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Deutsche-Bank-Chef : Cryan: Viele Banker bekommen zu viel Geld

„Viele in der Branche meinen immer noch, sie sollten wie Unternehmer bezahlt werden“: John Cryan Bild: Wolfgang Eilmes

Deutsche-Bank-Chef John Cryan tadelt die Bonusmentalität in seiner Branche. Dass viele Banker zu viel verdienen, sei auch ein Fehler des Managements. Denn viele Boni setzten falsche Anreize.

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          Die Gehälter in Banken halten viele für zu hoch. Dass auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank diese Meinung vertritt, ist neu. Er verstehe nicht, warum viele Banker meinten, sie müssten wie Unternehmer bezahlt werden, sagte John Cryan am Montag auf einer Veranstaltung der Frankfurter Goethe-Universität. Letztlich handelten sie nur mit dem Geld anderer Leute, sagte der Brite, der im Juli Anshu Jain an der Spitze der größten deutschen Bank ablöste. Seither baut Cryan das Institut kräftig um.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einer der größten Fehler in der Finanzkrise sei gewesen, dass jeder so viel verdienen sollte wie irgend möglich. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank sprach sich für eine neue Ausrichtung der Bezahlung an dem langfristigen Erfolg der jeweiligen Geschäfte aus. Aufgabe einer Bank sei es schließlich, über eine lange Zeit mit ihren Kunden zusammenzuarbeiten und ihren wirtschaftlichen Erfolg anzutreiben. Die Deutsche Bank habe deshalb damit begonnen, Boni Zeit verzögert auszuzahlen. Cryan zog als Vergleich: Um jegliches Theater zu vermeiden, dürfe man dem Kind nicht die Süßigkeiten zeigen, bevor klar sei, dass es diese auch wirklich verdient habe. Hinterher wegnehmen sei viel schwerer.

          Cryan distanziert sich vom Begriff „Kulturwandel“, den seine Vorgänger prägten

          Cryan warnte allerdings auch davor, nur auf die Boni zu schauen. Er habe nie verstanden, warum Menschen anders handeln sollten, nur weil sie dafür mehr Geld bekommen könnten. Cryan distanzierte sich von dem abstrakten Begriff Kulturwandel, den sein Vorgänger Jain – zusammen mit dem Noch-Ko-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen – ausgerufen hatte. Kultur müsse im Geschäftsleben jeweils im praktischen Kontext gesehen werden. Es reiche nicht, die Kultur zu wandeln, Führung und Kontrolle seien wichtig.

          Dass sie den schönen Versprechen der Banker nicht mehr allzu viel Glauben schenken mag, machte die Vorsitzende der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), Danièle Nouy, auf der gleichen Konferenz klar. „Jeden Tag gibt es neue Hinweise auf Fehlverhalten bei Kreditinstituten“, sagte sie. Es habe sich gezeigt, dass nicht bindende Verhaltensregeln kaum in den Instituten umgesetzt worden seien. Die Französin kündigte an, die Vorkehrungen der Banken gegen neue Skandale künftig stärker untersuchen zu wollen. Außerdem sollten auch die möglichen Kosten von Fehlverhalten stärker im Aufsichtsprozess beachtet werden – etwa in künftige Banken-Stresstests einfließen. Auch Bonussysteme und Dividendenpolitik der Banken sollten vor diesem Hintergrund strenger kontrolliert werden. Aus ihrer Sicht spielen finanzielle und nichtfinanzielle Anreize bei Fehlverhalten eine entscheidende Rolle. „Kultur und Ethik sind nicht mehr nebensächlich“, sagte Aufseherin Nouy.

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