https://www.faz.net/-gqe-6xqyk

Mehrere hundert Flüge augefallen : Flughafen-Streik entfacht politische Debatte

  • Aktualisiert am

Vorfeldaufsicht in Frankfurt Bild: dpa

Ein Streik von 200 Flugfeldkontrolleuren behindert den Flugverkehr am Drehkreuz Frankfurt. Vor allem Inlandsflüge werden gestrichen. Der Flughafen fühlt sich erpresst von der Spartengewerkschaft. In Berlin wird wieder über deren Macht debattiert.

          2 Min.

          Der Streik der Flugfeldkontrolleure auf dem Frankfurter Flughafen droht sich zu verschärfen. Auch am Freitag ist mit einer ganztägigen Protestaktion der rund 200 Beschäftigten auf dem Vorfeld und in der Verkehrszentrale des größten Flughafen-Drehkreuzes in Deutschland zu rechnen, nachdem schon am Donnerstag ein siebenstündiger Warnstreik zum Ausfall von mehreren hundert Flügen führte.

          Zwischen dem Flughafenbetreiber und der zuständigen Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) verschärfte sich vor dem Streikauftakt der Ton. Fraport geißelte das Verhalten der GdF, die ihre Rolle als Vertreterin einer kleinen, aber für den Betriebsablauf wichtigen Beschäftigtengruppe ausnutze, als egoistisch und unverantwortlich. Man fühle sich erpresst. Die Spitze der GdF hielt mit dem Druckmittel weiterer Arbeitskämpfe dagegen: „Falls es kein Einsehen gibt, werden wir am Freitag zwischen 8 Uhr und 22 Uhr die Arbeit niederlegen.“

          Von den Folgen des Warnstreiks am Donnerstag waren in Frankfurt 1082 Starts und Landungen in der Zeit zwischen 15 Uhr und 22 Uhr betroffen. Dabei musste die Deutsche Lufthansa, die das größte Drehkreuz im Land als Heimatbasis nutzt, 100 Flüge annullieren. Da die wichtigen Interkontinental-Flüge davon kaum betroffen sind, entfällt das Gros der Streichungen auf Inlandsflüge. Die Deutsche Bahn rechnet wegen der Flugausfälle mit mehr Fahrgästen und erhöhte Personal und Kapazitäten. Der Kooperationspartner von Lufthansa und Air Berlin tauscht zudem Tickets für stornierte Inlandsflüge in Fahrgutscheine ein. „Wir haben zwei Drittel unserer Verbindungen während des Warnstreiks aufrecht erhalten“, sagte ein Lufthansa-Sprecher, „es ist unwahrscheinlich, dass uns das auch am Freitag gelingt“.

          Lufthansa: „Unerträgliche Erpressung“

          Harsche Kritik am Gebahren der GdF war aus der Chefetage der Lufthansa zu hören: „Es ist absurd und untragbar, dass in jedwedem Unternehmen jedwede Gruppe für jedwede Forderung jedweden Schaden anrichten kann“, sagte Personalvorstand Stefan Lauer dieser Zeitung. „Was wir hier erleben, ist nicht das Ausleben, sondern das Aushebeln der anerkannten tarifpolitischen Grundsätze.“ Nach Ansicht des Managers bewegt sich mit diesem Konflikt „etwas unübersehbar in Richtung einer unerträglichen Erpressung“, durch überzogene Einzelinteressen zu Lasten der Interessen der Mehrheit von Mitarbeitern in einem großen Unternehmen.

          Der Konflikt entzündete sich nach den gescheiterten Tarifverhandlungen zwischen Fraport und den 200 Beschäftigten, die als Verkehrsdisponenten, Flugfeld-Lotsen oder Fahrer der „Follow-me“-Fahrzeuge eingesetzt werden. Diese Gruppe wurde über Jahre von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vertreten und wechselte unter die Obhut der GdF, um ihre Forderung besser durchzusetzen.

          Arbeitgeberpräsident Hundt: Brauchen gesetzliche Regelung

          In Berlin hat der Streik in Frankfurt die Debatte, wie mit kleinen Spartengewerkschaften umgegangen werden soll, neu entfacht. Der Streik schade der gesamten Volkswirtschaft, sei unverhältnismäßig und unverantwortlich, sagte Dieter Schweer vom Bundesverband der Deutschen Industrie. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte: „Dieser Streik ist ein deutlicher Beweis, dass wir eine gesetzliche Regelung brauchen.“ Wieder einmal bestreike eine kleine Gewerkschaft ein Unternehmen, obwohl es in dem Betrieb einen gültigen Tarifvertrag mit einer Mehrheitsgewerkschaft gebe. Er bedaure, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich bisher nicht zu einer gesetzlichen Regelung habe durchringen können.

          Dabei hatte die Kanzlerin den Arbeitgebern Ende November 2010 eine solche Regelung versprochen. Die Politik aber tat sich wegen verfassungsrechtlicher Bedenken schwer mit einem Gesetz. Auch der Streik der Lokführergewerkschaft GDL bei den Regionalbahnen oder die angedrohten Arbeitskämpfe der Fluglotsen im vergangenen Jahr führten nicht dazu, dass dieses Vorhaben wiederbelebt wurde. Als Tarifpartner anerkannte Sparten-gewerkschaften sind neben GDL und GdF die Pilotenvereinigung Cockpit, die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo sowie die Ärztegewerkschaft Marburger Bund.

          Gehalts- und Zeitforderungen der GdF

          Weitere Themen

          Trump setzt neues Abkommen durch

          Nafta-Freihandelszone : Trump setzt neues Abkommen durch

          Nach zähem Ringen und grünem Licht der Demokraten steht das neue Handelsabkommen zwischen Amerika, Kanada und Mexiko. Für Präsident Trump ist es eines seiner wichtigsten politischen Vorhaben.

          Schwerer Schlag für den Welthandel

          Trumps Blockade : Schwerer Schlag für den Welthandel

          Donald Trump legt das Instrument zur Streitschlichtung der Welthandelsorganisation lahm. Die EU-Kommission sucht noch nach einer Lösung, um die Blockade zu umgehen.

          Topmeldungen

          Zwei große Mächte im Welthandel: US-Präsident Donald Trump (links) fasst sich an die Jacke, während er für ein Foto mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Rande des G-20-Gipfels in Osaka posiert.

          Trumps Blockade : Schwerer Schlag für den Welthandel

          Donald Trump legt das Instrument zur Streitschlichtung der Welthandelsorganisation lahm. Die EU-Kommission sucht noch nach einer Lösung, um die Blockade zu umgehen.
          Präsidenten Macron und Putin in Paris

          Ukraine-Gipfel in Paris : Die Folgen der Inkonsequenz

          Auf dem Pariser Gipfel ging es nicht nur um den russisch-ukrainischen Konflikt. Sondern auch darum, mit welchen Botschaften der Westen dem russischen Regime entgegentritt. Putin spielt auf Zeit – und der Westen setzt ihm kaum etwas entgegen.

          Trauer um Roxette-Star Fredriksson : „Danke Marie“

          An ihrer Stimme kam in den 90er Jahren niemand vorbei, sie war das Gesicht von Roxette: Marie Fredriksson ist früh gestorben – die Trauer bei den Fans ist groß. Und auch ihr Band-Partner nimmt Abschied von einer ganz besonderen Freundin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.