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Mehr Zeit für die Familie : Bayer-Chef sagt Deutschland bald „Auf Wiedersehen“

  • -Aktualisiert am

Marijn Dekkers Bild: dpa

Marijn Dekkers führt den Traditionskonzern Bayer nur noch zwei Jahre. Dann studieren seine Töchter in Amerika - und er will mit seiner Frau in ihrer Nähe leben.

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          Marijn Dekkers wird nur noch für zwei weitere Jahre an der Spitze des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer in Leverkusen stehen. Dann will der Niederländer mit amerikanischem Pass wieder deutlich mehr Zeit in seiner Wahlheimat, den Vereinigten Staaten, verbringen. Nach Ablauf der ersten fünfjährigen Amtsperiode habe der 56 Jahre alte Dekkers aus familiären Gründen gebeten, die Verlängerung seines Vertrages bis Ende 2016 zu begrenzen, teilte Konzern überraschend mit.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Wie Dekkers in einem Brief an seine Mitarbeiter ergänzend erläutert, werden seine drei Töchter nach dem Jahr 2016 in Amerika studieren. Um ihnen nah zu sein, wollten seine Frau und er dann auch selbst viel Zeit in den Vereinigte Staaten verbringen. Die Verpflichtungen als Vorstandsvorsitzender von Bayer würden diese persönliche Flexibilität aber nicht erlauben, und er könne nicht erfolgreich arbeiten, wenn er auf zwei Kontinenten lebe.

          „Die richtige Balance zwischen Beruf und Privatleben war mir immer wichtig. Sie ist der Grund, warum ich mich so entschieden habe“, schreibt der als Familienmensch geltende Bayer-Chef – und folgt damit Überlegungen wie sie zum Beispiel jüngst das ehemalige Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, Jörg Asmussen, angestellt hat. Auch der ehemalige Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann hat diese Stelle aus privaten Überlegungen vorzeitig aufgegeben.

          Rekordwert an der Börse

          Kronprinz des Traditionsunternehmens Bayer dürfte der bisherige Finanzchef Werner Baumann werden, auch wenn das offiziell so nicht bestätigt wird. Allerdings ist Bayer für seine langfristigen Personalplanungen bekannt. Ab Oktober soll sich der 51 Jahre alte Baumann deshalb schon einmal als Vorstand für Strategie und Portfoliomanagement beweisen. Dabei geht es wohl auch darum, Dekkers schon ein wenig entlasten. Denn es heißt, er werde der nächste Präsident des Verbands der chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt, allerdings gibt es auch dafür noch keine Bestätigung. Zugleich ernannte Bayer einen neuen Finanzvorstand: Baumanns Nachfolger wird zum 1. Oktober Johannes Dietsch, der derzeit Landessprecher von Bayer in „Greater China“ mit Sitz in Schanghai ist.

          „Wir freuen uns, dass uns Herr Dekkers, unter dessen Vorstandsvorsitz Bayer sich weiter sehr positiv entwickelt hat, noch für zwei weitere Jahre zur Verfügung steht“, wird der Aufsichtsratsvorsitzende und frühere Bayer-Vorstandschef Werner Wenning in einer Mitteilung zu den Vorstandspersonalien zitiert.

          Dekkers führt Bayer seit dem Jahr 2010. Er war der erste Ausländer an der Spitze des mehr als 150 Jahre alten Weltkonzerns. Nach 25 Berufsjahren in Amerika, zuletzt als hochdotierter Chef des Laborgeräteherstellers Thermo Fisher, wechselte er damals von Boston an den Rhein. Seine Erfolgsbilanz bei Bayer kann sich bisher sehen lassen, was besonders die Aktionäre freuen wird. Denn die Marktkapitalisierung liegt derzeit auf Rekordniveau. Dekkers hatte schnell – und in der ihm eigenen, zurückhaltenden Art – damit begonnen, Bayer durch Sparschritte und einem noch stärkeren Fokus auf Arzneimittel und Pflanzenschutz mehr Schlagkraft zu verleihen.

          Stolz ist Dekkers nicht zuletzt darauf, dass Bayer schneller als andere in der Lage sei, Innovationen auch tatsächlich auf de Markt zu bringen. Für Unruhe sorgte zu Beginn lediglich, dass er nach nur wenigen Wochen im Amt ein Umbauprogramm und den Abbau von 4500 Stellen ankündigte. Seinen bislang größtes Geschäft hat Dekkers erst vor wenigen Wochen umgesetzt: Für 10,4 Milliarden Euro übernimmt Bayer das Geschäft mit rezeptfreien Präparaten und Gesundheitsprodukten des amerikanischen Pharmakonzerns Merck & Co.

          Der bisherige Finanzvorstand und potentielle Dekkers-Nachfolger Baumann wiederum trat schon im Jahr 1988 in die Bayer AG ein und durchlief dort eine steile Karriere. Der Krefelder wurde im Jahr 2003 in den Vorstand des damals neu gegründeten Teilkonzerns Bayer Health Care berufen. Dort hatte er zudem die Funktion des Arbeitsdirektors inne. Seit Januar 2010 sitzt Baumann im Konzernvorstand. Der Finanzchef ist derzeit zugleich für die Region Europa verantwortlich.

          Auch der künftige Finanzvorstand Dietsch ist ein Bayer-Gewächs. Er begann sogar schon unmittelbar nach seinem Abitur mit der Arbeit im Konzern. Seine Laufbahn führte ihn unter anderem nach Japan.

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