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Bevölkerungsentwicklung : Die Welt mag uns noch

  • -Aktualisiert am

Bald ein Teil von sieben Milliarden: Kinder in Indien Bild: dapd

In diesen Tagen wird der siebenmilliardste Erdenbürger geboren. Wahrscheinlich wird es ein Inder. Im Jahr 2041 wird er 30 Jahre alt sein. Dies ist sein Bericht aus der Zukunft.

          5 Min.

          Es ist Oktober 2041. Mein Name ist Jagdev, und ich wurde vor dreißig Jahren in Bhubaneswar geboren. Bald wird der neunmilliardste Mensch zur Welt kommen. Als ich anlässlich dieser Nachricht mein Smartphone fragte, als wievielter Mensch ich am 31. Oktober 2011 geboren worden sei, sagte es mir: „Ziemlich genau als siebenmilliardster!“ Wir lachten kurz und herzlich.

          Ich sitze im Flugzeug nach London. Die chinesische Comac C-2900 gleitet geräuschlos über das alte Europa. Ich werde morgen mein Postdoc-Stipendium antreten. Freut mich, auch wenn es für Peking nicht reichte. Aber seit Ende der Unruhe können wir wieder sorglos nach Europa reisen.

          Chinesische Bevölkerung wird schrumpfen

          Unten auf dem Meer treibt eine dieser seltenen schwimmenden Siedlungen: Libertäre auf freien Meeren, die der Aktivist Patri Friedman vor 20 Jahren etablierte. Die Piraten verlangen enormes Schutzgeld.

          Die Pilotin sagt, jetzt erreichen wir die Küste; ich sehe unten das kleine Europa. Europa ist der erste Erdteil, dessen Bevölkerung schrumpft, ohne dass dafür ein Krieg oder eine Katastrophe nötig wäre. Auf dem Kontinent leben 700 Millionen Menschen, in Asien sind es schon rund 4,8 Milliarden. Allein die indische Mittelschicht ist größer als die Bevölkerung der früheren EU. Auch in China wird die Bevölkerung in wenigen Jahren zu schrumpfen beginnen. Die Geburtenrate liegt dort bei 0,8.

          Waldsterben, Atomkrieg, Seelenheil

          In Europa geht es aufwärts. Die Industrie entwickelt sich wieder prächtig, seitdem das Ökoregime gestürzt wurde. Der Widerstand einte die Ethnien und Generationen. Ein Junger musste schon mehr als einen Rentner aushalten. Doch als der Grüne Rat Plastiktüten, Flugmangos und insbesondere die Katzenhaltung verbot, erhob sich das Volk. Auch die Steuern auf Koteletts hatten jedes Maß überschritten. Das behördlich vermeldete „Bruttoinlandsglück“ stieg von Jahr zu Jahr. Was für ein Unsinn!

          Was habe ich sonst gelesen? Die Geburtenrate steigt seit wenigen Jahren überraschend. Seit der Großen Dürre ist Nordeuropa für Zuwanderer aus Arabien und Asien beliebt. In Lappland und an der Küste des russischen Königreichs soll es eine Immobilienblase geben. Die neuen Hafenstädte florieren, der Export von Schmelzwasser nach Südostasien und Südeuropa bricht alle Rekorde. Einige Siedler zieht es weiter nach Norden, auf den Spuren des Permafrosts. Seit Kunststoffe und Treibstoff statt aus Erdöl immer mehr aus Holzfasern gewonnen werden, dauert der große Aufstieg Finnlands, Russlands und auch Kanadas an.

          Welche Sorgen die Menschen doch früher hatten! Waldsterben, Atomkrieg, Seelenheil.

          Der Fortschritt sollte Mut machen

          Ich, der Siebenmilliardste; mein Vater war bei seiner Geburt der 4,5-milliardste gleichzeitig lebende Mensch, mein Großvater der 2,8-milliardste. Meine Tochter teilte den Planeten als Baby mit 8,6 Milliarden Menschen. Die Menschheit steuert nun auf die 10 Milliarden zu. Man spekuliert in diesen Tagen aufgeregt darüber, ob so viele Platz auf der Erde haben. Trotz der Dürren und trotz des Ereignisses von Tadschikistan muss man sagen: Der Fortschritt der vergangenen 30 Jahre sollte uns Mut machen.

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