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Buchvorstellung : Josef Ackermann, sein Kommunikator und das Gemeinwohl

Stefan Baron (l) und Josef Ackermann Bild: REUTERS

Josef Ackermanns früherer Sprecher hat ein Buch über seinen ehemaligen Chef geschrieben. Voller Bewunderung schreibt er viel und reflektiert wenig. Ackermann äußerte sich bei der Vorstellung erstmals zu Vorwürfen, er trage eine Mitschuld am Suizid des Zurich-Finanzchefs Wauthier.

          Stefan Baron hatte wohl schon vor der Veranstaltung geahnt, wie sie laufen würde. Geladen hatte der Econ-Verlag ins Berliner Regent-Hotel zur Präsentation von Barons Buch über Josef Ackermann. Gekommen waren nicht wenige der rund 60 Journalisten in der Hoffnung, der als Teilnehmer an der Veranstaltung annoncierte Schweizer werde nicht nur etwas über das Buch sagen, sondern auch etwas über die beiden aktuellen Dossiers, in deren Rahmen der Name Ackermann seit Wochen immer wieder fällt: Siemens und die Zürich-Versicherungsgruppe.

          Ackermann kam, sagte ein paar nette Worte über das Buch und nutzte dann zur Freude der anwesenden Journalisten die Gelegenheit, sich aus seiner Sicht zu Siemens und der Zürich zu äußern. Danach entschwand er mit den Worten „Ich muss jetzt leider weiterziehen“ - professionell lächelnd, aber doch auch unverkennbar mit Gram im Gesicht. Übrig blieb Baron mit der undankbaren Aufgabe, die Aufmerksamkeit seines Publikums aus der Aktualität des Jahres 2013 in die jüngere Bankgeschichte zu lenken.

          Was hatten sie sich in den vergangenen Wochen in den Doppeltürmen an der Frankfurter Taunusanlage Gedanken über dieses Buch gemacht! Ackermann hatte 2007 den damaligen Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“ für viel Geld (wie Baron offen schreibt) als Leiter der Konzernkommunikation der Deutschen Bank geholt. Nun schreibt Baron, der die Bank 2012 mit Ackermann verließ, aber als freier Kommunikationsberater weiterhin mit dem Schweizer in Kontakt steht, ein Buch über seinen ehemaligen Chef.

          Was wird er schreiben?, fragte man in Frankfurt. Nutzt Baron - der eher den Ruf eines Kommunikators Ackermanns als eines Kommunikators der Bank besaß (wogegen er sich wendet) - die Gelegenheit, um mit früheren Widersachern Ackermanns abzurechnen? Baron brauchte von Ackermann die Genehmigung, das Buch zu verfassen. Baron bestand aber darauf, es unabhängig zu schreiben. Diese Ambivalenz - der Autor ist frei und irgendwie auch nicht frei - durchzieht das Werk, das von Baron als Porträt angelegt wurde, aber tatsächlich eher eine Ereignisgeschichte der Finanzkrise geworden ist.

          Die Seitenhiebe auf Anshu Jain und Clemens Börsig sind sparsam

          Mehr als 90 Prozent des Inhaltes ließen sich mit Hilfe eines guten Archivs zusammenstellen. Baron plaudert nicht sehr viel aus dem Nähkästchen; die Seitenhiebe auf Anshu Jain und Clemens Börsig sind sparsam, Jürgen Fitschen wird kaum erwähnt. Über die eine oder andere Nickeligkeit wird ein milder Schein ausgebreitet. Bekannt war wohl nicht, dass Ackermann angesichts der Welle von Klagen gegen die Deutsche Bank im Jahre 2011 ernsthaft an einen Rücktritt gedacht hatte. „Absolut bizarr“ (Baron) wirkt, dass der Chef-Kommunikator während der Tage um den Fall von Lehman Brothers praktisch keinen Kontakt zu Ackermann besaß und inmitten des schlimmsten Sturms an den Finanzmärkten endlich einmal Zeit fand, beim Griechen um die Ecke essen zu gehen.

          „Späte Reue“ - so der Buchtitel - will die Wandlung Ackermanns von einem hauptsächlich renditegetriebenen Banker zu einer Art Staatsmann während der Finanzkrise zeigen. Ackermann sekundiert erfreut und betont, dass er mit seinem Engagement in den Jahren nach 2009 „einen sichtbaren Beitrag zum Gemeinwohl“ geleistet habe. Zwar schildern, aber nicht wirklich erklären kann Baron die letzten Jahre Ackermanns in der Bank, den unseligen Streit um die Nachfolge. Baron bewundert Ackermann, ohne dessen Schwächen zu negieren. Er beschreibt viel, aber reflektiert wenig. Wie wird Ackermanns Bild künftig aussehen?, fragt Baron am Ende. Eine klare Antwort liefert auch er nicht.

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