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Brücken und Geländer : Woher kommen eigentlich die ganzen Liebesschlösser?

  • -Aktualisiert am

Edelstahl hält besser: Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke in Köln Bild: dpa

In aller Welt hängen Liebespaare kleine Vorhängeschlösser an Brücken, Türme und Treppengeländer. Der Brauch ist zum großen Geschäft geworden.

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          Für Andrea und Helmut sieht es schlecht aus. Wie lange ihre Liebe hier wohl noch hält? Zwei Jahre ist es her, dass Andrea und Helmut ihre Liebe an der Thalkirchner Brücke in München mit einem kleinen Schloss besiegelt haben. Aber das hat mächtig Rost angesetzt.

          Die Liebe von Lena und Ben glänzt noch immer. Das liegt am Edelstahl, aus dem ihr Liebesbeweis geschmiedet ist. Ob ein Liebesschwur ewig hält, ist heutzutage auch eine Frage des Geldes - wenn man es in ein graviertes Schloss investiert, das an einem Brückengeländer klemmt.

          Tausendfach haben sich hierzulande verliebte Paare symbolisch mit kleinen Vorhängeschlössern an Brücken und Geländer gekettet: Nichts kann uns wieder auseinanderbringen. Die Flensburger Sankt-Jürgen-Treppe und der Friedrichshafener Moleturm sind die nördlichsten und südlichsten Außenposten der Liebesschwüre der Republik. Inzwischen haben sich die Liebesschlösser über die ganze Welt verbreitet. Geradezu Pflicht ist das Aufhängen eines Schlosses für Helsinkis Verliebte, schließlich trägt die berühmteste Brücke der Stadt auch noch den Namen „Brücke der Liebe“.

          Ein Brauch geht um die Welt

          Die „Love Padlocks“ hängen längst auch an der Brooklyn Bridge in New York, der Pont des Arts in Paris oder in Montevideo in Uruguay. Südkoreanische Liebende haben ihre Schlösser an das Geländer des Fernsehturms geklemmt, und selbst an der Chinesischen Mauer hängen sie an den Stahlseilen, die Mauerläufern als Handlauf dienen. Deshalb dachte die Ethnologin Dagmar Hänel anfangs, die Schlösser seien ein altes asiatisches Ritual. Doch westliche Touristen hängten die Schlösser dort auf, weiß sie heute.

          Auf dem Eisernen Steg in Frankfurt
          Auf dem Eisernen Steg in Frankfurt : Bild: Schmitt, Felix

          Woher der Brauch kommt, weiß auch Hänel nicht, weil sich dieser so plötzlich über die Welt verbreitete. Manchen gilt Florenz als Anfangsort. Dort feiern die Studenten der Sanitätsakademie San Giorgio das Ende ihres Studiums, indem sie ihre Spindschlösser an die Ponte Vecchio klemmen und die Schlüssel in den Fluss werfen. In Norditalien sollen junge Männer so seit den Weltkriegen das Ende ihres Militärdienstes gefeiert haben. Paare in Rom sollen die Tradition übernommen haben. Und vermutlich hätte nie jemand davon Kenntnis genommen, wenn es nicht Federico Moccias Roman „Ich steh auf Dich“ gegeben hätte, in dem diese Szene vorkommt. Moccia behauptet gar, er habe einen Tag vor dem Erscheinen im Jahr 2006 das erste Schloss in Rom an der Ponte Milvio aufgehängt, um sein neues Buch glaubwürdiger zu machen.

          40.000 Paare haben sich an der Kölner Hohenzollernbrücke verewigt

          In Deutschland ist die Hohenzollernbrücke in Köln Hauptanlaufpunkt für Liebende. Auf der Eisenbahnbrücke am Dom haben sich über 40.000 Paare ihre Liebe geschworen. Das Tourismusamt der Stadt bewirbt die Brücke als „Wallfahrtsort für Verliebte“, und die musikalischen Lokalhelden „de Höhner“ verewigten sie in ihrem Lied „Schenk mir Dein Herz“. Seitdem dekorieren die Metallwarenhändler der Stadt ihre Schaufenster mit herzigen Schlössern, und bei Juwelieren bekommt man für ein paar Euro eine Gravur. Der Internetshop Colognesfinest hat sich sogar ganz auf die Liebesbeweise spezialisiert. Ladenchef Daniel Breuer graviert die Schlösser eigenhändig und sagt, er verschicke sie „mittlerweile in die ganze Welt, an alle Altersgruppen“.

