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Deutsche Bank : Ackermann - eine Bilanz

Dem Risikovorstand war „nein“ mehr als geläufig

Der Rang der Deutschen Bank als einer der führenden Investmentbanken der Welt ist unzweifelhaft. Sie ist nicht in jeder Teildisziplin führend, kann insgesamt aber mit Häusern wie Goldman Sachs, JP Morgan oder Morgan Stanley mithalten. Das starke Wachstum des Investmentbanking hat im Verein mit dem Bestreben, im Interesse eines Risikoausgleichs und eines möglichst breiten Fundaments auch weniger volatile Sparten zu fördern - herausragender Schritt war der Kauf der Postbank -, die Deutsche Bank in mehrfacher Hinsicht an ihre Grenzen geführt.

Die Bank blähte ihre Bilanzsumme nicht zuletzt durch kurzfristige Handelsgeschäfte auf, besaß aber nicht immer ausreichend Eigenkapital, um schnell genug agieren zu können. So scheiterte vor wenigen Jahren der Kauf eines größeren Rohstoffhändlers an der Fähigkeit, in kurzer Zeit eine Finanzierung zu stemmen, während der siegreiche Rivale JP Morgan die Kaufsumme aus der Portokasse bezahlte. Ebenso unterblieben über Jahre Investitionen in eine moderne Informationstechnologie für alle Sparten. So manches war auf Kante genäht, und wenn es keine sehr großen Unfälle gab, so lag dies nicht zuletzt an Hugo Bänziger, dem als Risikovorstand das Wort „nein“ geläufiger war als jedes andere. Der Eindruck konnte entstehen, dass die Deutsche Bank für die Ambitionen Ackermanns einfach nicht genügend Ressourcen besaß.

Deutschland war nie die Messlatte

Diese Kehrseiten der Zersplitterung wurden durchaus wahrgenommen. Als Sandy Weill, der damalige Vorstandsvorsitzende der Citigroup, einen Zusammenschluss vorschlug, bei dem die Deutsche Bank das Investmentbanking des Konzerns leiten würde, die Citigroup aber den Rest, lehnte Ackermann aus guten Gründen ab, weil das Konzept den Untergang der Deutschen Bank bedeutet hätte. Das strategische Dilemma der Deutschen Bank hatte Weill aber ebenso erkannt wie die Börse. Dort ist die Aktie der Deutschen Bank kein Star gewesen, obgleich Ackermanns Haus für das Geschäftsjahr 2006 einen beeindruckenden Gewinn von 8,1 Milliarden Euro vor Steuern auswies.

Der Vorsprung der Deutschen Bank gegenüber der heimischen Konkurrenz ist augenfällig, war aber nie die Messlatte. Ackermanns Welt war global. Als der Schweizer die Bank übernahm, lag der Aktienkurs bei knapp 70 Euro. Im Jahre 2007 erreichte er mit 107 Euro ein Hoch. Heute notiert die Aktie mit 29 Euro. Wer sie im Mai 2002 kaufte, hat auch unter Einschluss von Dividenden und Bezugsrechten kein Geschäft gemacht. Wem es ein Trost sein mag: Der Kurs der UBS hat seit Mai 2002 prozentual noch stärker nachgegeben. Der Kurs der Commerzbank stürzte von 15 auf 2,75 Euro.

Ich habe die Finanzkrise nicht vorausgesehen“, räumt Ackermann ein. Als er im Frühsommer 2007 als einziger Ausländer an einem Treffen mit dem damaligen Vorsitzenden der New York Fed, Tim Geithner, teilnahm, war die dort versammelte Runde von Top-Bankern immer noch optimistisch. Wenige Wochen später brach die Krise mit voller Wucht aus und auch wenn die Deutsche Bank von ihr schwer getroffen wurde, so ersparte ihr Ackermann durch eine schnelle Auflösung verlusttragender Positionen noch schmerzhaftere Einbußen.

Die „Marke Ackermann“

Dass die Deutsche Bank besser durch die Krise gekommen ist als viele andere amerikanische und europäische Banken, ist unbestritten - Ackermann gehört mit Lloyd Blankfein (Goldman Sachs) und Jamie Dimon (JP Morgan Chase) zu den wenigen Vorstandsvorsitzenden großer Häuser, die ihren Job in der Krise nicht einbüßten. An der Bank in puncto Marktkapitalisierung vorbeigezogen sind derweil Banken aus China oder Kanada.

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