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Mehrwertsteuer und Gasumlage : Was die Steuerentlastung in Euro und Cent bringt

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Der Blick auf den Gaszähler löst mittlerweile bei vielen Verbrauchern Angst aus. Bild: Imago

Viele Haushalte und Familien können die steigenden Heizkosten kaum noch tragen. Immerhin soll die Mehrwertsteuer sinken. Ein Vergleichsportal hat nachgerechnet, wie sich das auswirkt.

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          Die von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) angekündigte Mehrwertsteuersenkung auf den Gasverbrauch entlastet einen Musterhaushalt nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox um 433 Euro pro Jahr. Aktuell zahle ein Musterhaushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Jahr 3717 Euro für Gas, erläuterte Verivox.

          Sinke die Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent, verringerten sich diese Kosten um 375 Euro. Dazu kommen demnach 58 Euro Ersparnis, weil auch die Mehrwertsteuer auf die ab Oktober geplante Gasumlage geringer ausfällt. Ein Singlehaushalt mit einem Verbrauch von 5000 Kilowattstunden im Jahr würde den Berechnungen des Portals zufolge um 119 Euro entlastet.

          Scholz hat angekündigt, dass der Gasverbrauch so lange abgesenkt werden soll, wie die Gasumlage gilt, nach jetzigem Stand also von Oktober 2022 bis Ende März 2024. Dem Kanzler zufolge werden die Gaskunden insgesamt „deutlich stärker“ entlastet, als dass sie durch die Gasumlage mehr belastet werden. Im Beispielfall von Verivox zahlt ein Musterhaushalt 518 Euro Gasumlage auf die Jahresrechnung.

          Die Gaspreise für Haushalte sind auf historisch hohem Niveau - die dadurch gestiegenen Einnahmen des Staates aus der Mehrwertsteuer betragen nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox mehr als 3,6 Milliarden Euro. Die ab Oktober geplante Gasumlage, die zunächst 2,4 Cent pro Kilowattstunde betragen soll, würde dem Staat aufs Jahr gerechnet zusätzlich 1,4 Milliarden Euro von den Haushalten einbringen, hatte Verivox am Dienstag erklärt.

          Im vergangenen Jahr verbrauchten die Haushalte laut Branchenverband BDEW rund 310 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Gas; der durchschnittliche Bruttopreis für eine Kilowattstunde lag bei 6,56 Cent, wie Verivox vorrechnete. Die Einnahmen aus der 19-prozentigen Mehrwertsteuer auf Gas beliefen sich damit auf rund 3,3 Milliarden Euro.

          Nur noch schwer tragbar

          Im ersten Halbjahr 2022 lag der durchschnittliche Gaspreis für Haushalte laut Verivox bereits bei 14 Cent pro Kilowattstunde; weitere Erhöhungen seien abzusehen, erklärte Verivox. Der Verbrauch dagegen dürfte sinken. Verivox legte dennoch den Gasverbrauch von 2021 zugrunde - dann würden die Haushalte beim Preis von 14 Cent für die Kilowattstunde über 6,9 Milliarden Euro Mehrwertsteuer. Das wären über 3,6 Milliarden Euro mehr als im vergangenen Jahr.

          „Die Heizkosten erreichen angesichts der aktuellen Entwicklung eine Höhe, die viele Haushalte nur noch schwer tragen können“, erklärte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. Er schlug vor, Gas zum lebensnotwendigen Gut zu erklären und den Mehrwertsteuersatz von 19 auf sieben Prozent abzusenken. Dadurch würden die Haushalte im Jahr 2022 um 4,4 Milliarden Euro entlastet.

          Die Gasumlage soll zum 1. Oktober 2022 eingeführt werden. Über sie sollen die stark gestiegenen Einkaufspreise der Gasversorger an alle Gasverbraucher weitergegeben werden. Noch ist unklar, ob auf diese Umlage die Mehrwertsteuer erhoben wird.

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