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Investmentbanker : Alexander Dibelius tritt bei Goldman Sachs kürzer

Alexander Dibelius Bild: dpa

Der wohl bekannteste Investmentbanker Deutschlands, Alexander Dibelius, gibt den Posten als Deutschland-Chef von Goldman Sachs an Fink und Kukies ab. Dibelius war mit seiner kostspieligen Scheidung in die Schlagzeilen geraten.

          Der wohl bekannteste Investmentbanker Deutschlands gibt Verantwortung an die jüngere Generation ab. Der 55 Jahre alte Alexander Dibelius wird von seinem Posten als Deutschland-Chef der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs abtreten. Diese Funktion werden Wolfgang Fink und Jörg Kukies gemeinsam ausüben. Das geht aus einer internen Mitteilung von Goldman Sachs hervor, die dieser Zeitung vorliegt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Demnach wird Dibelius künftig im Rang eines von drei Ko-Chairmen im Investmentbanking für die wichtigsten Kundenbeziehungen verantwortlich sein. Er wird in dieser Rolle von Führungsaufgaben entlastet und von London und Frankfurt aus tätig sein. Der ausgebildete Chirurg war seit 1993 für Goldman Sachs tätig. Er wirkte an vielen Unternehmenstransaktionen wie zum Beispiel den Chrysler-Erwerb von Daimler oder die Mannesmann-Übernahme durch Vodafone mit. Dibelius rückte im Jahr 2002 zusammen mit Wayne Moore an die Deutschland-Spitze von Goldman Sachs. Sie traten die Nachfolge von Paul Achleitner, dem heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank, an, der zwei Jahre zuvor zur Allianz gewechselt war. Drei Jahre später übernahm Dibelius die alleinige Verantwortung.

          Dass er nun etwas kürzertritt, kann wohl auch auf sein Privatleben zurückgeführt werden. Er ist mit der 31 Jahre alten Schauspielerin Laila Maria Witt liiert und wurde im Juni erstmals Vater. Allerdings ging seine kostspielige Scheidung von seiner Exfrau Andrea durch die Presse. In der New Yorker Zentrale von Goldman Sachs dürften die Berichte in der deutschen Boulevardpresse wohl kaum Begeisterung ausgelöst haben. Denn in dem im Sommer abgeschlossenen Scheidungsverfahren gerieten auch Details über die Steuererklärungen von Dibelius an die Öffentlichkeit. So soll er eine Luxusimmobilie über zwei Briefkastenfirmen abgewickelt haben. In seinen Einkünften soll zeitweise Rubel und Dollar verwechselt worden sein. Allerdings soll der Steuerberater für diesen Irrtum verantwortlich gewesen sein. Dibelius betonte, seinen steuerlichen Verpflichtungen nachzukommen.

          Dibelius gilt als ehrgeizig und durchsetzungsstark

          Die für ihn unangenehmen Presseberichte sind von den Konkurrenten und den Kunden, darunter große Konzerne, aufmerksam gelesen worden. Die Meinungen über ihn gehen auseinander: Dibelius gilt als ehrgeizig und durchsetzungsstark. Letzteres wird von Kritikern aber auch als aggressiv beschrieben. „Er ist und bleibt eine signifikante Stütze unseres Kerngeschäfts“, hieß es in der internen Mitteilung von Goldman Sachs. Darin wird Dibelius auch als treibende Kraft beim Aufbau von Kundenbeziehungen und der Position als Marktführer gewürdigt. Seine Nachfolger sind der 48 Jahre alte Fink und der zwei Jahre jüngere Kukies. Fink ist seit dem Jahr 2008 Partner von Goldman Sachs und gegenwärtig zuständig für das Investmentbanking in Deutschland und Österreich. Diese Funktion hatte er bis Februar 2013 zusammen mit Dorothee Blessing ausgeübt, die damals Goldman Sachs verlassen hatte. Die Ehefrau des Commerzbank-Vorstandsvorsitzenden Martin Blessing leitet nun als Vize-Chefin das europäische Investmentbanking des Konkurrenten JP Morgan.

          Vor einem Jahr war Kukies von London nach Frankfurt zurückgekehrt. Er ist Fachmann für Wertpapiere. Gegenwärtig leitet er das Aktien- und Anleihegeschäft. Vor vier Jahren wurde er zum Partner von Goldman Sachs berufen. Den Angaben der Bank zufolge haben Fink und Kukies für eine Vielzahl der wichtigsten Kunden zusammengearbeitet und die positive Entwicklung des Deutschland-Geschäfts mitgeprägt.

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