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Chef-Wechsel beim BDA : Ingo Kramer wird Arbeitgeberpräsident in widrigem Klima

Ingo Kramer Bild: dpa

Ingo Kramer ist jetzt der oberste Interessenvertreter der deutschen Arbeitgeber. Er folgt Dieter Hundt und hat angesichts der vielen geplanten neuen Regulierungen viel zu tun. Ein Porträt.

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          Wenn es schon unausweichlich ist, dass der Arbeitsmarkt demnächst mit einer Serie neuer Regulierungen überzogen wird, dann kommen die Beschlüsse von Union und SPD für Ingo Kramer gerade noch rechtzeitig: Da die Parteien vieles bereits in den Koalitionsrunden der vergangenen Tage verabredet haben, wird man ihm jedenfalls nicht vorwerfen können, es habe mit unzulänglicher Lobbyarbeit des neuen Arbeitgeberpräsidenten zu tun. Kramer wurde ja erst an diesem Montag zum Nachfolger von Dieter Hundt gewählt, der seit 17 Jahren an der Spitze der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) gestanden hatte.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Allerdings wird Kramer das Amt unter stark veränderten Vorzeichen ausüben. Seit der Jahrtausendwende hatte sich die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik über weite Strecken in eine aus der Sicht der Arbeitgeberverbände günstige Richtung bewegt: Der Arbeitsmarkt wurde flexibler, und eine auf finanzielle Solidität bedachte Sozialpolitik ließ die Lohnnebenkosten sinken.

          Nun aber muss Kramer die Arbeitgeber in einem Umfeld vertreten, in dem der Gesetzgeber Flexibilität einschränkt, die Ausgaben der Sozialversicherungen erhöht - und das alles mit der mehr oder minder deutlich ausgesprochenen Begründung, von allein würden die deutschen Arbeitgeber ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht ausreichend gerecht.

          Bruchlandung in der Antarktis

          Der 60 Jahre alte Unternehmer aus Bremerhaven hat zumindest Erfahrung darin, sich auch in widrigem Klima zu behaupten. Die J.H.K.-Gruppe, die er in dritte Generation führt, ist als Spezialanlagenbauer auch in entlegensten Weltregionen aktiv. Um den Bau der Forschungsstation „Neumayer III“ zu planen, reiste Kramer vor einigen Jahren sogar tief in die Antarktis und überlebte dort eine Bruchlandung im Eis. Davon abgesehen ist er ein Mann des eleganten Auftritts, sprachgewandt und zugleich unprätentiös.

          Auf der Hauptstadtbühne ist Kramer indes noch nicht so zu Hause, auch wenn er dort durchaus kein Neuling aus der norddeutschen Provinz ist. Immerhin war er, neben seinen Ehrenämtern als Präsident des Arbeitgeberverbands Nordmetall und der örtlichen Industrie- und Handelskammer, auch schon zehn Jahre lang BDA-Vizepräsident. In dieser Funktion hat er etliche Spitzenpolitiker bei deren gelegentlichen Besuchen in Präsidiumssitzungen im direkten Gespräch erlebt.

          Für die FDP im Stadtparlament

          Bundeskanzlerin Angela Merkel traf er zum ersten Mal vor einigen Jahren während einer Preisverleihung des Wettbewerbs „Jugend forscht“ - das Thema Bildung ist ihm besonders wichtig, wie er auch mit seinem Ehrenamt als Vorsitzender der Stiftung der deutschen Wirtschaft dokumentiert. Und vor etwas längerer Zeit hat er sogar einmal selbst Erfahrung als Politiker gesammelt. Kramer war von 1987 bis 1992 Vorsitzender der FDP-Fraktion im Bremerhavener Stadtparlament.

          Soweit seine politische Haltung schon dokumentiert ist, steht Kramer für eine Art des sozialpartnerschaftlichen Liberalismus, dem nach Ansicht mancher Freidemokraten nun die Zukunft gehört. Wie er den Unternehmen in der Politik mehr Gehör verschaffen will, wird Kramer an diesem Dienstag erklären. Auf dem Arbeitgebertag hält er seine erste Grundsatzrede.

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