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Deutsche-Bank-Co-Chef : Jürgen Fitschen ist an Weihnachten noch angeklagt

  • Aktualisiert am

Jürgen Fitschen im August auf dem Weg zum Prozess. Bild: dpa

„Nehmen Sie sich die Zeit, um auf den Christkindlmarkt zu gehen“: Das empfiehlt der Richter dem Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen. Der Prozess wird noch eine Weile dauern.

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          Im Strafprozess gegen den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, haben sich die Hoffnungen auf einen Abschluss vor Weihnachten zerschlagen. Die komplexe Beweisaufnahme mache es unmöglich, das Verfahren kurzfristig zu beenden, sagte der Vorsitzende Richter Peter Noll am Montag vor dem Landgericht München. Einige im Dezember angesetzte Termine könnten wieder gestrichen werden.

          „Nehmen Sie sich die Zeit, um auf den Christkindlmarkt zu gehen“, sagte er zu Fitschen und den vier anderen ehemaligen Top-Bankern der Deutschen Bank, die sich wegen versuchten Prozessbetrugs im Fall Kirch verantworten müssen.

          Alle fünf hatten den Vorwurf zurückgewiesen, vor vier Jahren Richter betrogen zu haben, um die Deutsche Bank vor Schadenersatz an die Erben des Medienunternehmers Leo Kirch zu bewahren. Der Prozess dauert bereits rund sieben Monate. Ursprünglich wollte der Richter das Verfahren noch vor Weihnachten beenden und hatte drei zusätzliche Termine im Dezember angesetzt. Die Staatsanwaltschaft hatte aber mehrere Beweisanträge gestellt, durch die sich das Verfahren verlängerte.

          Verteidiger sehen Prozessverschleppung

          Fitschens Verteidiger warfen der Staatsanwaltschaft abermals Prozessverschleppung vor und beschuldigten sie, Partei für die Kirch-Seite bezogen zu haben. Die Nähe der Staatsanwaltschaft zur Kirch-Seite sei frappierend und erstaunlich, sagte Rechtsanwältin Barbara Livonius. Es stelle sich die Frage, ob die Staatsanwaltschaft die Zeugenaussagen wahrgenommen und „intellektuell verarbeitet“ habe.

          Zwischen den Verteidigern und der Anklagebehörde kommt es immer wieder zu heftigen Wortgefechten. Staatsanwältin Christiane Serini kritisierte, die Verteidiger wollten absichtlich stören, damit die Vorwürfe nicht aufgeklärt werden könnten.

          Der Medienunternehmer Leo Kirch hatte bis zu seinem Tod die Deutsche Bank für die Pleite seines Konzerns verantwortlich gemacht und Schadenersatz in Milliardenhöhe gefordert. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit zahlte die Bank seinen Erben schließlich 925 Millionen Euro.

          Der mehr als ein Jahrzehnt dauernde Streit hat nach Ansicht des ehemaligen HypoVereinsbank-Chefs Albrecht Schmidt dem Ansehen der Banken in Deutschland geschadet. „Ich fand das für das gesamte Gewerbe, insbesondere für die Deutsche Bank, außerordentlich schädlich, was da zwischen der Kirch-Gruppe und der Deutschen Bank lief“, sagte er als Zeuge. Um einen weiteren Vertrauens- und Reputationsverlust für die Bank zu verhindern, habe er deshalb 2006 beiden Seiten seine Hilfe als Vermittler angeboten. Auf einen Vergleichsvorschlag hätten sich beide Seiten aber nicht eingelassen. „Ich bedauere noch heute, dass es zu keiner Lösung gekommen ist.“/dwi/DP/fbr

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