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Bitkom-Studie : Schon die Erstklässler gehen häufig online

Handys, Klamotten: Jugendliche kennen viele Statussymbole. Bild: F1online

Deutschlands Nachwuchs lebt im Internet. Bei den älteren Jugendlichen erreicht die Nutzerquote bis zu 100 Prozent. Facebook spielt dabei längst nicht mehr die Hauptrolle.

          Ohne Internet läuft bei Deutschlands Kindern und Jugendlichen gar nichts mehr. Spätestens im Alter von zehn Jahren sind fast alle im Netz unterwegs. Dies ist das Fazit einer neuen Studie des Hightech-Verbandes Bitkom. Schon unter den Erstklässlern liegt die Online-Quote überraschend hoch: 39 Prozent der Sechs- und Siebenjährigen gaben in der Umfrage an, zumindest gelegentlich das Internet zu nutzen. Dabei sind sie im Durchschnitt elf Minuten je Tag online. Bei den 16- bis 18-Jährigen beträgt die tägliche Nutzungsdauer schon knapp zwei Stunden. In dieser Altersgruppe erreicht die Netz-Nutzerquote laut Erhebung einen Wert von 100 Prozent.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Studienbericht mit dem Titel „Jung und vernetzt – Kinder und Jugendliche in der digitalen Gesellschaft“ arbeitet einen weiteren Trend heraus – die schnelle Entwicklung des mobilen Internet. Vor allem ältere Jugendliche gehen am liebsten mobil ins Netz. Bei den 16- bis 18-Jährigen gehört das Smartphone mit 89 Prozent der Nennungen zu den am häufigsten genutzten Online-Geräten. 69 Prozent nutzen Notebooks, 52 Prozent stationäre PCs, 26 Prozent Tablets. Bei den Erwachsenen sind die Zahlenverhältnisse gerade umgekehrt: Unter ihnen geben nur 47 Prozent an, das Handy für den Internetzugang zu nutzen, 66 Prozent dagegen das Notebook und 72 Prozent den Desktopcomputer. Die Befragten durften mehr als ein Gerät angeben, mit dem sie online gehen.

          Generell spielt das Smartphone für junge Leute eine dominante Rolle. Bereits ein Fünftel der Sechs- bis Siebenjährigen nutzt demnach ein solches Computerhandy. Unter den Zwölf- bis 13-Jährigen liegt der Anteil bereits bei 85 Prozent. „Während die Jüngeren naturgemäß in der Regel die Geräte ihrer Eltern nutzen, korrespondiert die Nutzung ab dem Alter von zehn Jahren mit dem Besitz der Geräte“, haben die Autoren der Untersuchung ermittelt.

          Whatsapp löst Facebook als beliebtestes Netzwerk ab

          Interessante Ergebnisse liefert die Studie auch mit Blick auf soziale Netzwerke. In jüngster Zeit wurde spekuliert, inwieweit Facebook unter Jugendlichen an Attraktivität verliert. Der Studie zufolge nutzen erstmals die Zehn- bis Elfjährigen soziale Netzwerke: In dieser Altersgruppe sind 10 Prozent der jungen Internetnutzer entsprechend aktiv. Unter den 12- bis 13-Jährigen steigt die Quote auf 42 Prozent, bei den 14- bis 15-Jährigen auf 65 Prozent und bei den 16- bis 18-Jährigen erreicht sie 85 Prozent. Facebook führt dabei die Beliebtheitsliste längst nicht mehr an: Whatsapp erreicht eine Nutzungsrate von 72 Prozent und liegt damit weit vor Facebook mit 56 Prozent, Skype mit 46 Prozent und Google+ mit 19 Prozent.

          Der Bitkom sieht dabei die eigentlich als Telefondienste geltenden Services von Whatsapp und Skype auch als soziale Netzwerke an – die zudem beliebt seien: „Viele Jugendliche bevorzugen für den schnellen Austausch mit ihren Freunden offenbar schlanke Anwendungen gegenüber aufwendigen, multifunktionalen Netzwerken.“ Für das Unternehmen Facebook nur bedingt ein Problem: Firmenchef Mark Zuckerberg hatte Whatsapp im vergangenen Jahr seinem Kommunikationsimperium einverleibt. Inzwischen kann die Tochtergesellschaft auf rund 700 Millionen Nutzer verweisen.

          Auch die Mediennutzung selbst ist ein Thema der Studie. 93 Prozent der Zehn- bis 18-Jährigen spielen demnach Computer- und Videospiele, und das im Schnitt 104 Minuten pro Tag – am Computer, an der Spielekonsole oder auf dem Handy. Besonders die jüngeren Teenager stehen dabei unter Beobachtung: Viele sagten, dass sie nur eine bestimmte Zeit mit Computerspielen verbringen dürften oder die Eltern ihnen bestimmte Spiele verböten, weil sie zu gewalttätig seien.

          Mit zunehmendem Alter nimmt die Nutzung von Online-Medien der Untersuchung zufolge stark zu: „Dass sich ein grundlegender Wandel vollzieht, zeigt sich zum Beispiel daran, dass ein Drittel der 16- bis 18-Jährigen überhaupt keine Musik-CDs mehr hört.“ Diese Gruppe holt sich ihre Musik direkt aus dem Netz, zum Beispiel über Streamingdienste. Befragt wurden für die repräsentative Studie 962 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 18 Jahren.

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