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BMW-Großaktionär : Die Wut der Quandts

Auch ein Wutbürger: Stefan Quandt, BMW-Großaktionär Bild: dapd

Planwirtschaft, Planlosigkeit, Hysterie: BMW-Großaktionär und Milliardär Stefan Quandt spricht sich in Rage und kritisiert die Regierungspolitik. Für Kanzlerin Merkel wird die Distanz des Wirtschaftsbürgertums gefährlich.

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          Normalerweise meidet er die Öffentlichkeit: Höchstens einmal im Jahr tritt der Unternehmer und Milliardär Stefan Quandt (45) ins Rampenlicht. Dann nämlich, wenn die Stiftung seiner Familie den renommierten „Herbert Quandt Medienpreis“ vergibt, hält Quandt eine höflich unverbindliche Begrüßungsrede. Am vergangenen Mittwoch war es wieder einmal so weit, es war zugleich der Tag nach dem 85. Geburtstag seiner Mutter („Mutti“) Johanna Quandt.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Völlig überraschend nutzte Stefan Quandt dann aber seinen Auftritt zu einer Generalabrechnung mit der Regierungspolitik und der Art und Weise, wie Schwarz-Gelb den Atomausstieg verstolpert habe. „Planwirtschaft“ und „Planlosigkeit“ hätten sich im hastig herbeigeführten Ausstiegsbeschluss („Aktionismus“) in „unheilvoller Weise“ vermischt, klagte der Unternehmer und geißelte „Hysterie und überstürzte Reaktionen“. Es folgte eine ziemlich unfreundliche Abrechnung mit der sogenannten Ethik-Kommission, die den Aktionismus befeuert habe, während man Ergebnisse der Reaktorsicherheitskommission, wonach Kernkraftwerke sicher sind, politisch ignoriere.

          Quandt selbst ist Großaktionär bei dem sächsischen Sonnenunternehmen Solarwatt und zählt zu den Profiteuren der Energiewende. Er vergaß deshalb den Hinweis nicht, dass er die ganze regenerative Maschinerie im Prinzip gut findet. Aber eben: Aussteigen, ohne zugleich die Voraussetzungen für den Ausstieg zu schaffen, das bringt den Mann in Rage.

          Module der Solarwatt AG: Quandt ist Großaktionär bei dem sächsischen Sonnenunternehmen

          Für Angela Merkel (CDU) ist die zunehmende Distanz des Wirtschaftsbürgertums brandgefährlich. Die Kanzlerin muss nicht nur um den Rückhalt ihrer Wähler fürchten, sondern auch um finanzielle Unterstützung durch ihre vermögende Stammklientel. Stefan Quandt (nebst Schwester Susanne Klatten und Mutter) gehört seit Jahren regelmäßig zu den Hauptsponsoren der Union. Zuletzt gingen von der Familie auf dem Konto der CDU im Herbst 2009 nach dem Start von Schwarz-Gelb 450.000 Euro ein. Seither ist der Spendenfluss versiegt.

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