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Debatte über Zeitarbeit : Bedarf besteht immer

820.000 Menschen sind in Deutschland als Zeitarbeiter beschäftigt Bild: dpa

Die Vorfälle um den Versandhändler Amazon haben auch wieder Diskussionen über Zeitarbeit ausgelöst. Kein anderer Wirtschaftszweig sorgt für so viel Wirbel - gemessen an der Zahl der Beschäftigten. Daran ändert auch der Ethik-Kodex nichts, auf den die Branche verweist.

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          Die Geschichte hatte alle Zutaten für einen handfesten Skandal. Sicherheitspersonal in Markenkleidung, die auch Neonazis gern tragen. Ausländische Arbeitnehmer, die hilflos ihren Kontrolleuren in leer stehenden Ferienparks ausgeliefert waren, die entgegen anderslautender Versprechen zu kargen Stundenlöhnen beschäftigt wurden und mehr als zwei Wochen ohne Ruhetage arbeiten mussten. Und ein Weltunternehmen, das ungern Steuern zahlt, aber besonders geschickt darin ist, seine Kosten zu drücken. Entsprechend wütend waren die Reaktionen vieler Zuschauer auf eine ARD-Dokumentation, die den Einsatz ausländischer Leiharbeiter beim Online-Versand Amazon anprangerte.

          800.000 Zeitarbeiter in Deutschland

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Damit geriet auch die Zeitarbeitsbranche wieder einmal in den Fokus. Kein anderer Wirtschaftszweig sorgt gemessen an der Zahl der Beschäftigten für so viel Wirbel. In absoluten Zahlen sind es derzeit rund 800.000 Beschäftigte. Ihr Anteil an den knapp 42 Millionen Erwerbstätigen beträgt gerademal knapp zwei Prozent und liegt damit im europäischen Durchschnitt. Dennoch schafft es das Geschäft mit dem Verleih von Personal hierzulande regelmäßig in die Schlagzeilen und damit auch auf die Agenda der Politik.

          Amazon hat sich von dem Sicherheitsunternehmen mit dem Akronym H.E.S.S. und einem Logistiker getrennt. Dass diese die Privatsphäre der ausländischen Leiharbeiter verletzten, belege, dass es nicht gelungen sei, die eigenen Standards auf seine Dienstleister zu übertragen, erklärte Amazon anschließend reumütig. Die Bundesagentur für Arbeit prüft, ob das Zeitarbeitsunternehmen Trenkwalder gegen Vorschriften verstoßen hat. Das Unternehmen selbst gab am Dienstag bekannt, dass weder Zoll noch Arbeitsagentur die im Fernsehbericht vorgebrachten Mängel bei einer Prüfung am Montag bestätigt hätten. Keinem Zeitarbeiter sei ein Lohnnachteil entstanden. Doch egal, wie die Sache ausgehen wird, wie groß der Skandal dann tatsächlich noch ist - der Schaden ist schon jetzt groß. Denn hängen bleiben wird bei vielen: wieder mal die Zeitarbeit.

          Eine ARD-Dokumentation hatte Missstände bei Amazon aufgedeckt und damit die Diskussion um Leiharbeit neu entfacht Bilderstrecke

          Die Branche ist in Aufregung. „Das darf kein zweiter Fall Schlecker werden“, hofft ein Vertreter. Vor etwas mehr als drei Jahren kam der damals klamme Drogeriemarktkonzern auf die Idee, einem Teil seiner Beschäftigten zu kündigen und sie in einer neuen, internen Verleihfirma wiedereinzustellen. Der Arbeitgeber hätte dann eine Menge Geld gespart: Statt nach dem Einzelhandelstarifvertrag hätte er die Mitarbeiter zu den wesentlich niedrigeren Zeitarbeitstarifen vergüten müssen. Doch das Ganze kam ans Licht der Öffentlichkeit. Schlecker nahm seine Pläne zwar zurück, hatte seinen Ruf jedoch vollends ramponiert. Wenig später musste Schlecker Insolvenz anmelden.

          Bis vor zehn Jahren war Zeitarbeit stark reguliert

          Die Vorgänge riefen in Berlin die Politik auf den Plan. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) machte zunächst „Drehtürgeschäften“ mit Personal nach dem Vorbild Schleckers ein Ende. Vor der Arbeitsmarktöffnung für Osteuropäer wurde auch ein Branchenmindestlohn festgelegt. Die 8,19 Euro in der Stunde, die ein ungelernter Westdeutscher mindestens erhält, können sich im Vergleich zu vielen anderen Berufen etwa im Handwerk sehen lassen.

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