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Bernie Ecclestone : Der allmächtige Formel-I-Boss

Bernie Ecclestone Bild: Imago

Bernie Ecclestone ist ein harter Knochen. Feinde umzingeln ihn. Zu Fall bringen konnte ihn noch keiner. Jetzt wird es eng.

          Am gestrigen Samstag spaziert Bernie Ecclestone durchs Fahrerlager in Valencia, glattrasiert wie stets, das Funkgerät in der Hand für die nächste Verkündigung. Doch diesmal schweigt der allmächtige Formel-1-Boss - kein Satz über Sorgen, er müsse bald hinter bayerische Gitter.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Mehr noch als das Rennen interessiert dessen 81 Jahre alter Impresario, der ein Faible für junge Frauen hat und sein Monopol: Seit vierzig Jahren handelt Ecclestone als Formel-I-Organisator per Handschlag die Verträge mit aktuell 12 Formel-I-Teams aus, mit noch mehr Rennveranstaltern, einigen Autokonzernen, Sponsoren, 100 Fernsehsendern aus allen Winkeln der Welt.

          Eh alles Lug und Trug

          Ginge es nach dem Rechtsempfinden vieler, müsste der Mann am heutigen Sonntag nicht in seinem gigantischen Bus sitzen, sondern in München in Untersuchungshaft. Das Geständnis des ehemaligen bayerischen Landesbankers Gerhard Gribkowsky am vergangenen Mittwoch in München mit der sensationellen Aussage, Ecclestone habe ihn bestochen, ist ein Paukenschlag, der dem Formel-I-König zum Verhängnis werden kann.

          Gribkowskys Strafmaß wird diese Woche verkündet. Gegen Ecclestone ermittelt die Münchener Staatsanwaltschaft schon seit dem vergangenen Jahr, noch zögert sie, Haftbefehl zu erlassen, ist die Gefahr, sich bei der Jagd auf Ecclestone zu blamieren, doch groß.

          Schließlich kokettiert der Mann seit jeh damit, in der Formel I sei eh alles Lug und Trug. Doch niemand hat ihm bisher etwas anhaben können: rachsüchtige Gefährten nicht, deren Karriere er beendet hat, mächtige Konzernbosse nicht, die als Teambesitzer bisher nur magere fünfzig Prozent der Formel-I-Einnahmen erhielten, ängstliche Politiker nicht, die Ecclestone wegen Milliarden-Schmiergeldern drankriegen wollten. Eine Million Pfund spendete Ecclestone der Labour Partei des britischen Premiers Tony Blair, wohl um ein Verbot von Tabakwerbung während der Rennen zu verhindern; dieser Tage wurde berichtet, Ecclestone habe den Konservativen Geld versprochen, wenn sie einen Rennsport-Freund aufstellten.

          Gerhard Gribkowsky

          Ecclestone durfte ungestraft Hitler loben, der „Dinge geregelt gekriegt hat“, nahezu unwidersprochen trauerte er Saddam Hussein nach. Glaube keiner, solche Ausfälle seien nicht kalkuliert: Die Attitüde des Paten ist seit jeh Ecclestones Erfolgsprinzip, der aus ein paar Hinterhofschraubern der 70er Jahre ein Reich geformt hat, dessen Bewohner an den Herrscher wie in jedem Staat Steuern entrichten müssen, allerdings ohne Mitspracherecht und für Veranstalter wie die Hockenheimring GmbH in existenzbedrohender Höhe.

          Er sei nicht wie die Mafia, sagte Ecclestone einmal, er sei die Mafia - und nährt so die Legende, die Formel I sei ohne den Paten nicht zu führen, so dass selbst jetzt kein Einziger im geschwätzigen Formel-I-Zirkus wagt, offen gegen den Beschuldigten Stellung zu beziehen.

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