          An der Ponts des Arts in Paris
          An der Ponts des Arts in Paris : Bild: AFP

          Man bekommt so ein Metallschloss, mit dem man früher höchstens Kellerverschläge verrammelte, schon für ein paar Euro. Bei der Online-Bastelplattform Dawanda bieten Verkäufer sie ab 8,49 Euro mit preiswerter „Laserwunschgravur“ an. Versandhändler wie liebes-schlosser-shop.de haben Liebesbeweise ab 9,95 Euro im Programm und melden Hunderte verkaufte Schlösser pro Woche. Ein Messingschloss mit Diamantgravur kommt ab 16 Euro sogar „mit exklusiver Liebesgarantie“ daher. Für Exemplare in „Treueblau“ oder „Hoffnungsgrün“ legt man rund 26 Euro hin, man kann sogar Fotos darauf drucken lassen, und manche lassen sich den Treueschwur sogar vergolden. Kostenpunkt der 24-Karat-Auflage „für besondere Anlässe“: rund 80 Euro. Selbst der Schlosshersteller Abus hat eine spezielle Liebes-Kollektion in Rot aufgelegt, mit vorgeprägten Herzmotiven. Allzu knauserig sollte man beim Schloss nicht sein, sondern wenigstens eines aus Edelstahl nehmen. Sonst kann es mit dem großen Liebesbeweis ganz schnell wieder vorbei sein.

          Wenn die Liebe rostet, schreiten oft die Behörden ein. In München hat Peter Schaller bei dieser herzlosen Arbeit seine Finger im Spiel, zuständig für die Abteilung Wasserbau und Bauwerksunterhalt. Eine Zeitlang versuchte die Stadt, das Aufhängen der Schlösser zu unterbinden, inzwischen hat sie eingesehen, dass sie gegen die Liebe machtlos ist und duldet sie. Schaller passt auf, dass die Brücken intakt bleiben. Wo das Edelstahl der Brückengeländer mit dem unedlen Metall vieler Schlösser zusammenkommt, da bilden sich Roststellen. Da fangen Schlösser und Bauwerke gleichermaßen an zu korrodieren. In solchen Fällen greifen Mitarbeiter des Bauhofs zum Bolzenschneider und knipsen die Schlösser ab.

          Liebesschloss-Verkäufer in Venedig
          Liebesschloss-Verkäufer in Venedig : Bild: AFP

          Rund 100 bis 150 Stück habe die Stadt München 2012 entfernt, verrät Schaller. Immerhin verwahrt der Bauhof jedes Schloss für drei Monate auf. Für den Fall, dass ein Paar es vermisst und die Reste der Verbindung einsammeln möchte.

          Manche Städte haben das Aufhängen ganz verboten: Berlin droht Paaren mit einem Verwarnungsgeld von 35 Euro, und vom Geländer der Rialtobrücke in Venedig sollte man lieber die Finger lassen, es sei denn, die große Liebe ist einem 3000 Euro Bußgeld wert. Andere Städte bangen um ihre Brücken wegen des Zusatzgewichts, die Laterne in Rom bog sich unter der Last der Liebesbeweise bedenklich durch. Heidelberg stellte zum Schutz seiner denkmalgeschützten Brücke einen „Liebesstein“ auf, an dessen Metallringe können die Liebenden ihre Schlösser hängen.

          In Köln ist die Bahn als Betreiberin der Hohenzollernbrücke gelassen: 15 Tonnen dürften die Liebesschlösser zusammen wiegen - das werde die Brücke gerade noch aushalten.

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