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Karl Albrecht : Der Händler

  • -Aktualisiert am

Karl Albrecht 1977 auf dem Golfplatzes in Donaueschingen Bild: privat

Mit Karl Albrecht ist der erfolgreichste deutsche Unternehmensgründer der Nachkriegszeit gestorben. Einen Bundeskanzler hat er nie getroffen. Seinen Weg ging er allein.

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          Karl Albrecht ist gestorben. Kaum jemand kannte ihn, aber fast alle haben in einem seiner Aldi-Läden schon einmal eingekauft. Er war ein verschwiegener, geheimnisvoller und ungemein erfolgreicher Händler. Mit ihm starb der letzte große Patriarch aus der Generation der Nachkriegsgründer – und auch der erfolgreichste und wohlhabendste von allen.

          Fragt man nach innovativen und international erfolgreichen deutschen Unternehmen, werden die üblichen Konzerne wie BMW, Daimler, VW, Siemens, BASF oder SAP genannt. Händler finden sich nicht darunter. Dabei erobern Aldi und andere Discounter wie Lidl längst mehr als nur den europäischen Markt. Die größten Drogerieketten Europas kommen aus Deutschland, auch die größten Schuhverkäufer und Pizzabäcker, und natürlich Metro, einer der größten Handelskonzerne der Welt. Trotz des großen Erfolgs spielen Händler im öffentlichen und politischen Leben meist nur eine Nebenrolle.

          In der Gesellschaft trumpfen angestellte Manager aus anderen Branchen auf, verwechseln oft auch Politiker rasch wechselnde Vorstandsvorsitzende mit Stahlbaronen, Autofabrikanten oder Bankiers.

          Dabei führen die Händlerfamilien nicht nur die Liste der reichsten Deutschen an. Sie stellen auch die mit Abstand meisten Arbeitsplätze im Land, sie bilden die meisten Lehrlinge aus und dürften insgesamt wohl mehr Steuern zahlen als andere.

          Dass der Handel dennoch so etwas wie ein Stiefkind der Wirtschaft ist, liegt auch daran, dass der Handel große Schweiger hervorgebracht hat. Auch hierin waren die Brüder Karl und Theo Albrecht die Meister ihres Fachs. Ihre Zurückhaltung war legendär, sie traten nirgendwo auf, gaben niemals ein Interview.

          Karl Albrecht im Jahr 2001 im Urlaub auf Teneriffa.

          Aldi, eine Abkürzung für Albrecht-Discount, habe dem Kunden die Gewissheit gegeben, nirgendwo günstiger einkaufen zu können. So beschrieb Karl Albrecht kurz vor seinem Tod das Geheimnis seines Erfolgs, als er doch noch mit einem Journalisten dieser Zeitung sprach, auch weil er die F.A.Z. jeden Tag las. Die eitle Welt der Wirtschaftselite blieb ihm so fremd wie die Politik. Niemals begegnete der reichste Deutsche einem Bundeskanzler. Für den Händler war Politik ein schmieriges Geschäft. Nie suchte er ihre Nähe, nie verlangte er Unterstützung. Der erfolgreichste Unternehmer ging seinen Weg allein – und verließ sich nur auf seine Familie.

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