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Anton Hofreiter in Brasilien : Reise ins Herz der Finsternis

  • -Aktualisiert am

Anton Hofreiter inspiziert ein Sojafeld in Brasilien. Bild: dpa

Der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter ist nach Brasilien geflogen. Dort sucht er das ökologische Gewissen der brasilianischen Sojabarone.

          Anton Hofreiter hat eine Reise gemacht. Sie führte ihn nach Brasilien. Denn „die Produktionskette, an deren Ende Aldi mit seinen billigen Schweineschnitzeln die Kunden lockt, beginnt in Brasilien“, so Hofreiter. Dort liegt aus ökologischer Sicht einiges im Argen. Es liegt an der Landwirtschaft. Die Agrarlobby ist mächtig. Auf sehr großen Flächen wird Soja angebaut, das von Konzernen wie Monsanto genverändert wurde. Regenwald schwindet. Pestizide werden versprüht.

          Hofreiter trifft Betroffene, zum Beispiel vertriebene Kleinbauern. Und Großfarmer, die ihm merkwürdig sind. „Ich fühle mich ein wenig an Mafiafilme erinnert“, schreibt er auf Facebook. Hofreiter, der Fraktionschef der Grünen, täte gern etwas dagegen. Aber er kann nicht, er ist ja nicht mal Mitglied der Regierung.

          Er wünschte sich eine „Zertifizierung von importiertem Tierfutter, die sicherstellt, dass es nicht toxisch oder unter sklavereiähnlichen Bedingungen hergestellt wurde“. Denn fast jedes in Deutschland gemästete Schwein, Huhn oder Rind erhält einen gewissen Anteil an Sojafutter, das meist aus Brasilien, Argentinien oder den Vereinigten Staaten kommt.

          Sojaernte im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso

          Hofreiter nennt es „toxisch“, weil es genverändert ist und so das Pestizid Glyphosat verträgt, das die Grünen gern verbieten lassen würden. Hofreiter mag Pestizide nicht so gern. In Brasilien konnte er nur zusehen. Vorbei an „völlig überdimensionierten Soja- und Maisfeldern“ fährt er – kein Vogelgezwitscher, Schilder von Syngenta und Monsanto – und kommt zu dem Eindruck: „Die ersten Eindrücke sind krass.“ Er sieht Bauern, die „nur noch Gensoja und Genmais“ anbauen: „Ein trauriges Bild.“ Er sieht Saatgut von Bayer und leere Kanister mit Monsantos Pestizid Roundup. Er ahnt wirtschaftliche Abhängigkeit von den Konzernen, „die mich ans Mittelalter erinnern“.

          Doch er ließ sich in Mato Grosso nicht verwirren, hält im Reisebericht fest: „Gleich zu Beginn meiner Reise treffe ich ein politisches und wirtschaftliches Schwergewicht Brasiliens, den größten privaten Sojaproduzenten der Welt: Senator Blairo Maggi.“ Hofreiter stellt „den Senator zur Rede“.

          Ein Journalist der dpa, der ihn begleiten durfte, berichtet, auch der Großagrarier und Vizebürgermeister Vaz Ribeiro sei beim Aufeinandertreffen angespannt gewesen, „wippt unter dem Tisch mit den Beinen, bewahrt über dem Tisch aber die Contenance (...) und schmunzelt mitunter“. Hofreiter, der einst über Lilien promovierte, habe Glyphosat mit Chemotherapie verglichen und gesagt, eigentlich sei diese Region wegen der Trockenheit nicht als Ackerland geeignet. „Der Anteil an Gensoja wird weiter steigen“, teilte der Bürgermeister seinem blonden Gast mit. Hofreiter deutete an, man könne in Berlin Druck machen, brasilianische Sojabohnen zu boykottieren. Doch Vaz Ribeiro lächelte. Brasilien würde weiterproduzieren. Für den asiatischen Markt.

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