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Beerdigungen in Deutschland : Oma wollte es ja immer schlicht

Die letzte Reise: Mittlerweile wird mehr als jeder zweite Deutsche nach seinem Tod eingeäschert. Bild: dpa

Beerdigungen sollen heute nicht mehr viel kosten, Gräber keine Arbeit machen. Ein Bestatter meint den Grund zu kennen: „Auch die Kinder eines Hartz-IV-Beziehers wollen noch etwas erben.“

          Der erste Präsident der Bundesrepublik kam standesgemäß unter die Erde: Bei seiner Beisetzung im Dezember 1963 lag Theodor Heuss in einem Sarg aus massiver Eiche mit schweren Kupferbeschlägen. Das gleiche Modell gibt es auch heute noch zu kaufen. Rüdiger Kußerow bietet es in seiner Pietät in Berlin für 7726 Euro an. Mittlerweile allerdings vergeblich. Früher ging es noch ein paar Mal im Jahr ins Erdreich, berichtet er. „Heute kauft den Theodor-Heuss-Sarg kein Mensch mehr.“

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          In den allermeisten Fällen ist das verständlich, denn auch ohne Präsidentensarg kostet eine Beerdigung viel Geld. Nicht nur die Seele des Verstorbenen, auch der Rechnungsbetrag für die Hinterbliebenen steigt gern und schnell aufwärts. 5000 bis 6000 Euro sollten die Verwandten für eine durchschnittliche Beisetzung einkalkulieren, sagt die Verbraucherinitiative Aeternitas. Wer auf dem Land lebt und Wert auf sein Sozialprestige legt, hat schnell das Doppelte ausgegeben.

          10.000 Euro sind schnell weg

          So wie die Kinder von Herrn Koch, die in der Nähe von Wiesbaden leben. Ihr Vater arbeitete Jahrzehnte als leitender Arzt im Rheingau. Als er vor drei Jahren starb, wollten und konnten sich seine Kinder nicht lumpen lassen. „Es war ein würdiger Abschied“, erinnern sie sich. Die Kosten haben sich die vier Kinder geteilt, die Rechnungen aufgehoben. Sie füllen einen Schnellhefter. Zunächst verlangte der Amtsarzt 120 Euro für die Leichenschau. Später schrieb die Stadt Eltville eine Forderung über 960,15 Euro für „Benutzungs- und Bestattungsgebühren des Friedhofs“ und eine weitere über 30 Euro für die „Beurkundung des Sterbefalls“. Die Gärtnerei verlangte 731 Euro. Der Sarg kostete 1125 Euro, das Friedhofskreuz 95,20 Euro. Und damit ist die Liste nicht zu Ende. Insgesamt rechnete der Bestatter 4723 Euro ab. Der Steinmetz verlangte weitere 3704 Euro. Danach flatterte die Rechnung für die Bewirtung der Trauergemeinde ins Haus. Alles in allem zahlte Familie Koch für die Beerdigung etwas mehr als 10.000 Euro. Zu diesen einmaligen Kosten kommen die laufenden: Jedes Jahr werden für die Pflege des Grabs 240 Euro fällig. Pflanzen und Erde berechnet der Gärtner extra.

          Ziemlich pflegefrei: In dem Beet, das für den Laien wie ein normales Blumenbeet aussieht, liegen Dutzende Urnen vergraben. Ihre Namen sind auf Plaketten auf der hohen Tafel verewigt.

          Angesichts derart hoher Kosten fragen sich viele Deutsche, ob sie für ihren Verstorbenen so viel Geld ausgeben möchten. Zum Leidwesen der Beerdigungsbranche lautet die Antwort immer häufiger: Nein. „Quer durch alle Schichten wird heute auf den Preis geschaut“, berichtet Lothar Wayrauther. Der 61 Jahre alte Bestatter ist seit 42 Jahren im Geschäft. Er betreibt sechs Pietäten in Bayern und hat in seinem Berufsleben schon Tausende Trauergespräche geführt. „Auch in der Oberschicht heißt der erste Satz nun stets: ,Die Oma wollte es ja immer schlicht‘.“ Das Internet mit seinen vielen Vergleichsangeboten und diversen Billigstanbietern heize den Trend zur günstigen Beerdigung zusätzlich an.

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