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Bafin-Präsidentin König : „Die Gefahr von Ansteckungen ist noch hoch“

  • Aktualisiert am

Elke König ist seit Januar Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Bild: Edgar Schoepal

Die neue Bankenaufseherin Elke König hat aus der Krise eine wichtige Lehre gezogen: Das Vertrauen der Banken untereinander sei „ein ganz empfindliches Pflänzchen“. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht sie auch über die Pleite der Griechen, den Segen der „Dicken Bertha“ - und einen Rest Unwohlsein.

          Frau König, als Chefin der Bafin beaufsichtigen Sie die deutsche Finanzbranche. Müssen wir uns um die Banken nochmal Sorgen machen?

          Die Banken befinden sich im Stadium der Rekonvaleszenz. Sie gesunden langsam, aber die Gefahr von Ansteckungen ist noch hoch.

          Der Schuldenschnitt in Griechenland belastet die Bilanzen vieler Banken. Könnte das einzelne Institute umhauen?

          Man soll niemals nie sagen. Wegen der griechischen Staatsanleihen in den Büchern unserer deutschen Banken müssen wir uns allerdings keine grauen Haare wachsen lassen. Fairerweise muss man hinzufügen: Was sich irgendwo jenseits unseres Radars tun wird, kann man nicht mit letzter Verbindlichkeit vorhersagen.

          Was passiert, wenn eine Bank irgendwo im Ausland an dem Schuldenschnitt zerbricht?

          Solche Kettenreaktionen lassen sich schwer simulieren. Sicher ist: Die Welt ist viel stärker vernetzt als früher, die Banken machen viel mehr Geschäft untereinander. Wir sind aber zuversichtlich, dass die deutschen Banken für fast alle denkbaren Szenarien gerüstet sind. Meine Sorge ist eher, dass die Nervosität wieder einsetzt, wenn irgendwo im Ausland ein Institut in Schwierigkeiten gerät, als dass es schwere direkte materielle Auswirkungen für deutsche Banken gäbe.

          Ist Nervosität schlimm?

          Ja. Das Vertrauen der Banken untereinander ist ein ganz empfindliches Pflänzchen. Das haben wir in der Krise gelernt. Der Interbankenmarkt ist ein guter Gradmesser, er beginnt gerade, sich zu erholen.

          Vorsichtshalber flutet die Europäische Zentralbank die Banken mit Geld. Was halten Sie denn von der „Dicken Bertha“, wie EZB-Chef Mario Draghi seine Geldspritze nennt?

          Ja, „Dicke Bertha“ können die Deutschen einfach besser aussprechen als die „Bazooka“, von der vorher immer die Rede war. Ich glaube, die Liquidität hat die Märkte beruhigt. Das war wichtig.

          Hatten die Banken das nötig?

          Die Maßnahme schafft Zeit und Ruhe, um Vertrauen aufzubauen.

          Kann die Bankenaufsicht kontrollieren, dass die Banken das billige Geld nicht einsetzen, um wieder riskante Geschäfte zu machen?

          Wir müssen aufpassen, dass da keine neue Blase entsteht - das ist sicher richtig. Aber ich sehe die Gefahr noch nicht als sehr groß an. Für die meisten Banken war die Geldspritze erst mal eine wichtige Hilfe, um Planungssicherheit zu bekommen.

          Gibt es da besondere Sorgenkinder - Teile des Bankensektors, um die sich die Aufsicht besonders kümmern muss?

          Ich würde nicht sagen, dass es die typischen Sorgenkinder gibt. Ja, einige Landesbanken haben in der Krise in hohem Umfang Geld zur Stützung bekommen. Aber nicht nur sie. Und auch die Landesbanken sind keine homogene Gruppe.

          Viel Kritik gab es nach der Krise am Investmentbanking. Wären Sie dafür, Großbanken zu zerschlagen und Investmentbanken von Geschäftsbanken künftig zu trennen?

          Nein, davon hielte ich nicht viel. Die Banken sind untereinander so verwoben, dass ein Trennbankensystem kaum Vorteile brächte. Nehmen Sie nur Lehman Brothers. Das war schließlich eine reine Investmentbank - und deren Pleite hat trotzdem mehr oder minder alle anderen mit betroffen.

          In der Finanzkrise zeigte sich, dass weltweit auch die Aufseher die Risiken in den Banken nicht ausreichend gesehen hatten. Was ist heute besser?

          Ich bin ja noch neu im Amt, deshalb habe ich auf dem Höhepunkt der Krise die Aufsicht nur von außen gesehen. Mein Eindruck ist aber, die Krise hat die Aufseher enger zusammenrücken lassen.

          Was meinen Sie damit?

          Wir arbeiten heute international viel enger zusammen. Es gab zwar auch vorher schon Treffen, auf denen man sich international abgestimmt hat. Aber das wurde intensiviert, professionalisiert und formalisiert. Und das ist gut so.

          Ein Fall wie die HRE könnte heute nicht mehr passieren? Damals hat die deutsche Aufsicht nur die Konzernmutter kontrolliert, während die irische Tochter Depfa gewaltige Risiken einging.

          Bei internationalen Banken werden jetzt immer Gruppen von Aufsehern gebildet. Bei den deutschen Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank etwa machen wir die Aufsicht im Heimatland, ausländische Aufseher kommen als Gäste hinzu. Umgekehrt sind wir als Gast dabei, wenn es etwa um die Aufsicht der italienischen Bank Unicredit geht, die in Deutschland die Tochter Hypovereinsbank hat. Wir sind auch so nicht unfehlbar - aber das Verfahren ist besser.

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