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Bewertungssystem für Mitarbeiter : Marissa Mayers neue Leistungsgesellschaft

Marissa Mayer Bild: AP/dpa

Die Yahoo-Vorstandsvorsitzende Marissa Meyer schafft es immer wieder, ihr Unternehmen in die Schlagzeilen zu bringen - nun eckt sie mit einem neuen Bewertungssystem für Mitarbeiter an.

          Eines muss man Marissa Mayer lassen: Sie schafft es, das von ihr geführte Internetunternehmen Yahoo immer wieder in die Schlagzeilen zu bringen. Das ist nicht selbstverständlich, denn vor allem außerhalb seines amerikanischen Heimatmarkts spielt Yahoo in der Wahrnehmung der Internetnutzer nur noch eine eher untergeordnete Rolle. Für den meisten Gesprächsstoff sorgt die 38 Jahre alte Yahoo-Chefin aber nicht etwa mit einem neuen Erscheinungsbild für ihre Websites – obwohl es ein solches in Deutschland nun auch gibt. Viel größere Aufmerksamkeit erregt sie mit Fotostrecken von sich selbst in einem Modemagazin, mit ihrer ablehnenden Haltung zur Heimarbeit oder nun mit einem Bewertungssystem zur Einordung der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter, das der ganz alten Schule zu entstammen scheint.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Denn Mayers Bewertungssystem führt, jedenfalls angeblich, innerhalb des Unternehmens zu Angst und Schrecken. Angestellte bangen, offenbar noch mehr als ohnehin in Amerika üblich, um ihre Stellen. Die Kritik entzündet sich an „Quarterly Performance Reviews“, abgekürzt QPR genannt, die die Führungskräfte von Yahoo dazu veranlassen, ihre Untergebenen in Leistungsgruppen einzuteilen. Und wer die schlechtesten Noten bekommt, muss damit rechnen, gekündigt zu werden. Folgt man den Berichten des amerikanischen Technologie-Blogs „All Things D“, hat dieses Schicksal in den vergangenen Wochen schon rund 600 Angestellte ereilt.

          Willkürliche Bewertungen

          Das System ist offenbar sehr starr: Die Prozentsätze, nach denen die Mitarbeiter bestimmten Leistungsgruppen zugeordnet werden, sind nämlich festgelegt. So bekommen 10 Prozent der Mitarbeiter per Definition die Note „Im hohen Maße überragend“. In Abstufungen geht es weiter nach unten: 10 Prozent müssen in die Gruppe „Versäumt gelegentlich Ziele“ und die schlechtesten 5 Prozent in die Gruppe „Versäumt Ziele“ eingeteilt werden. Wer zu den untersten 15 Prozent gehört, sollte sich besser nach einem anderen Arbeitgeber umsehen. Das starre System folgt Ideen des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von General Electric, Jack Welch, der damit dafür sorgen wollte, dass Führungskräfte nicht davor zurückschrecken, ihre Mitarbeiter auch positiv zu bewerten, weil sie sogar dazu gezwungen sind, entsprechende Quoten zu erfüllen.

          Andererseits, und gerade daran entzündet sich die Kritik, werden am anderen Ende der Skala Mitarbeiter möglicherweise negativ bewertet, obwohl sie eigentlich in eine mittlere Kategorie gehören. Leistungsträger, die von künstlichen Rückstufungen demotiviert würden, verhielten sich danach nur noch mittelmäßig – und das könne negative Auswirkungen auf die Innovationskraft eines Unternehmens haben. Dabei sei gerade die in einem Unternehmen wie Yahoo, das in einer Aufholjagd mit Google stecke, besonders wichtig. Zudem seien viele Bewertungen vollkommen willkürlich. Marissa Mayer hat ihr Amt an der Spitze von Yahoo im Juli vergangenen Jahres angetreten. Ihre Rekrutierung überraschte: Mayer kam vom ungleich erfolgreicheren Wettbewerber Google und gehörte dort zu den prominentesten Figuren.

          Yahoo hoffte, dass Mayer das Unternehmen wieder zu seiner früheren Relevanz zurückführen kann. Yahoo hat zwar noch immer eine riesige Nutzergemeinde, aber das Geschäft mit Online-Werbung ist ganz anders als bei Google ins Stocken geraten. Mayers Bilanz nach etwas mehr als einem Jahr fällt bestenfalls gemischt aus: Der Aktienkurs von Yahoo hat sich seit ihrem Antritt mehr als verdoppelt, aber das ist auf die Beteiligung am erfolgreichen chinesischen Internetunternehmen Alibaba zurückzuführen. Die Geschäftsentwicklung bleibt ernüchternd, und die Umsätze des Unternehmens schrumpfen bis heute. Mayer bittet um Geduld und weist darauf hin, dass sich die monatlichen Nutzerzahlen seit ihrem Antritt deutlich erhöht haben, was sich irgendwann auch in den Umsätzen niederschlagen werde.

          Gleichwohl sind nicht alle Nutzer zufrieden mit dem Kurs, den Mayer einschlägt. So wurde unter ihrer Führung eine ganze Reihe von Yahoo-Diensten überarbeitet, von der Startseite über E-Mail bis zum Finanzportal. Gerade die Veränderungen im E-Mail-Dienst haben zuletzt für einen Aufschrei unter Nutzern gesorgt, denen die Navigation auf der Seite missfällt. Bislang hat die Yahoo-Chefin mehr vertröstet als handfeste Ergebnisse geliefert. Mayer hat gesagt, der Weg zum Erfolg werde „eine Serie von Sprints“ sein, und sie hat zugegeben, dass Yahoo die meisten dieser Sprints noch vor sich hat.

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