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Steuern, Geld, Versicherungen : Mehr Wirtschaft in die Schule!

Was muss ein Abiturient heute wissen? Auf jeden Fall auch eine Menge über Geld. Bild: dpa

„Ich hab keine Ahnung von Steuern oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In vier Sprachen“: Eine Schülerin klagt darüber, dass sie in der Schule das falsche lernt. Sie hat Recht.

          2 Min.

          „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Das schrieb die Schülerin mit dem Twitternamen Naina am Wochenende auf Twitter. Und sie hat einen Nerv getroffen: Fast 20.000 Mal wurde ihr Satz retweetet und mit Sternchen versehen. Es geht offensichtlich vielen Schülern in Deutschland so wie ihr. Der Grund ist einfach: Wirtschafts- und Finanzthemen spielen in der Schule eine viel zu geringe Rolle. Das sehen sogar die Schüler so. Nainas Aussage ist ja beides: Eine Beschreibung und eine Klage - sie würde gerne darauf verzichten, Gedichte in vier Sprachen analysieren zu können, wenn sie nur besser Bescheid wüsste über grundlegende Finanzthemen.

          In der Tat: Keine Schülerin und kein Schüler sollten heute von der Schule gehen (das gilt für Haupt- und Realschule wie fürs Gymnasium), ohne zu wissen, was Zinsen sind, was der Zinseszins ist, was Steuern sind, wie eine Lebensversicherung funktioniert und überhaupt welche Versicherungen jeder abgeschlossen haben sollte. Und welchen Teil seines Einkommens man fürs Wohnen ausgeben sollte am besten auch. Das gehört zur Selbständigkeit dazu. Und auch dazu, ein mündiger Staatsbürger zu sein. Wie oft sind Steuern und Abgaben und Geld überhaupt Thema in Wahlkämpfen - wer sich da nicht auskennt, dem können Politiker viel erzählen.

          Faust sollte jeder gelesen haben

          Und nein, durch mehr Finanzwissen in der Schule wird der Stundenplan nicht noch länger. Die Schüler müssen nicht die verbliebenen freien Nachmittage im Klassenzimmer büffeln und ihr letztes Hobby streichen. Stattdessen gibt es genügend Möglichkeiten, andere Lehrplan-Inhalte zu streichen. Müssen sich Schüler zum Beispiel in der Götterwelt der Antike auskennen? Müssen sie wissen, dass Helium ein Edelgas ist? Müssen sie unbedingt Bilder im impressionistischen Stil selber malen können? Und erlangt wirklich nur derjenige die allgemeine Hochschulreife, der weiß, was hinter der Brownschen Molekularbewegung steckt? Nein, sicher nicht. Jedenfalls ist keines dieser Themen relevanter oder intellektuell tiefgehender als die zuvor genannten Finanzfragen. Warum hier nicht einfach dem Wunsch wohl der meisten Schüler folgen?

          Um es noch einmal klar zu sagen: Mehr Finanzwissen braucht nicht auf Kosten einer umfassenden Allgemeinbildung zu gehen. An den Hauptfächern Deutsch, Englisch und Mathematik sollten keine Abstriche gemacht werden. Wer ein deutsches Gymnasium verlässt, sollte das nicht tun, ohne beispielsweise Goethes Faust gelesen zu haben (wenigstens den ersten Teil) oder Schillers Glocke. Genügend Platz für die Aufklärung, die deutsche Geschichte im zwanzigsten Jahrhundert, Differential- und Integralrechnung bleibt sowieso.

          Das hin und wieder vorgebrachte Argument, viele Lehrer könnten Finanzthemen nicht oder nur unzureichend unterrichten, weil sie sich selbst nicht sehr gut darin auskennen, ist abwegig. Wenn das tatsächlich so sein sollte, müssen die Schulen eben mehr Wirtschaftswissenschaftler einstellen - es gibt genügend.

          Die Schule ist der Ort, an dem junge Menschen das Wissen für das Erwachsenenleben an die Hand bekommen sollen und entdecken, was ihre Neigungen, Fähigkeiten und Wünsche sind. Dazu gehört - heute vielleicht mehr als früher - auch das Wissen ums Geld.

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