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Bernd Lucke : Der Protestant

Zuhause gab es Werte

Die Luckes maximieren den Nutzen aus den täglichen Zeiteinheiten anders. Es wird viel musiziert. Vor zwei Jahren machten die damals 11, 12 und 14 Jahre alten Kinder bei einem Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten mit, Lucke betreute das Team als Tutor und lehrte anhand eines alten Mörike-Liederbuchs Altdeutsch. Recherchiert wurde nachmittags und am Wochenende, Luckes Kinder lieferten ein 50-Seiten-Werk ab und gewannen den Wettbewerb. Auf Facebook machen die Kinder Werbung für die AfD.

Bernd Lucke wurde in West-Berlin geboren, der Vater war Bauingenieur, die Mutter Schulrektorin. Als Lucke acht Jahre alt war, zogen sie nach Neuss und dann nach Haan bei Düsseldorf. Zuhause habe es Werte gegeben, sagt Lucke: „Den Zusammenhalt der Familie zum Beispiel und die Freude, seinen Interessen nachzugehen.“ Mit 14 trat er in die Junge Union ein.

„Ökonomie ist keine Glaubensfrage“

Der Grund seien die Verwandten in der DDR gewesen und ein starkes antikommunistisches Gefühl in seinem Herzen, sagt Lucke. Die fehlende Härte von Willy Brandt: „Ich bin in die Junge Union eingetreten, weil ich die Entspannungspolitik als zu nachgiebig ansah. Sie erreichte keine Veränderungen in der DDR, denn die Menschen dort konnten nach wie vor weder frei reisen noch ihre Meinung sagen.“ Seine Kirche lehrt, es werde immer dann gefährlich, wenn man sage, der Mensch sei so und so.

„Der reformierten Kirche ist das zweite Gebot sehr wichtig“, sagt Lucke: „Du sollst Dir kein Bildnis machen. Dabei geht es nicht um Bilder, sondern um Vorstellungen.“ Die Vorstellung von Gleichheit zum Beispiel. Oder dass Europa nicht ohne den Euro überleben kann. Dafür gibt es in der Ökonomie keinen Beleg. „Ökonomie ist keine Glaubensfrage“, sagt Lucke.

Und so trat er aus der CDU aus

Eigentlich mochte er in der Union nur Franz Josef Strauß gern, den noch nicht weichen Heiner Geißler der Achtziger vielleicht noch. Den Parteivorsitzenden hielt er von Anfang an für einen Opportunisten und heute sei eben eine Opportunistin am Ruder: „Ich glaube, Helmut Kohl hat nur in der Europapolitik feste Überzeugungen vertreten. Bei Angela Merkel fällt es mir schwer, überhaupt irgendetwas Festes zu entdecken.“ Lucke sagt, die CDU habe sich „von mir entfernt“. Also trat er aus und machte was Eigenes, so einfach ist das.

Es ist keineswegs sicher, ob die CDU ihm zu wirtschaftsunfreundlich geworden ist oder schlichtweg nicht mehr konservativ genug. Lucke denkt gar nicht daran, die milliardenteuren Rentengeschenke aus dem Koalitionsvertrag zu geißeln, die Merkel nicht wollte: „Ich halte die Mütterrente für richtig, schließlich hat die jetzige Generation der Rentner ihren Teil des Generationenvertrages erfüllt und eine große Anzahl Kinder bekommen.“ Wenn es etwas zu kritisieren gebe, „dann die Tatsache, dass die heute Jungen den Generationenvertrag nicht erfüllen, indem sie nicht genug Kinder bekommen.“

Das Powerpaar bekam fünf Kinder

Luckes Vater war zehn, als er in Dresden die Bombennacht vom 13. Februar 45 überlebte. Als fünfzig Jahre später die Wende kam, ließ er sich nach Dresden versetzen und baute die Stadt wieder auf. Lucke, der Sohn und Ökonomie-Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes ging in den Sachverständigenrat zur Einführung der Sozialen Marktwirtschaft nach Berlin. Seine Frau hat Lucke bei einem Praktikum in der Bundesbank kennengelernt, Ökonomin, Studienstiftlerin. Es ist nicht schwer, bei Bernd Lucke Festes zu entdecken.

Dorothea Lucke wollte vier Kinder, Bernd Lucke sieben, sie bekamen fünf. Daneben zog das Powerpaar Promotionen und Habilitation durch. Drei Mal nahm Lucke Forschungsaufträge im Ausland an und die Familie mit. Es war nicht das ganz große Abenteuer. Im Städtchen Bloomington im amerikanischen Indiana arbeitete jeder zweite für die Universität, Lucke und Familie wohnten im Haus eines Professors, der seinerseits auf Forschungsreise war.

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