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Angst vor Armut : Ecclestone meldet sich im Prozess zu Wort

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Formel-1-Chef Bernie Ecclestone und seine Frau Fabiana Flosi kommen nach einer Verhandlungspause zurück in den Sitzungssaal. Bild: dpa

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone äußert sich in seinem Münchner Bestechungsprozess erstmals selbst zu den Vorwürfen der Anklage. Am 18. Verhandlungstag erzählt er den Richtern ausführlich, warum er dem Ex-Bankvorstand Gribkowsky Millionen gezahlt hat.

          Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat seine dubiose Millionenzahlung an den ehemaligen Bankvorstand Gerhard Gribkowsky mit seiner Angst vor der Armut begründet. Gribkowsky habe immer wieder Andeutungen gemacht, die für ihn eine milliardenschwere Steuernachzahlung zur Folge gehabt haben könnten, sagte der 83-Jährige am Dienstag im Bestechungsprozess vor dem Landgericht München. „Ich hätte nicht annähernd das Geld gehabt, um die Steuerforderung von zwei Milliarden Pfund zu begleichen. Ich wäre dann im Alter von 76 Jahren bankrott gewesen und ohne eine Armbanduhr.“ Ecclestone äußerte sich damit erstmals persönlich in dem Prozess zu den Vorwürfen der Anklage.

          Bislang hatte der Brite vor Gericht nur eine schriftliche Erklärung abgegeben, die er von seinen Anwälten vorlesen ließ. Diese habe er aber nicht allein verfasst, schränkte Ecclestone ein. Am 18. Verhandlungstag schilderte er den Richtern lieber noch einmal in eigenen Worten, wie es zu der Geldzahlung an Gribkowsky kam.

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          Der Banker hatte damals die Aufgabe, die Formel-1-Mehrheit der Bayerischen Landesbank zu verkaufen und traf dabei immer wieder auf Ecclestone. Irgendwann ging es zwischen den beiden Männern aber nicht mehr nur um die Formel 1. Gribkowsky habe davon gesprochen, ins Immobiliengeschäft einzusteigen, erzählte Ecclestone. „Dann fing er damit an, ich könne sein Partner sein in einem Immobiliengeschäft oder ihm Geld leihen.“ Das allein war für den Milliardär Ecclestone nicht überraschend. „Was Gribkowsky mit mir gemacht hat, das kenne ich von vielen anderen Menschen auch. Leute beknien mich dauernd, ob ich ihnen Geld leihen könnte.“

          Aber Gribkowsky soll einen Schritt weiter gegangen sein und darauf angespielt haben, dass Ecclestone immer noch mit seiner Familienstiftung Bambino verbunden sei, was steuerliche Konsequenzen hätte haben können. „Da bin ich dann etwas nervös geworden.“ Sein Vertrauter und Rechtsberater Stephen Mullens habe ihm geraten: „Du musst den Kerl los werden. Zahl ihn aus“, erinnerte sich der Angeklagte. „Und deshalb fragte ich Gribkowsky: Wieviel brauchst Du denn? Übertreib’s aber nicht. Würden 50 Millionen Dir helfen, dass alles zu tun, was du tun willst? Das sagte ich in der Hoffnung, dass es ihn stillhalten würde.“ Das Wort „Erpressung“ benutzte Ecclestone absichtlich nicht. Das gehe ihm zu weit, für das, was passiert sei. „Denn das ist ja ein sehr schwerer Vorwurf.“

          Die Staatsanwälte hörten Ecclestones Ausführungen geduldig zu. Sie haben ihm bislang nicht geglaubt und gehen davon aus, dass er Gribkowsky mit dem Geld bestechen wollte, um damit Einfluss auf die Auswahl des Käufers für die Formel 1 zu nehmen. Das Geld für Gribkowsky holte sich Ecclestone am Ende weitgehend von der BayernLB zurück und ließ sich eine Beraterprovision von 41 Millionen Dollar für seine Vermittlerarbeit beim Formel-1-Verkauf auszahlen. Ecclestone ist überzeugt davon, dass er das Geld zu Recht kassierte. „Es war eine der schönen Situationen, in die man als Unternehmer kommen kann: Ich hatte jemanden, der kaufen wollte und jemanden, der verkaufen wollte.“ Ohne ihn hätte der Deal aus seiner Sicht nie geklappt.

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