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Deutsche Bank : Doppelspitze scheint wahrscheinlich

Alles deutet auf Anshu Jain an der Spitze der Deutschen Bank hin Bild: REUTERS

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank beschleunigt die Suche nach einem Nachfolger für Konzernchef Ackermann. Alles deutet auf eine Doppelspitze hin. Die besten Chancen werden Anshu Jain mit Jürgen Fitschen als Partner eingeräumt.

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          Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank beschleunigt die Suche nach einem Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann und trifft sich in der kommenden Woche zu einer Sitzung. Im Umfeld der Bank wird eine Doppelspitze für wahrscheinlich gehalten. In dieser gilt Anshu Jain, Chef des Investmentbankings, als gesetzt. Die höchsten Chancen als Ko-Vorstandschef werden Jürgen Fitschen, dem für das Deutschlandgeschäft zuständigen Vorstandsmitglied, eingeräumt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie aus dem Umfeld des Aufsichtsrats verlautete, hat der Prozess der Nachfolgersuche in den vergangenen Tagen eine neue Dynamik erhalten. Auslöser war die Mitteilung der Schweizer Großbank UBS vom vergangenen Freitag, dass der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber 2013 neuer Verwaltungsratspräsident wird.Der Aufsichtsrat mit seinem Vorsitzenden Clemens Börsig möchte nun offenbar möglichst schnell eine Nachfolgelösung für Ackermann vorlegen. Dessen Vertrag läuft auf der Hauptversammlung 2013 aus. Dann endet auch die Bestellung von Börsig als Aufsichtsratschef. Im Umfeld der Deutschen Bank werden Berichte, wonach noch in diesem Sommer eine Regelung getroffen werden soll, als etwas voreilig gewertet. Mitglieder des Aufsichtsrats nennen als Ziel eine Lösung bis Ende des Jahres.

          Nur noch Außenseiterchancen für die anderen Kandidaten

          Doch dürfte dies wohl eher ein Mindestziel darstellen, denn der Druck ist nach den vergangenen Tagen, in denen der Konflikt zwischen Ackermann und Börsig abermals zum Medienthema wurde, inzwischen zu groß. Deshalb wird im Umfeld des Aufsichtsrats nicht ausgeschlossen, dass die künftige Besetzung der Führungsspitze schon früher präsentiert wird. Eine Favoritenrolle kommt dem Duo aus Jain und Fitschen zu. Allerdings stellt sich hier die Frage, ob Fitschen als künftiger Ko-Vorstandschef nur eine Übergangslösung darstellt. Denn der Deutschlandchef ist ebenfalls Jahrgang 1948 wie Ackermann. Würde er im Frühsommer 2013 das neue Amt antreten, wäre er kurze Zeit später 65 Jahre alt. Der Börsig nachgesagte Wunsch, einen Generationenwechsel an der Vorstandsspitze einzuleiten, spricht ebenfalls dafür, dass Fitschen, der auch in der Berliner Politik gut vernetzt sein soll, nur für einen Übergang stehen kann.

          Wer folgt bei der Deutschen Bank auf Josef Ackermann?

          Dies könnte darauf hindeuten, dass Jain dann später allein an die Vorstandsspitze rückt. Der gebürtige Inder könnte sich dann in dieser Zeit in die Aufgaben einarbeiten, die mit der politischen Dimension des Chefpostens von Deutschlands größter Bank verknüpft sind. Als sein größtes Manko gilt, dass er noch immer nicht Deutsch spricht. Dies erschwert nicht nur die Kontakte in die Berliner Politik und die deutsche Wirtschaft, sondern auch formale Aufgaben wie die Beantwortung von Fragen auf der Hauptversammlung.

          Weitere Kandidaten wären Risikovorstand Hugo Bänziger oder Privatkundenvorstand Rainer Neske. Diesen werden aber allenfalls noch Außenseiterchancen eingeräumt. Finanzvorstand Stefan Krause soll dem Vernehmen nach kein Interesse haben. Sollte in den kommenden Monaten die Besetzung der künftigen Vorstandsspitze geklärt werden, dann stellt sich die Frage, ob Vorstandsvorsitzender Ackermann seinen Vertrag bis zur Hauptversammlung 2013 erfüllen wird. In Finanzkreisen wird dann sein Rücktritt schon ein Jahr früher für möglich gehalten. Dass er Aufsichtsratsvorsitzender werden will, wird in seinem Umfeld ausgeschlossen.

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