich ihre Zahl. Die israelische Militärverwaltung hat fast fünf Mal so vielen Palästinensern zudem die Erlaubnis erteilt, in den Siedlungen zu arbeiten. Dazu kommen weitere Tausende Erntehelfer und Saisonkräfte.

Palästinensische Verluste von jährlich 3,4 Milliarden Dollar

Ihnen bleibt allerdings oft angesichts einer Arbeitslosenquote von fünfundzwanzig Prozent keine andere Wahl. „Bei uns zu Hause gibt es einfach keine Arbeit“, sagt ein palästinensischer Familienvater aus der Nähe von Nablus. Er will seinen Namen nicht nennen, weil Palästinenser wie er oft angefeindet werden, weil sie in den Siedlungen arbeiten. Mehrfach hat sie die palästinensische Autonomiebehörde schon dazu aufgerufen, bei den Israelis zu kündigen. „Aber neue Stellen hatten die Regierung nicht für uns“, sagt der Palästinenser. Das müsste nicht so sein. Nach einer Studie der Weltbank büßt die palästinensische Wirtschaft durch die Einschränkungen der israelischen Besatzung jährlich bis zu 3,4 Milliarden Dollar ein; gut siebenhundert Millionen Dollar entfallen davon auf die Landwirtschaft.

Tausende Arbeitsplätze würden entstehen, könnten palästinensische Bauern unter gleichen Bedingungen produzieren wie Israelis. Stattdessen bleibt vielen Palästinensern nichts anderes übrig, als in den Siedlungen zu arbeiten. Dort erhält nach Angaben der israelische Menschenrechtsgruppe „Kav La Oved“ mindestens jeder zweite der palästinensischen Arbeiter weniger als die Hälfte des israelischen Mindestlohns von umgerechnet 5,30 Euro in der Stunde, meist ohne Anspruch auf bezahlten Urlaub oder Krankengeld.

Von diesem Angebot günstiger Arbeitskräfte profitieren auch die mehr als sechshundert israelischen Firmen, die sich im Westjordanland niedergelassen haben. Ihre Industrieerzeugnisse unterliegen zwar nicht der neuen europäischen Kennzeichnungspflicht, die nur für Agrarprodukte und Kosmetika gilt. Trotzdem sind in den vergangenen zwanzig Jahren einige Unternehmen aus den besetzten Gebieten ins israelische Kernland gezogen. Es seien vor allem größere Firmen gewesen, die exportieren und an Kontakten ins Ausland interessiert sind, sagt Adam Keller von der israelischen Friedensorganisation „Gusch Schalom“. So zog die Großkelterei Barkan aus einem Gewerbegebiet in der Nähe der Siedlerstadt Ariel ins Kibbuz Hulda. Auch „Soda Stream“ verlegte eine Fabrik aus dem Westjordanland in die israelische Negev-Wüste. BDS-Aktivisten hatten ihre Kampagne gegen die Firma gerade erst begonnen, deren Leitung für den Umzug einfach „wirtschaftliche Gründe“ nannte.

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