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Deutsche Auswanderer : Herrlich behaglich in der Schweiz

Land der Freiheit mit gelegentlich engen Gassen Bild: Fiechter, Fabian

Nirgendwohin wandern mehr Deutsche aus als in die Schweiz. Aber es werden weniger, weil sich auch schlechte Erfahrungen herumsprechen. Diejenigen, die bleiben, führen Konzerne und Straßenbahnen.

          In der Schweiz leben bald dreihunderttausend Deutsche, zum weit überwiegenden Teil in dem kleinen Dreieck zwischen Basel, St. Gallen und Bern. Seit sechs Jahren hat hier auch Ronny Grabowski seinen Wohnsitz. Bei der Wohnungssuche in Zürich, wo es schon damals schwierig war, fündig zu werden, hatte er Glück. Als Grabowski und seine Frau im Auto mit deutschem Kennzeichen ein Merkblatt des Hauseigentümerverbandes studierten, klopfte es an die Scheibe. Er suche einen Nachmieter, sagte der deutsche Landsmann an der Autotür, gleich hier im Haus. Der Vermieter habe gute Erfahrungen mit ihm gemacht und nehme gerne wieder Deutsche.

          Jürgen Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Seitdem wohnen der heute Vierunddreißigjährige aus Sachsen-Anhalt und seine Frau auf hundert Quadratmetern in Dübendorf bei Zürich. Offenbar war die geglückte Wohnungssuche ein gutes Omen für die Grabowskis. Die Miete von zweitausend Franken im Monat überschreitet nicht das empfohlene Viertel des gemeinsamen Einkommens. Die Nachbarn sind „total nett“, und auch sonst verbreitet der Einwanderer Zufriedenheit, weil er sich nach eigenem Dafürhalten viel mehr leisten kann als in Deutschland.

          Dabei gehören Grabowski und seine Frau nicht zu den Großverdienern. Beide kamen nach der Ausbildung in Bad Reichenhall nach Zürich, um in der Gastronomie zu arbeiten. Wären sie nicht voll arbeitende Doppelverdiener und hätten sie Kinder, sähe ihre Lage aber wohl weniger rosig aus. Vor gut zwei Jahren suchte Grabowski eine neue Aufgabe und wechselte zu den Verkehrsbetrieben. Nun arbeitet der großgewachsene Deutsche als Straßenbahnfahrer oder als „Tramführer“, wie man hier sagt. Seit März 2012 fährt, führt und klingelt sich Grabowski durch Zürich. Immer wieder ist von einer Abneigung der Schweizer gegen ihre nördlichen Nachbarn die Rede, wegen der großen Zahl, ihrer forschen Art und ihrer Besserwisserei. Der Mann von der Straßenbahn hat nach eigenen Worten dergleichen nicht erlebt, wohl auch deshalb, weil er in einem Multikultibetrieb arbeitet - wie schon zuvor in einem Restaurant am Paradeplatz, wo Ausländer schon die Mehrheit stellten.

          Schweiz immer noch erste Wahl für deutsche Auswanderer

          Marcus Kraft andererseits, aufgewachsen in der Nähe von Stuttgart und seit dem Jahr 2007 wohnhaft in Zürich, erinnert sich an eine unerfreuliche Begebenheit. In einem Supermarkt hatte er einen Drängler in die Schranken gewiesen, worauf dieser sagte: „So weit sind wir schon, dass uns Deutsche sagen, wo es langgeht.“ Wäre er Muslim, hätte sich die Aversion wohl gegen diese Gruppe gerichtet, vermutet Kraft. Seit Jahren ist die Schweiz noch vor den Vereinigten Staaten die erste Wahl für deutsche Auswanderer. Das Land als gutbezahlter Arbeitsort, vielleicht die Erinnerung an erlebnisreiche Ferien zwischen Seen und Bergen, freundliche Leute mit einem Dialekt, der manchen putzig erscheint: Es lässt sich offenbar leben unter den Eidgenossen. Der Lebensstil ist ähnlich und die Heimat immer noch in Reichweite.

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