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Arne Schönbohm : Der umstrittene oberste IT-Schützer Deutschlands

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Bekommt einen neuen Chef: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Bild: dpa

Der wichtige Chefposten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik ist neu besetzt. Das dauerte lange, weil über den neuen Amtsinhaber heftig gestritten wurde.

          Die Ernennung von Arne Schönbohm zum Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) war bereits bei Bekanntwerden der Pläne auf scharfe Kritik gestoßen. Skeptikern gilt Schönbohm als ausgewiesener Lobbyist der IT-Wirtschaft. Sie sprechen ihm die nötige Neutralität ab. Auch seine fachliche Kompetenz in Sicherheitsfragen wurde in Frage gestellt. So bezeichnete Constanze Kurz vom Chaos Computer Club den 46-Jährigen als „Cyberclown“, der in erster Linie Ökonom, aber kein Sicherheitsexperte sei.

          Schönbohm wurde als Sohn des CDU-Politikers und ehemaligen Brandenburger Innenministers Jörg Schönbohm am 28. Juli 1969 in Hamburg geboren. Der diplomierte Betriebswirt studierte internationale Betriebswirtschaft in Dortmund sowie in London und Taipeh. Berufliche Stationen waren unter anderem DaimlerChrysler Aerospace und der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS. Zur Zeit leitet Schönbohm die BSS BuCET Shared Services AG, eine Beratungsfirma für IT-Sicherheit. Zudem sitzt der Vater dreier Kinder dem Verein Cyber-Sicherheitsrat vor.

          Mehr als 600 Mitarbeiter

          Mit der Gründung des Vereins im Jahr 2012 hatte sich Schönbohm auch in der Regierungskoalition nicht nur Freunde gemacht. Denn der Name stimmt weitgehend mit dem des 2011 von der Bundesregierung ins Leben gerufenen Nationalen Cyber-Sicherheitsrats überein. Der Verein gibt sich damit bewusst einen pseudo-regierungsoffiziellen Anstrich. Das Innenministerium wiederholte noch im Mai eine Anordnung, dass die Sicherheitsbehörden Distanz zu dem Verein wahren sollten. Im Nationalen Cyber-Sicherheitsrat, der inzwischen auch Cyber-Abwehrzentrum genannt wird, entwickeln Vertreter von Politik und Wirtschaft gemeinsam Strategien gegen Cyber-Angriffe.

          Auf der Mitgliederliste des Vereins Cyber-Sicherheitsrat stehen unter anderem die Energiekonzerne RWE und Eon, IT- und Sicherheitsfirmen wie IBM, Kaspersky und NXP sowie die Online-Apotheke DocMorris, aber auch die Gewerkschaft der Polizei. Als Vorsitzender des Vereins gilt Schönbohm unter seinen Kritikern deshalb als Lobbyist der IT-Wirtschaft.

          Schönbohm hat sich zudem als Gegner des von der Bundesregierung vorgelegten IT-Sicherheitsgesetzes aus der Feder von Innenminister Thomas de Maizière (CDU), dem der BSI unterstellt ist, einen Namen gemacht. Er attestierte dem Gesetz die Schulnote „mangelhaft“.

          In der Position des Präsidenten des BSI wäre er jedoch für die Durchsetzung dieses Gesetzes verantwortlich. Laut Innenministerium will Schönbohm mit seinem Amtsantritt seine Unternehmensanteile verkaufen und von seinem Amt im Cyber-Sicherheitsrat zurück treten.

          Das Bundeskabinett stimmte an diesem Dienstag der Personalie zu. Schönbohm tritt sein Amt am 18. Februar an und verantwortet dann die Arbeit des Bundesamtes mit mehr als 600 Mitarbeitern.

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