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F.A.Z. exklusiv : Wie sich Klinikschließungen auf die Patienten auswirken

Emotionale Diskussion: Durch die Schließungen soll die Qualität der Krankenversorgung verbessert werden. Bild: dpa

Wenn Krankenhäuser schließen sollen, stößt das oft auf großen Widerstand. Eine noch unveröffentlichte Untersuchung zeigt nun: Für viele Patienten erhöht sich die Fahrzeit kaum.

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          Wie viele Krankenhäuser braucht es in Deutschland? Welche können geschlossen werden? Über diese Fragen wird seit Jahren immer wieder sehr emotional diskutiert. Denn Deutschland hat im Vergleich zu anderen EU-Ländern und gemessen an der Einwohnerzahl besonders viele Kliniken und Betten. Ökonomen, Krankenkassen und Bundespolitiker argumentieren, dass das System kaum noch zu finanzieren sei und außerdem Personal binde, das anderswo dringend gebraucht würde. Durch weniger Krankenhäuser und mehr Spezialisierung ließe sich zudem die Qualität der Versorgung er­höhen. Bürgermeister, Landräte und Ministerpräsidenten halten da­gegen: Die Menschen müssten schnell eine Klinik erreichen können – auch im ländlichen Raum.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft und zuständig für „Die Lounge“.

          Eine noch unveröffentlichte Untersuchung des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen – legt nun nahe, dass Klinikschließungen sich durchaus auf die Patientenversorgung auswirken, die Erreichbarkeit von Krankenhäusern aber nicht ernsthaft gefährden. Die Grundlage für die Studie bilden 18 Krankenhäuser, die in Deutschland zwischen 2015 und 2018 geschlossen wurden. Dafür gab es über das Krankenhausstrukturgesetz Mittel aus dem Gesundheitsfonds und der Bundesländer. So sollten Überkapazitäten abgebaut und die stationäre Versorgung verschlankt werden.

          „Hin zu einer planvollen Krankenhausstrukturreform“

          Die Folge: Laut der Analyse von RWI-Gesundheitsökonomin Anne Mensen verlängerte sich für rund 700.000 Menschen die Fahrzeit zum nächstgelegenen Krankenhaus – im Durchschnitt allerdings nur um etwa sieben Minuten. Jenseits des Durchschnittswertes zeigen sich natürlich Unterschiede. Drei Viertel der betroffenen Bevölkerung brauchten demnach mit dem Auto weniger als zehn Minuten länger, 10 Prozent aber immerhin mehr als 20 Minuten mehr. Für 17.500 Menschen war das nächste Krankenhaus nun mehr als 30 Minuten entfernt.

          Das Schließen der Kliniken führte zudem dazu, dass die Zahl der Krankenhausaufenthalte sank: und zwar in den ersten beiden Jahren um gut 2 beziehungsweise gut 3 Prozent. Das sei nicht per se problematisch, wenn die Menschen anderswo behandelt würden – etwa ambulant, heißt es in der Studie. Es könnte sogar für eine effizientere Gesundheitsversorgung sprechen. Ob die Menschen tatsächlich ambulant versorgt wurden und inwieweit dringende Fälle betroffen waren, kann Mensen auf Grundlage ihrer Da­ten nicht beantworten. Sie verweist auf eine andere Untersuchung, der zufolge von Klinikschließungen eher weniger dringende Fälle betroffen sind, sich die Sterblichkeit unter Patienten mit zeitkritischen Erkrankungen allerdings um 5 Prozent erhöhte.

          Angesichts des Personalmangels im Gesundheitswesen und der alternden Bevölkerung sei das Zusammenlegen von Krankenhäusern in vielen Fällen „eine wichtige Maßnahme, um die Effizienz zu erhöhen“, sagt Mensen. Die Forscherin führt zudem ebenfalls die Behandlungsqualität als Argument an. Aus ihren Ergebnissen schlussfolgert sie aber auch: „Damit auch für ältere und weniger mobile Menschen eine angemessene Versorgung gewährleistet ist, müssen Krankenhausschließungen sorgfältig geplant werden und mit Konzepten zur Ausweitung der ambulanten Versorgung einhergehen.“

          Wie das konkret aussehen kann, ist eine Frage, mit der sich eine von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) einberufene Regierungskommission beschäftigt. Unter den 17 Wissenschaftlern sind Ökonomen, Juristen und Ärzte. Sie sollen Reformen für „eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung“ vorschlagen und Leitplanken für die Krankenhausplanung festlegen, für die bislang die Bundesländer zuständig sind.

          Wann mit den Vorschlägen zu rechnen ist, beantwortete das Bundesgesundheitsministerium am Mittwoch auf Anfrage nicht. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, kritisierte, dass die Politik bei den Strukturveränderungen bisher „keine Steuerung und keine Verantwortung“ übernehme. Die Ergebnisse der Studie machten deutlich, „dass wir endlich weg müssen vom kalten Strukturwandel hin zu einer planvollen Krankenhausstrukturreform“, sagte er der F.A.Z. „Schließungen, Fusionen und Umwandlungen müssen so gestaltet werden, dass weiterhin eine wohnortnahe, flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung gesichert ist.“

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