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Vor der Wahl in Italien : Meloni könnte Italiens neues Experiment werden

Pragmatisch Giorgia Meloni gibt sich im Wahlkampf moderat. und kühl kalkulierend: Bild: AFP

Die rechtsnationale Politikerin Giorgia Meloni könnte die Wahlen gewinnen. Womit rechnen die Unternehmen? Was befürchten die europäischen Partner? Bislang hat sich ihre Partei im Regierungshandeln pragmatisch gegeben.

          7 Min.

          Giorgia Meloni schaut überall hin, nur nicht ins Publikum. Sie streicht am Mikrofonhalter herum, als wisse sie nicht, wohin mit den Händen. Manchmal murmelt sie wie im Selbstgespräch. Plötzlich muss sie abrupt vom wackeligen Podest absteigen, um das Gleichgewicht zu behalten. Man hat es ihr hingestellt, damit sie mit ihren 1,63 Metern Körpergröße nicht hinter dem Pult verschwindet. Meloni steht nicht vor ihrer üblichen Fangemeinde. Die Politikerin, die gerne zu den Populisten des italienischen Parteienspektrums gezählt wird, spricht an diesem sonnigen Septembertag in einem abgedunkelten Raum vor dem Wirtschaftsverband Confcommercio in Rom.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Im Laufe ihrer Rede wird Meloni warm mit ihren Zuhörern. Sie schmeichelt mit Sätzen wie: „Die Vertreter der Wirtschaft haben in diesem Land oft die klareren Ideen als die politische Klasse.“ Sie erinnert an die staatliche Neuverschuldung, die unter Mario Draghi um 116 Milliarden Euro zunahm. Sie wettert gegen die „unkontrollierte Globalisierung, gegen den Freihandel ohne Regeln“, der dafür verantwortlich sei, dass autoritäre Systeme uns wirtschaftlich schwächen, allen voran China. Unerwähnt bleibt, dass die vielen italienischen Autozulieferer vom starken Chinageschäft der deutschen Hersteller profitieren. Meloni setzt lieber auf einfache Slogans: „Wir kontrollieren nichts mehr – „nulla“.

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