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Beerdigungen in Deutschland : Oma wollte es ja immer schlicht

Möglichst wenig Arbeit

Allerdings ist es längst nicht mehr nur der Preis, der zählt. Die meisten Deutschen wollen auch möglichst wenig Arbeit mit dem Grab haben. „Pflegefreiheit“ heißt das zweite große Schreckgespenst der Branche. Denn wo wenig gepflegt werden muss, kann auch wenig verdient werden. Das trifft vor allem die Friedhofsbetreiber, die Gärtner, Steinmetze und Gastwirte. Ändern können sie daran wenig, denn der Trend hat zahlreiche Gründe. „Viele Menschen sterben heute erst mit 90 Jahren, da ist ihr Kind oft schon im Rentenalter und will sich für die nächsten 20 Jahre keine Grabpflege ans Bein binden“, erklärt Wilhelm Brandt von der Deutschen Friedhofsgesellschaft. Auch die soziale Kontrolle habe nachgelassen: „Wenn der Rudi früher das Grab seiner Frau nicht gepflegt hat, wurde er überall im Dorf drauf angesprochen. Dann hat er zugesehen, dass er es in Ordnung bringt.“ Heute mischt man sich weniger ein.

Darüber hinaus wohnten viele Kinder nicht mehr in der Nähe ihrer Eltern und könnten sich deshalb nicht ums Grab kümmern, sagt Brandt. Die Zahl der Patchworkfamilien steigt - und damit der Wunsch nach Pflegefreiheit. Wer soll sich auch kümmern? Die alte Ehefrau? Die neue? Die Kinder? Und wenn ja: die aus erster Ehe oder die aus der zweiten? Und wer zahlt am Ende? Alles nicht so einfach.

In Berlin ist der Bestatteralltag besonders trist: „Es gibt heute fast keine Musiker mehr, das wird alles durch den CD-Spieler ersetzt“, berichtet Pietätsbesitzer Kußerow. Und die Feiern im Anschluss? Sie fallen oft einfach weg, weil die Angehörigen danach nicht mehr zu Kaffee und Kuchen einladen wollten. „Früher gab es an jedem Friedhof in Berlin ein Café“, erzählt der Bestatter. „Heute aber gibt es selbst am größten Krematorium in Berlin keines mehr, die konnten davon nicht mehr leben.“ In das einst traditionsreiche Café vor Ort sei ein griechisches Restaurant eingezogen.

Gestorben wird immer

Wie tief der Umbruch tatsächlich ausfällt, lässt sich nur erahnen. Das Statistische Bundesamt weiß lediglich, dass es im Jahr 2010 knapp 3800 Bestattungsinstitute gab, die etwas mehr als 1,2 Milliarden Euro umgesetzt haben. Außerdem zählt das Amt die Zahl der Verstorbenen. Im vergangenen Jahr waren es exakt 893.831 - und damit fast genau so viele wie schon 20 Jahre zuvor. In der Branche pflegt man einen eigenen Ton: Gestorben wird immer.

Wie es danach hier auf der Erde weitergeht, ändert sich allerdings. „Die gegenwärtige Bestattungskultur ist von einem grundlegenden Wandel gekennzeichnet“, heißt es in einer der wenigen aktuellen Studien zum Thema. Die Ruhr-Universität Bochum hat sie im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Bestatter geschrieben. Demnach kommt die traditionelle Beerdigung im Sarg aus der Mode. Nicht einmal jeder zweite wird noch in einer Holzkiste vergraben. Die Mehrheit der verstorbenen Deutschen (55 Prozent) wird verbrannt.

Das hat nicht nur, aber auch finanzielle Gründe. Die Kosten für die bei einer Feuerbestattung notwendige zweite Leichenschau, einen billigen Verbrennungssarg, die Aschekapsel, die Schmuckurne und das Krematorium liegen mit etwa 700 Euro zwar in etwa so hoch wie für einen durchschnittlichen Sarg für eine Erdbestattung. Weil ein Sarg in der Erde aber deutlich mehr Platz braucht als eine Urne, muss auch das Grab selbst größer sein. Das zieht einen größeren Grabstein, höhere Friedhofsgebühren und höhere Kosten für die Grabpflege nach sich. Hochgerechnet auf die Mindestruhezeit von 20 Jahren kommen schnell ein paar tausend Euro mehr zusammen. Dieser Preisunterschied überzeugt so manchen. Oder, wie es ein Bestatter ausdrückt: „Auch die Kinder eines Hartz-IV-Beziehers wollen noch etwas erben.“

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