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Mein Lehman : Sabine Lautenschläger, damals Chefin der Bankenaufsicht

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Bild: Eilmes, Wolfgang

Ich bin die ganze Lehman-Nacht im Büro geblieben.

          2 Min.

          Es war noch sehr früh an jenem Montagmorgen: Gegen fünf Uhr hat die amerikanische Aufsicht uns in einem Conference Call über die Lehman-Pleite informiert. Damals war ich noch nicht bei der Bundesbank, sondern Chefin der Bankenaufsicht bei der Bafin. Ich hatte nicht geschlafen, sondern die ganze Nacht in der Bafin verbracht.

          Es hatte sich bereits am Wochenende davor abgezeichnet, dass es für Lehman knapp werden könnte. Aber ich habe bis zum Schluss geglaubt, die Amerikaner würden die Bank retten. Es war für uns einfach unvorstellbar, dass sie das Risiko eingehen würden, eine Bank von diesem Ausmaß fallenzulassen.

          Einige Monate zuvor hatten die Amerikaner Bear Stearns gerettet. Danach hat sich die Lage zwar etwas beruhigt, aber zugleich diskutierte die amerikanische Öffentlichkeit die Gefahr des „Moral Hazard“. Und dann wurde klar, dass Lehman Hilfe braucht.

          Erste besorgte Anrufe

          Schon am Freitag vor der Lehman-Insolvenz kamen bei mir die ersten besorgten Anrufe an, auch von Kollegen aus internationalen Gremien. Am Wochenende bildeten wir dann ein kleines Team, das die ganze Zeit im Büro war. Drei Personen gehörten zum Kern: Ein Kollege aus der Rechtsabteilung und der Aufseher, der für das Institut zuständig war, standen mir zur Seite. Dazu kamen Bundesbankkollegen, die sich durch jede Bilanzposition wühlten.

          Am Wochenende stand das Telefon kaum still. Ich hatte mir die Zahlen für Lehman Deutschland und die Telefonliste der Ansprechpartner herausgesucht. Dazu gehörten Ansprechpartner bei der Einlagensicherung ebenso wie beim Bundesfinanzministerium.

          Am Samstag telefonierten wir mit amerikanischen Aufsehern, die uns immer nur sagten: „Wir verhandeln, es gibt noch keine Einigung.“ Wenn ich nachgefragt habe, bekam ich immer nur zur Antwort, man könne nichts sagen: „I’m so sorry.“

          „Die machen das wirklich“

          Sonntagabend wurde das Problem immer konkreter. In der Nacht fragten wir uns: „Was hat das für Auswirkungen? Wer ist direkt betroffen? Welche deutschen Banken müssen jetzt enger überwacht werden?“ Und Montag früh hatten wir Gewissheit: Die Amerikaner ließen Lehman fallen. Meine erste Reaktion war: „Die machen das wirklich.“ Die direkten Auswirkungen auf die deutschen Institute waren überschaubar, größere Sorgen machten wir uns um die indirekten Folgen. Am Morgen habe ich die deutsche Lehman-Tochter geschlossen, und zwar telefonisch. Das war außergewöhnlich: Normalerweise wird das Moratorium per Post zugestellt, doch bei Lehman eilte es.

          Aus meiner Sicht sind viele richtige Konsequenzen aus den Lehman-Erfahrungen gezogen worden. Es ist richtig, dass Banken mehr Kapital und Liquidität vorhalten müssen. Die Aufseher beachten nun bei der Bewertung des Marktrisikos auch Stressszenarien stärker als früher. Das hat zur Folge, dass Banken heute ihre Marktrisiken mit dem Zwei- bis Dreifachen an Kapital unterlegen müssen. Wichtig sind auch die inzwischen zahlreicheren Kompetenzen für die Bankenaufsicht: Sie kann jetzt sehr viel früher und bedeutend härter eingreifen.

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