https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/aerzte-im-test-fuenf-wochen-wartezeit-auf-einen-termin-12978204.html

Ärzte im Test : Fünf Wochen Wartezeit auf einen Termin

  • Aktualisiert am

Auf einen Termin beim Facharzt müssen Patienten teilweise sehr lange warten. Bild: dpa

Patienten in Deutschland müssen sehr lange auf einen Termin beim Facharzt warten. Besonders dramatisch sieht es für Kassenpatienten aus, wie ein Test der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zeigt.

          2 Min.

          Patienten in Deutschland müssen sehr lange auf einen Termin beim Facharzt warten. Das ergab ein Test der F.A.S. Wir baten 120 Fachärzte in ganz Deutschland um einen Termin. Bei 30 Ärzten bekamen wir ihn erst nach mehr als vier Wochen, von 20 Ärzten wurden wir komplett abgewiesen. Folglich hielten sich nur 58 Prozent der Ärzte an die Empfehlung von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), ihre Patienten nicht länger als vier Wochen warten zu lassen. Besonders lange warten Kassenpatienten. Wenn wir uns als solche zu erkennen gaben, wurden wir von 57 Prozent der Ärzte abgewiesen oder bekamen einen Termin erst nach vier Wochen. Als Privatpatient ging uns das nur bei einem Viertel der Ärzte so. Im Schnitt warteten Kassenpatienten fünf Wochen auf einen Termin, Privatpatienten nur zweieinhalb Wochen.

          Das lange Warten auf die Behandlung beim Orthopäden, Kinderarzt, Hautarzt oder Augenarzt wird in Deutschland zunehmend zum Problem. Patienten, die keine dringenden Notfälle sind, werden reihenweise abgewiesen oder auf Termine vertröstet, die nicht Wochen, sondern Monate in der Zukunft liegen. Der Bundesgesundheitsminister hat das erkannt – und will Ärzten vorschreiben, künftig jedem Patienten innerhalb von vier Wochen einen Termin zu garantieren.

          Die Ärztevertreter wollen davon allerdings nichts wissen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung behauptet, dass 80 Prozent der Patienten innerhalb von drei Wochen einen Termin beim Facharzt bekämen. Im F.A.S.-Test wird das weit verfehlt. In unserer Stichprobe bekam nur etwa die Hälfte der Anrufer so kurzfristig einen Termin.

          Trotzdem beharrte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, gegenüber der F.A.S. darauf: „Objektive Studien zeigen, dass das Thema Wartezeiten kein bundesweites Problem darstellt.“. Er gab aber auch zu: „Die Praxen in Deutschland sind voll.“ Jeder Bürger suche im Durchschnitt 17 Mal im Jahr einen Arzt auf. „Mit diesem Wert liegen wir weltweit an der Spitze“, sagte Gassen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, wies die Wünsche der Politik nach einer umfassenden Termingarantie zurück: „Es kann ja wohl kaum ein uneingeschränktes Leistungsversprechen bei gedeckelten Budgets geben“, sagte Montgomery.

          Bundesgesundheitsminister Gröhe hingegen fühlt sich durch die Stichprobe der F.A.S. bestätigt. „Überlange Wartezeiten sind leider kein Einzelfall“, sagte er. Den Gesetzentwurf mit der Vierwochenfrist will er nach der Sommerpause vorlegen. Der Entwurf soll auch Termin-Servicestellen vorsehen, die Patienten bei der Facharztsuche helfen.

          Die vollständige Geschichte zum Ärzte-Test lesen Sie in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 8. Juni. Digital können Sie den Beitrag schon ab Samstagabend lesen, im E-Paper oder im E-Kiosk jeweils ab 20 Uhr.

          Weitere Themen

          Demonstrationen bei Google Video-Seite öffnen

          12.000 Stellenstreichungen : Demonstrationen bei Google

          Trotz eines Gewinns von 13,6 Milliarden Dollar im vierten Quartal wird nun auch der Rotstift bei Google angesetzt. Bis auf Apple haben die großen Internetunternehmen allesamt einen massiven Stellenabbau angekündigt.

          Topmeldungen

          Die Sonne geht auf: Blick auf die Commerzbank und den Main in Frankfurt

          Comeback der Commerzbank : Von wegen „alte gelbe Bank“

          Die Rückkehr in den Dax krönt die Sanierung des Kreditinstituts. Es gibt einen Platz für die Commerzbank, wenn sie ihren klaren Fokus behält, mutig ist und die verbleibenden Baustellen abarbeitet.
          Der chinesische Ballon am 4. Februar vor der Küste von South Carolina

          Chinas Ballonfahrt : Das Misstrauen wächst

          Der Vorfall mit dem chinesischen Ballon über Nordamerika wird das Verhältnis zwischen Washington und Peking weiter belasten. Die Folgen können bis nach Europa reichen.
          Vielen zu teuer: Für 49 Euro pro Monat im Nahverkehr in ganz Deutschland nutzen

          Deutschlandticket : Das 49-Euro-Ticket ist vielen wohl zu teuer

          Von Mai an sollen Bürger für einen Festpreis den ganzen Nahverkehr im Lande nutzen können. Doch Forscher erwarten, dass nur eine Minderheit vom Auto in Busse, U- und S-Bahnen umsteigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.