https://www.faz.net/-gqe-71zeh

Burgen in der ehemaligen DDR : Die Schlossretter

Bild: Lüdecke, Matthias

Hunderte von Burgen, Schlössern und Herrenhäusern in der einstigen DDR drohen endgültig zu verfallen. Es gibt zwar Heimkehrer und Idealisten, die sie retten wollen. Das aber kostet viel Geld und Nerven.

          8 Min.

          Als die Familie von Below das erste Mal nach der Wende nach Sachsen fährt, um ihre einstige Burg Döben zu suchen, findet sie hoch auf dem Berg nur noch Geröllhaufen und Mauerreste, alles von Gras überwuchert. Näher an der Straße stehen bröckelige Ruinen ehemaliger Wirtschaftsgebäude. Zwischen den Mauern wachsen Bäume, überall blüht Unkraut, unten im Tal schlängelt sich der Mulde-Fluss. Von der stolzen Burg Döben bei Grimma, die schon zu Kaiser Barbarossas Zeiten eine wichtige Befestigung war, ist nichts mehr übrig. Die DDR-Behörden haben sie 1971 sprengen lassen. Offizielle Begründung: Das heruntergekommene Schloss am Hang sei ein Sicherheitsrisiko. Inoffiziell war klar, dass hier ein Symbol der Feudalzeit verschwinden sollte.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Hubertus von Below wollte sich mit diesem Ende der Geschichte nicht abfinden. Der Augenarzt mit dem festen Händedruck stammt eigentlich aus Kiel. Zur Wende-Zeit arbeitete er an einer Klinik in London. Doch die Erzählungen seiner Tante vom ehemaligen Schloss Döben ließen ihn nicht los. Also zog er mit Frau und Kindern nach Sachsen und begann den Wiederaufbau jener Anlage, die seinen Verwandten bis zur Enteignung 1945 gehörte. 330000 Mark mussten sie dem Staat zahlen, um das Eigentum an dem Ruinengelände wiederzuerlangen. Diese Summe war bloß ein kleiner Anfang. Insgesamt hat die Familie 4,3 Millionen Euro in den Wiederaufbau investiert, etwas mehr als 10 Prozent davon erhielt sie als staatliche Fördermittel.

          Mauern und Burggräben ausbuddeln

          Insgesamt acht historische Häuser hat Below auf dem Gelände wieder aufgebaut. Angefangen haben sie mit der ehemaligen Brauerei, deren Uhrturm aus dem sechzehnten Jahrhundert originalgetreu rekonstruiert wurde. Eine alte Malztenne haben die Belows zum Wohnhaus umgebaut, dort leben sie mit ihren vier Kindern. Im Eselstall hat ein Nachbar eine Heimatstube eingerichtet. Die hässlichen Schweineställe der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) aus DDR-Zeiten sind abgerissen. Der malerische Park mit Rosenstöcken und Blick ins Tal ist für die Öffentlichkeit geöffnet.

          So ist das Schloss ein kleines kulturelles Zentrum geworden. Dorothea von Below lädt regelmäßig Studenten der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst ein. Im Brauereigebäude finden Konzerte und Kabarettabende statt. Jeden Sommer kommen Gruppen von Schülern und buddeln mit Denkmalschützern Mauern und Burggräben aus. Das Dorf, in dem es kaum noch Kinder gab, ist wieder aufgeblüht. Allein in den sanierten und rekonstruierten Gebäuden der Belows leben neun Familien, 17 Kinder sind hier inzwischen aufgewachsen. „Operation geglückt, der Patient wurde wiederbelebt“, sagt Dorothea von Below. „Das ist meine größte Freude.“

          Zuvor schon haben sie in den neunziger Jahren in Grimma einen Ruderverein und eine evangelische Schule gegründet. In seiner Klinik und für die Schlossarbeiten beschäftigt Below zwölf Menschen. „Wir dachten: Wer kann etwas dagegen haben, dass wir hier etwas aufbauen?“ Doch nicht allen gefiel es, dass hier ein Macher auftauchte, der das Schloss wiederbelebte. Kurz vor Ostern 2004 brach in der Brauerei in der Nacht ein Feuer aus. Sie brannte bis auf die Grundmauern ab. „Es gab drei Brandherde, und es wurde brennbare Flüssigkeit gefunden“, sagt Below. Er ist überzeugt, dass es Brandstiftung war. „Das Tragische war, wir hatten das Gebäude gerade fertig saniert. Aber wir haben uns nicht unterkriegen lassen und alles noch mal aufgebaut.“

          Topmeldungen

          Eine Frau mit Maske überquert die Straße im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Im Hintergrund ist ein Stoppschild auf die Wand gemalt: „Nicht ein Toter mehr!“

          Liveblog zum Coronavirus : Mehr als 300.000 Infizierte in Amerika

          Bundesverband der Deutschen Industrie geht von Wirtschaftseinbruch von bis zu sechs Prozent aus +++ Leichte Hoffnung für Italien: Die Zahlen der täglichen Toten ist gesunken +++ Die schwangere Verlobte des britischen Premiers Johnson litt nach eigenen Angaben unter dem Coronavirus +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.