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Britischer Königshof : Die Queen soll das Sparen lernen

Queen Elizabeth II Bild: AP

Am britischen Königshof wird das Geld knapp. Denn der Hofstaat von Queen Elizabeth II gibt laufend mehr aus, als ihm vom Staat zugewiesen wird. Am Buckingham Palace beginnt es schon zu bröckeln.

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          Am britischen Königshof wird das Geld knapp. Der Kassenstand im Haushalt von Königin Elizabeth II sei wegen mangelndem Kostenbewusstsein und Schlendrian auf einen „historischen Tiefpunkt“ gesunken, bemängelt ein brisanter Bericht eines Parlamentsausschusses. Weil der Hofstaat von Elizabeth laufend mehr Geld ausgebe als ihm vom Staat zugewiesen werde, seien die Reserven des Königshauses seit dem Jahr 2001 von 35 Millionen Pfund (43 Millionen Euro) auf eine Million Pfund zusammengeschmolzen. Auch die Beamten des britischen Finanzministers George Osborne hätten es sträflich versäumt, die Finanzplanung Ihrer Majestät besser zu beaufsichtigen. 

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Folgen der royalen Misswirtschaft sind nach Einschätzung der Parlamentarier gravierend: Weil es an Geld fehle, beginnt es an den königlichen Palästen zunehmend zu bröckeln. Vor allem Buckingham Palace und Windsor Castle seien durch langjährige Vernachlässigung in einem traurigen Zustand, berichtete die Londoner Zeitung „Daily Telegraph“ am Dienstag. Die Bediensteten der Königin müssten von der Decke tropfendes Wasser in Eimern auffangen. Mehr als 60 Jahre alte Wasserboiler führten zu enormen Energiekosten.

          Der teuerste Königshof der Welt

          Der Königshof lebe über seine Verhältnisse, kritisierte die Abgeordnete Margaret Hodge von der oppositionellen Labour Party, die dem Parlamentsausschuss vorsitzt: Während manche staatliche Ministerien in der Wirtschaftsflaute der vergangenen Jahre ihre Budgets um bis zu ein Drittel gekürzt hätten, seien die Ausgaben im Haushalt der Königin in den vergangenen fünf Jahren nur um 5 Prozent gesunken. Die Königin erhält dieses Jahr vom Staat eine Zuwendung von rund 36 Millionen Pfund. Das Geld ist unter anderem für die Bezahlung der Angestellten und den Unterhalt der Paläste gedacht.

          Um die Finanzklemme zu entschärfen fordern die Parlamentarier Elizabeth II auf, ihre Einnahmen aufzubessern: „Die Königin kann ihr Einkommen steigern“, sagte die Abgeordnete Hodge. So stehe der Buckingham Palace derzeit nur an 78 Tagen im Jahr für zahlende Besucher offen. Der Tower of London locke jedes Jahr rund 2 Millionen Touristen an – viermal soviel wie bisher der Palast der Königin.

          Die Briten leisten sich den mit Abstand teuersten Königshof der Welt. Finanzfachleute schätzen die gesamtwirtschaftlichen Kosten auf umgerechnet mehr als 300 Millionen Euro im Jahr. Nur einen Teil davon muss allerdings der königliche Haushalt direkt bestreiten. Mit Abstand größter Ausgabenposten ist der Polizeischutz für die königliche Familie, der wohl allein rund 120 Millionen Euro verschlingt. Königstreue Marketingexperten rechnen aber vor, dass die Monarchie dennoch ein gutes Geschäft für die Briten sei - vor allem weil Glanz und Gloria des Königshofs den Fremdenverkehr in Schwung bringe und Großbritanniens Renommee in der Welt aufpoliere. 

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