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Abhöraffäre in Großbritannien : Murdoch bittet um Entschuldigung

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

In einem offenen Brief, der am Wochenende in allen großen britischen Zeitungen veröffentlicht wird, bittet Rupert Murdoch die Opfer um Entschuldigung. Zuvor war die Chefin von News International, Rebekah Brooks, von ihrem Posten zurückgetreten.

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          Nach dem Skandal um abgehörte Mobiltelefone beim britischen Boulevardblatt „News of the World“ hat der Verleger Rupert Murdoch die Opfer um Entschuldigung gebeten. Das gravierende Fehlverhalten tue ihm leid, schrieb Murdoch in einem Brief, der am Wochenende in allen großen britischen Zeitungen veröffentlicht werden sollte. Die „News of the World“ habe von anderen Verantwortlichkeit verlangt, dies selbst aber nicht getan. Das Schreiben wurde am Freitag von Murdochs britischer Zeitungsgesellschaft News International veröffentlicht.

          Die Murdoch-Vertraute Rebekah Brooks gibt ihren Posten als Vorstandschefin der Verlagsgesellschaft News International auf. Das teilte die in den Skandal um abgehörte Mobiltelefone verwickelte Managerin am Freitag in London mit.

          Die 43 Jahre alte Brooks war früher Chefredakteurin der inzwischen eingestellten Skandalzeitung „News of the World“ und später des Boulevardblattes „The Sun“ aus dem Imperium des Medienmoguls Rupert Murdoch. Später stieg sie zur Verlagsmanagerin auf (siehe Rupert Murdochs Eiserne Lady). Sie hat stets angegeben, nichts von den illegalen Abhörpraktiken gewusst zu haben.

          Rebekah Brooks

          „Als Vorstandschefin des Unternehmens empfinde ich ein tiefes Gefühl der Verantwortung für die Menschen, die wir verletzt haben und ich kann nicht oft genug sagen, wie mir das, von dem wir nun wissen, dass es stattgefunden hat, leidtut“, sagte sie in ihrer Mitteilung des Unternehmens nun.

          Neuseeländer Mockridge wird Nachfolger

          Sie habe dem Medienunternehmer Rupert Murdoch und seinem Sohn James ihren Rücktritt angeboten, sagte Brooks. Nachdem dies zunächst „Diskussionsgegenstand“ gewesen sei, hätten sie diesen nun akzeptiert. Eine Sprecherin des Mutterkonzerns News Corporation bestätigte den Rücktritt. Ihr Nachfolger wird nach Unternehmensangaben Tom Mockridge, der vom italienischen Bezahlsender Sky Italia kommt. Der Neuseeländer hat wie Brooks seine Karriere als Zeitungsjournalist begonnen.

          Der Frau mit der markanten Löwenmähne werden enge Kontakte zu Polit-Größen wie Premierminister David Cameron nachgesagt. Sie soll am Dienstag zusammen mit Murdoch und seinem Sohn James im Medienausschuss des britischen Unterhauses zu der Affäre Stellung nehmen (siehe Großbritannien: Murdochs erscheinen vor parlamentarischem Ausschuss).

          Weiterer Rücktritt

          Murdoch verliert laut übereinstimmenden Berichten eine weitere wichtige Führungsfigur in seinem Imperium.: Les Hinton, Chef der Tochterfirma Dow Jones, tritt zurück. Das meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf ein Rundschreiben Hintons. Auch das „Wall Street Journal“ berichtete über seinen Abgang; die Zeitung ist das Flaggschiff von Dow Jones.

          Hinton hatte bis zu seinem Wechsel an die Spitze des Unternehmens die britische News-Corp.-Verlagstochter News International geleitet, zu der auch „News of the World“ bis zu seiner Einstellung gehörte.

          James Murdoch, Europa-Chef des Medienkonzerns, hatte angekündigt, es würden in den Wochenendausgaben aller landesweit erscheinenden Zeitungen Anzeigen geschaltet. „Das Unternehmen hat Fehler gemacht“, schrieb er in einer Notiz an die Mitarbeiter von News International. „Wir werden uns bei der Nation entschuldigen für das, was passiert ist. Zusätzlich würden Briefe an die Anzeigenkunden verschickt, in denen genau dokumentiert sei, welche Schritte zur Lösung der Krise unternommen worden seien.

          Ermittlungen in Amerika

          Bei ihrem Auftritt vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss am kommenden Dienstag wollen er und sein Vater Rupert Murdoch aber auch „Dinge geraderücken“.

          Murdoch hatte sich in der vergangenen Woche zur Schließung der „News of the World“ gezwungen gesehen, nachdem herausgekommen war, dass Journalisten nicht nur Prominente abgehört und Polizisten bestochen, sondern auch Handy-Mailboxen der Angehörigen von getöteten Soldaten sowie eines entführten Mädchens geknackt hatten. Angesichts der Empörung der Öffentlichkeit und des steigenden Drucks der Regierung zog Murdoch am Mittwoch auch sein Übernahmeangebot für den britischen Bezahlsender BSkyB zurück.

          Auch in Amerika gerät Rupert Murdoch unter Druck: Sein Medienkonzern News Corp. soll versucht haben, die Telefone von Opfern der Anschläge vom 11. September 2001 sowie von deren Familien anzuzapfen (siehe FBI ermittelt gegen Murdoch).

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