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Mehrgenerationen-Häuser : Wenn die Jungen nicht mitziehen

  • -Aktualisiert am

Kritisch wird es häufig, wenn ein Grundstück gefunden ist. Denn an diesem Punkt müssen die Beteiligten erstmals wirklich Farbe bekennen, gilt es doch, nun einen Standort festzulegen. Was für die einen zentral ist, ist für die anderen weit ab vom Schuss. An der Standortfrage scheiden sich bisweilen die Geister und trennen sich mitunter die Wege. Auch weil nun Geld ins Spiel kommt und damit die Verbindlichkeit des Vorhabens steigt. Für Zweifler bietet sich jetzt die vorletzte Chance zum eleganten Ausstieg. Die, die an Bord bleiben, müssen sich unterdessen weitere Gedanken machen und Fragen klären. Zum Beispiel die, wie ihr gemeinschaftliches Zuhause eigentlich aussehen soll. Oder in welcher Form sie ihre Wohnform realisieren und finanzieren wollen. Gründen sie eine Genossenschaft, oder nehmen eine mit ins Boot? Oder setzen sie auf einen privaten Investor?

Thomas Kramm und die Bewohner von „Mit Freu(n)den unter einem Dach“ vertrauten auf einen Investor - und wurden nicht enttäuscht. Vor fünf Jahren wurden die 31 Wohnungen im Aachener Ortsteil Brand bezogen, es gibt ein Gästezimmer samt Bad und einen Gemeinschaftsraum. Die Liste der gemeinschaftlichen Aktivitäten ist lang, sie reicht vom Frühstückstreff bis zum Spieleabend. Zieht jemand aus, entscheidet der Verein über den Nachmieter. Das ist Teil der Abmachung mit dem Eigentümer, dem zwei Drittel der Wohnungen gehören. Inzwischen existiert eine Warteliste, Leerstände drohen also nicht.

Junge Bewohner fehlen

Derweil wurde seit dem Einzug so manches Ideal der Realität angepasst. „Anfangs dachten wir: Wer hier wohnt, macht auch mit“, erzählt Kramm. Doch wenn mittwochvormittags der Wanderausflug auf dem Programm steht, haben Berufstätige schlicht keine Zeit. „Ein Drittel beteiligt sich an allen Aktivitäten“, berichtet der Rentner, ein Drittel lasse sich bei einigen Angeboten sehen. Doch ein Drittel schaffe es auch nur zur Mitgliederversammlung. Kramm meint das nicht als Vorwurf, am Anfang sei eben auch „Wunschdenken“ im Spiel gewesen, inzwischen wisse man es besser.

Raum für Generationen entsteht, wenn alle mitplanen..

Wie sich auch der Wunsch nach mehreren Generationen unter einem Dach bisher nicht wirklich realisieren ließ. Es fehlen schlicht junge Bewohner und Kinder, und weil diese schon zu Beginn fehlten, mangelt es der Anlage nun an adäquatem Wohnraum für Familien. Denn beim Bau orientierte man sich an der damaligen Nachfrage, nun fehlt das passende Angebot.

Mit diesem Problem haben auch andere Wohnprojekte zu kämpfen. Zum Beispiel das in Sankt Augustin, wo die Devise „Wohnen mit Jung und Alt“ Vereinsname ist. Hier wird es auch größere Wohnungen geben, doch werden die Älteren wohl erst einmal unter sich bleiben. Was Marie-Luise Tepper sehr bedauern würde. Zwar hätten sich mehrere Familien für eine der noch freien Wohnungen interessiert, berichtet sie, doch dabei sei es dann geblieben. Die Gründe? Vielleicht hätten Eltern Sorge, in einer Wohnform mit einem Durchschnittsalter von 55 plus seien Kinder nicht wirklich willkommen. Dabei sei das Gegenteil der Fall, Kinder sehr wohl erwünscht, die Sorge somit unbegründet.

Doch jedes Wohnprojekt, zumindest wenn es sich nicht ausschließlich an Senioren richtet, braucht gleich von Beginn an junge Mitstreiter. Denn erscheint das Ganze erst einmal als Alten-WG, sind Familien kaum mehr zu begeistern. Dann locken auch die offenkundigen Vorzüge nicht mehr, etwa die Möglichkeit für Eltern, ihren Nachwuchs auch mal kurzentschlossen von der netten Dame von nebenan betreuen zu lassen. Man braucht eine kritische Größe an Familien mit Kindern, dann ziehen auch junge Menschen mit. Marie-Luise Tepper hofft weiterhin auf Interessenten mit Nachwuchs: „Wir haben die Schotten noch nicht dicht gemacht.“

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