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Britische Königsfamilie : Prinz Charles nimmt seine Bodenschätze ins Visier

Großgrundbesitzer: der britische Thronfolger Prinz Charles hat gerade seine Grafschaft in Kenntnis gesetzt über seine Bodenschätze. Bild: AFP

In der Grafschaft Cornwall formiert sich eine Rebellion gegen Prinz Charles. Die Bewohner haben Angst, dass unter ihren Füßen ein Bergwerk entsteht und der Thronfolger seine Bodenschätze ausbeutet.

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          In einer kleinen Gemeinde in der südenglischen Grafschaft Cornwall formiert sich eine Rebellion gegen den britischen Kronprinz Charles. Mitarbeiter des Thronfolgers haben kürzlich die Einwohner der Ortschaft Stoke Climsland angeschrieben und sie darauf hingewiesen, dass Charles rechtmäßiger Eigentümer der Bodenschätze unter ihren Häusern sei. Jetzt geht unter den rund 1600 Dorfbewohnern die Angst um, dass demnächst unter ihren Füßen ein Bergwerk entstehen könnte.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Clive Donner, ein pensionierter Polizist und Bürger von Stoke Climsland, nannte Prinz Charles gegenüber der Boulevardzeitung „Daily Mail“ einen „Tyrannen“. Als Thronfolger verfügt Charles über das Herzogtum Cornwall, was ihn zu einem der größten Grundbesitzer im Land macht.

          Dem Kronprinzen gehören in Cornwall mehr als 7000 Hektar Land und im Rest des Landes weitere 46.000 Hektar. Viele der Grundstücke sind, wie in Stoke Climsland, langfristig verpachtet.

          Jahrhundertealte Bergbautradition

          In den Schreiben, welche die Dorfbewohner in ihren Briefkästen fanden, werden sie aufgefordert, eventuelle Vorbehalte gegen den Eigentumsanspruch von Charles bis Anfang Dezember geltend zu machen. Die Verwalter des Thronfolgers versichern zwar, es gebe keine Pläne, in Stoke Climsland Bergbau zu betreiben. Aber warum müsse sich Charles dann explizit die Rechte an den Bodenschätzen sichern, fragen die misstrauisch gewordenen Bürger.

          Als er seine Grundstückspacht erworben habe, sei in den teilweise mehr als 160 Jahre alten Dokumenten nirgendwo von Bodenschätzen die Rede gewesen, beschwert sich der Pensionär Donner. Das sei auch nicht notwendig, entgegnet kühl die Verwaltung des Herzogtums. Die Rechte seien separat verbrieft.

          Der Bergbau hat in Cornwall eine jahrhundertelange Tradition. Bis heute prägen die malerischen Ruinen historischer Zinnminen das Landschaftsbild. In den kommenden Jahren könnte die längst totgesagte Branche in Südengland eine neue Zukunft bekommen. So wurden vor zwei Jahren in Cornwall Vorkommen des seltenen Schwermetalls Indium gefunden, das in der Produktion von Hightech-Produkten wie Flachbildschirmen oder Handydisplays gebraucht wird. Auch über Schiefergaslagerstätten, die mit Hilfe der umstrittenen Fracking-Methode angezapft werden könnten, wird spekuliert. Damit sitzt Prinz Charles wahrlich auf einem Schatz.

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