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Melinda Gates im Porträt : Aus dem Schatten von Bill

Melinda Gates: Immer häufiger wagt sie sich in die Öffentlichkeit Bild: AP

„Die mächtigste Frau, über die man so gut wie nichts weiß.“ Das war einmal ein passender Titel für Bill Gates' Ehefrau Melinda. Inzwischen wagt sie sich mit ihrer Stiftungsarbeit häufiger selbst ins Rampenlicht - und wirkt im Umgang mit Bedürftigen unverkrampfter als ihr Gatte.

          Als Frau des reichsten Mannes der Welt steht man zwangsläufig im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Melinda Gates, die Frau von Bill Gates, dem Gründer des Softwaregiganten Microsoft, hat sich trotzdem lange im Hintergrund gehalten. Eine amerikanische Zeitung nannte sie vor einiger Zeit „die mächtigste Frau, über die man so gut wie nichts weiß“.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Ein anderes Blatt machte sich einen Spaß daraus, zwanzig Menschen auf der Straße in Melinda Gates' Heimatstadt Seattle ein Bild von ihr zu zeigen. Nur vier der Befragten konnten etwas mit ihrem Konterfei anfangen. Frau Gates hat in der Vergangenheit selbst dafür gesorgt, sich möglichst aus dem Rampenlicht herauszuhalten. So soll sie Freunde und Weggefährten angewiesen haben, nicht in der Öffentlichkeit über sie zu sprechen. Sie lebt in Abgeschiedenheit zusammen mit Bill und ihren drei Kindern in einer Prunkvilla am Lake Washington nahe Seattle.

          Verstärkter Drag an die Öffentlichkeit

          In jüngster Zeit zeigt Melinda Gates aber eine größere öffentliche Präsenz. So trat sie im August ebenso wie ihr Mann auf der Weltaidskonferenz in Toronto auf. Sie schrieb einen langen Gastbeitrag über die Bekämpfung von Aids in Afrika in der Zeitschrift „Newsweek“. Ende vergangenen Jahres gab sie zusammen mit ihrem Mann und dem Sänger Bono von der Rockband U2 ein Interview in der Zeitschrift „Time“, in der die drei wegen ihres humanitären Engagements zu „Menschen des Jahres“ gekürt wurden.

          Der verstärkte Drang an die Öffentlichkeit hat maßgeblich mit ihrer Arbeit in der „Bill & Melinda Gates Foundation“ zu tun - der mit Abstand größten Privatstiftung der Welt, die in diesem Jahr noch einen zusätzlichen Schub bekommen hat, als der Investor und Multimilliardär Warren Buffett ankündigte, den größten Teil seines Vermögens an sie zu geben. Die Stiftung hat ihre Schwerpunkte in der Bekämpfung von Krankheiten in Entwicklungsländern und in der Verbesserung der Ausbildung in Amerika und anderswo. Die Stiftung hatte zuletzt ein Vermögen von 31,9 Milliarden Dollar.

          Die Strategin in der Stiftung

          Bill Gates hat im Jahr 1994 erstmals eine Stiftung mit dem Namen „William H Gates Foundation“ gegründet, die zunächst von seinem Vater geführt wurde. Im Jahr 1999 entstand die „Bill & Melinda Gates Foundation“, und Melinda rückte an prominentere Stelle. Heute fungiert sie - ebenso wie Bill - als Co-Verwaltungsratsvorsitzende. Für das Tagesgeschäft hat die Stiftung eine eigene Vorstandschefin, aber das Ehepaar Gates ist eng in das Geschehen eingebunden und betreibt das Geschehen partnerschaftlich. Wenn es um Hilfsprojekte mit einem Volumen von mehr als 10 Millionen Dollar geht, müssen beide Eheleute ihre Zustimmung geben.

          Wenn das Ehepaar Gates im Rahmen der Stiftungsarbeit auf Reisen in Entwicklungsländer geht, dann scheint die 42 Jahre alte Melinda im Umgang mit Kranken und Bedürftigen unverkrampfter als der 51 Jahre alte Bill. Trotzdem verfolgt sie in ihrer Stiftungsarbeit einen sehr nüchternen Ansatz: Sie sieht sich nicht als reine Geldverteilerin, sondern setzt strategische Ziele für die Projekte der Stiftung und verfolgt diese genau. Sie ist bekannt für ihr enormes Detailwissen in den Einsatzgebieten der Stiftung.

          Auffällig ergebnisorientiert

          Die als Melinda Ann French gebürtige Texanerin ist von jeher mit ihrer Ergebnisorientierung aufgefallen. Ein ehemaliger Professor von ihr erzählte einmal, wie er bei einem Examen Melindas Arbeit als Musterlösung herannahm, weil ihre Ansätze besser waren als seine eigenen. Melinda Gates hat Hochschulabschlüsse in Computer- und Wirtschaftswissenschaften. Im Jahr 1987 fing sie an, bei Microsoft zu arbeiten.

          Im folgenden Jahr lernte sie Bill Gates bei einer Betriebsveranstaltung kennen, und bald waren die beiden ein Paar. Im Jahr 1994 heirateten Bill und Melinda auf Hawaii. Das Ehepaar Gates hat klargemacht, daß es an seine drei Kinder (vier, sieben und zehn Jahre) nur einen sehr kleinen Teil seines Vermögens vererben will. Der größte Teil soll an die Stiftung gehen. Bill Gates hat vor einigen Monaten angekündigt, sich im Jahr 2008 bei Microsoft zurückzuziehen und dann ganz auf seine Stiftungsarbeit zu konzentrieren.

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