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Westjordanland : Die Dattel aus Jericho ist nur der Anfang vom Frieden

„Don’t entertain Apartheid“

Dazu zählen laut einem Flugblatt der BDS auch Unternehmen, die für den israelischen Staat arbeiten: Motorola, das Überwachungssysteme liefere, Caterpillar, das Bagger liefere, und so weiter. Universitäten werden seit Jahren aufgefordert, Forschungskooperationen mit israelischen Hochschulen zu beenden, teils mit Erfolg. Es geht also auch längst nicht nur um die Exporte aus besetzten Gebieten, die gerade einmal gut ein Prozent des israelischen Handels mit der EU ausmachen.

Die Bonner Gruppe fordert auch zu kulturellem Boykott auf. „Wenn hier eine Tanzgruppe mit Unterstützung der israelischen Regierung tanzt, dann halten wir das für eine Unterstützung der israelischen Besatzungspolitik“, erinnert sich ein Mann an einen konkreten Fall aus der Vergangenheit. Es habe sich dabei um eine Tanzgruppe gehandelt, die auch schon in den Siedlergebieten aufgetreten sei. Auf seiner Internetseite listet BDS internationale Musiker auf, die in diesem Sommer in Israel auftreten, mit dem Aufruf: „Don’t entertain Apartheid“.

In Deutschland kamen Gruppen wie diese aus Bonn bislang nicht gut an. Kommunalpolitiker schneiden die Info-Stände der Aktivisten. Die Kombination von deutscher Ordnungsakribie, dem zornigen Inspektieren und Patrouillieren, weckt mulmige Gefühle. Journalisten der großen Medien interessierten sich bislang für BDS überwiegend unter diesem Aspekt, etwa wenn die Aktivisten in Bremen weiß bekittelt ihre Rundgänge veranstalteten.

Kunden aus den Golfstaaten

Im Jordantal ändert sich durch die Kennzeichnungspflicht und Boykottaufrufe wenig. Das zeigt das Beispiel der israelischen Königsdatteln. Die gehen jetzt zum Beispiel verstärkt an Muslime in arabischen Staaten. Diese haben bisher zwar keinen Frieden mit Israel geschlossen, ihre Oberschichten mögen aber trotzdem die Datteln sehr gern. Über Jordanien gelangen sie in die Golfstaaten – ohne Etikette, die ihre Herkunft verraten. „Seit dem EU-Beschluss hat sich bei uns nichts geändert“, sagt Inon Rosenblum. Er und die anderen israelischen Bauern haben trotzdem weiterhin treue Kunden in Europa. Das aromatisch duftende Basilikum, das unter den weißen Plastikplanen seiner Gewächshäuser wächst, landet zum Beispiel zum großen Teil auf Pizza und Pasta in Italien. „Unsere Lage ist nicht einfacher geworden. Aber wir versuchen schon viel länger, möglichst unterschiedliche Abnehmer zu finden. Wir wollen in der Hand von niemandem sein“, sagt Inon Rosenblum.

Immer mehr Erzeugnisse aus den israelischen Betrieben im Jordantal machen sich auf eine weitere Reise. Früher lebten rund achtzig Prozent der Abnehmer in Europa. Heute gehen nach Angaben des zuständigen israelischen Regionalrats nur noch zehn bis fünfzehn Prozent der Exporte dorthin, der größere Teil nach Russland, Asien und Lateinamerika. Diesen Märkten wenden sich verstärkt auch andere israelische Exporteure zu.

Die israelischen Bauern im Jordantal begannen schon vor zehn Jahren, sich neu zu orientieren. Damals war die BDS-Bewegung gerade von zahlreichen palästinensischen Organisationen gegründet worden, und Großbritannien begann damit, an Obst und Gemüse aus den Siedlungen Aufkleber mit der Aufschrift „Westjordanland: Israelische Siedlung“ anzubringen. Mehreren großen Supermarktketten wurde das bald zu kompliziert: Sie verzichteten ganz darauf, im Jordantal einzukaufen.

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