https://www.faz.net/-gqe-7k3jo

Andy Rubin : Der Herr der Google-Roboter

Android-Erfinder Andy Rubin Bild: Röth, Frank

Andy Rubin entwickelte einst das Smartphone-Betriebssystem Android. Nun soll er für den Internetkonzern Google Roboter zum Leben erwecken.

          2 Min.

          Als Andy Rubin seinen letzten Posten beim amerikanischen Internetkonzern Google niederlegte, kam das für viele Beobachter sehr abrupt. Im März dieses Jahres gab er die Verantwortung für Android auf, das sagenhaft erfolgreiche Betriebssystem für mobile Geräte, das heute in vier von fünf auf der Welt verkauften Smartphones installiert ist und damit das iPhone von Apple weit hinter sich gelassen hat. Google-Vorstandsvorsitzender Larry Page sagte damals nur vage, Rubin werde „ein neues Kapitel“ im Unternehmen beginnen. Und er forderte Rubin auf, weitere „Moonshots“ zu liefern, ein von Google gerne verwendeter Begriff für besonders ambitionierte Zukunftsprojekte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Jetzt meldet sich Rubin in einer neuen Rolle bei Google zurück, die tatsächlich futuristische Züge hat. Er führt eine neue Unternehmenseinheit für Robotertechnik. Google pumpt offenbar erhebliche Ressourcen in das Projekt und hat dazu in diesem Jahr insgesamt sieben amerikanische und japanische Unternehmen gekauft, die auf Robotertechnik spezialisiert sind, darunter einen Anbieter von Kameras, die bei der Entstehung des Weltraumfilms „Gravity“ zum Einsatz gekommen sind. Die Roboterinitiative von Google wurde in einem Bericht der „New York Times“ publik, vielleicht nicht ganz zufällig wenige Tage nachdem der Online-Händler Amazon.com mit seinen Plänen für eine Post-Drohne für einigen Wirbel gesorgt hat.

          Roboter für die Industrieproduktion

          Was genau Rubin mit seiner Robotergruppe ausheckt, blieb in dem Bericht unklar. Es sollen aber offenbar keine Roboter sein, die einmal von Endverbrauchern gekauft werden. Vielmehr ziele Google zum Beispiel auf die Industrieproduktion ab. Ein mögliches Einsatzgebiet sei die heute noch zum großen Teil manuelle Fertigung elektronischer Geräte. Denkbar seien auch Anwendungen im Online-Handel wie etwa eine automatisierte Auslieferung. Damit würde Google also ähnliche Ziele verfolgen wie Amazon mit seinem Drohnenplan. Rubin verglich sein Roboterprojekt mit dem von Google entwickelten selbstfahrenden Auto, das sich zunächst nach „Science Fiction“ angehört habe, nun aber recht nahe an der Realität sei. Laut Google könnten die Autos schon 2017 ihr Marktdebüt haben. Mit der neuen Roboterinitiative peilt Google dem Bericht zufolge an, „eher früher als später“ verkaufsfähige Produkte zu liefern. Vorstandschef Page aber schreibt auf seiner „Google Plus“-Seite, das Projekt sei noch in einem sehr frühen Stadium.

          Mit seiner neuen Aufgabe nimmt der 50 Jahre alte Rubin wieder stärker die Rolle eines Tüftlers an, die ihm mehr zu liegen scheint als das Management einer immer größer werdenden Unternehmenseinheit wie Android. Er mache aus seinen Hobbies eine Karriere. „Das ist der großartigste Job der Welt,“ sagte Rubin der „New York Times“.

          Der in der Nähe von New York geborene Rubin hat nach dem Abschluss eines Informatikstudium 1986 zunächst einige Jahre lang für den deutschen Optikspezialisten Carl Zeiss Roboter entwickelt. Zwischen 1989 und 1992 war er beim Elektronikkonzern Apple. Ende der neunziger Jahre hat er sein erstes Unternehmen Danger mitgegründet, mit dem er Larry Page auffiel. Danger hat das einst populäre Smartphone Sidekick hergestellt, Page und sein Google-Mitgründer Sergey Brin hatten eines der Geräte. Danger wurde später an Microsoft verkauft, und Rubin gründete 2003 sein nächstes Unternehmen Android. Nach zwei Jahren verkaufte er Android an Google, wechselte mit zum Internetkonzern und arbeitete an der Weiterentwicklung der Software. 2008 kam das erste Smartphone mit Android-Software auf den Markt. Es war nicht aus dem Stand ein Erfolg, aber Google forcierte die Plattform hartnäckig weiter, brachte sie auf immer mehr Geräten verschiedener Hersteller von Samsung bis Motorola unter und machte sie schließlich zum dominierenden Smartphone-Betriebssystem.

          Die Roboterinitiative erinnert an ein anderes mit kühnen Zielen, aber wenig Details publik gemachtes Projekt von Google. Der Konzern kündigte im September die Gründung eines neuen Unternehmens mit dem Namen Calico an, das sich vornimmt, das Altern von Menschen zu verzögern und damit zusammenhängende Krankheiten zu bekämpfen. Was genau Calico tun wird, und ob oder wann die Gesellschaft jemals eigene Produkte wie Arzneimittel auf den Markt bringen will, darüber schweigt sich Google bislang aber aus.

          Weitere Themen

          Eine neue Hoffnung

          Zukunftstechnik in Deutschland : Eine neue Hoffnung

          Deutschland droht den Anschluss zu verlieren in zentralen Technologien wie der Künstlichen Intelligenz. Chancenlos ist der Standort aber noch lange nicht. Das muss nun geschehen.

          Topmeldungen

          Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) spricht in Salzgitter mit Journalisten.

          Nach Angriff auf Syrien : VW-Werk in der Türkei steht vor dem Aus

          Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil sieht wegen der türkischen Invasion keine Grundlage mehr für die geplante Milliardeninvestition. Das sei ein „Schlag ins Gesicht von Menschenrechten“.
          Luisa Neubauer: Die „Fridays for Future“-Bewegung wird medial vor allem von jungen Frauen repräsentiert.

          Shell-Jugendstudie : Es ist der Klimawandel, Dummkopf!

          „Eine Generation meldet sich zu Wort“: So heißt die 18. Shell-Jugendstudie. Eine neue Entwicklung stellten die Autoren nicht nur bei Themen fest, die Jugendlichen Sorgen bereiten – sondern auch bei den Geschlechterrollen.
          Räumung: Klimarebellen im Gespräch mit der Bereitschaftspolizei

          Extinction Rebellion : Es ist um uns geschehen

          Den Umweltaktivisten von Extinction Rebellion geht es nicht nur um die Rettung des Weltklimas. Sie wollen eine radikal andere Gesellschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.