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Für eine bessere Welt : Frauen, die mehr wollen

Die 19 Jahre alte Emma Gonzales: Sie beeinflusste mit ihren mutigen Reden gegen die Waffenlobby in Amerika nicht nur junge Frauen rund um die Erde. Bild: dpa

Sie kämpfen gegen Frauenhandel, halten Reden gegen die Waffenlobby und wecken Manager in Davos auf – diese Frauen kämpfen für eine bessere Welt. Ein paar Beispiele zum Internationalen Frauentag.

          Heute ist der Internationale Frauentag, und das ist auch ein Tag der Listen: Listen mit Frauen, die Mut machen. Dank ihres sozialen Engagements, ihres Eintretens für ihre Rechte, ihres Kampfs für die Umwelt und gegen Systeme, die sie unterdrücken. Das eher konservative „Australian Institute of International Affairs“ (AIIA) hat eine Liste der jungen Wissenschaftlerin Maria Tanyag übernommen. Sie hat Namen junger Frauen zusammengestellt, die die Welt verbessern wollen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Natürlich findet sich darauf die nach ihrem Auftritt in Davos sehr populäre Greta Thunberg. Die Schwedin begann die nicht unumstrittenen „Schul-Streiks“ gegen das – in Australien immer noch sehr verbreitete – Leugnen des Klimawandels. „Was als ihr individueller Protest im August 2018 begann, hat nun eine weltweite, von der Jugend vorangetriebene Bewegung ausgelöst“, sagt Tanyag. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos rief die 16jährige den Unternehmensführern und Politikern zu, „unser Haus steht in Flammen, es ist Zeit zu handeln“.

          Nicht fehlen darf in einer solchen Zusammenstellung natürlich die 19-jährige Emma Gonzales. Sie beeinflusste mit ihren mutigen Reden gegen die Waffenlobby in Amerika nicht nur junge Frauen rund um die Erde. Damit ging sie Donald Trump frontal an. „Gemeinsam mit den anderen ‚Parkland Teens‘, die die Attacken auf ihre Schulen überlebten, betrachten die Aktivisten soziale Medien als ihre eigenen Waffen“, sagt Tanyag.

          Auf ihrer Liste folgt dann Alexandria Ocasio-Cortez, kurz AOC. Mit 29 Jahren ist sie schon einen erfahrene Politikerin und zudem die jüngste Frau, die bislang in den amerikanischen Kongress gewählt wurde. Die „demokratische Sozialistin“ bezeichnet sich als „Mädchen aus der Bronx“, dem Problemviertel in New York. Sie steht für eine neue Politik, die Armut, Klimawandel und Gesundheitsversorgung in den Mittelpunkt rücken will. Ihr Schlagwort ist der „Green New Deal“, der umfassende Wirtschaftsreformen forderte.

          Loujain al-Hathloul demonstrierte immer wieder gegen das Fahrverbot für Frauen. Seit Mai vergangenen Jahres ist die Frauenrechtlerin in Haft.

          „Diese jungen Frauen teilen die Vision eines grundlegenden Wandels. Sie gehen in Opposition zu politischen Autoritäten“, fasst Tanyag den Blick rund um die Welt zusammen. Auch die wirtschaftliche Ordnung spiele darin eine große Rolle. Der Unterschied zu bisherigen Bewegungen: „Diese jungen Frauen sagen, dass es nicht ausreicht, mehr und mehr Frauen innerhalb der bestehenden Strukturen zu gewinnen, die zu großen Ungleichgewichten und Umweltproblemen geführt haben.“ 

          Dabei ringen sie mit Angriffen auf ihre Persönlichkeit, ihr Alter und ihren Mangel an Erfahrung – nicht nur in Australien gelten die Anhängerinnen der Schulstreiks oft als Schwänzer. „Die Verbindung von Alter und Geschlecht ist klar zu erkennen, wenn die jungen weiblichen Führerinnen als infantil abgeschrieben werden; eine Taktik, um sie zum Schweigen zu bringen und ihnen einen Platz im politischen Entscheidungsprozess zu verweigern.“

          Sara Hossain aus Dhaka: Die arrivierte Anwältin war federführend beteiligt, das erste Gesetz Bangladeschs zu schreiben, das Gewalt gegen Frauen verbietet.

          Dies ist in anderen Ecken der Welt viel klarer zu erkennen: In Saudi-Arabien etwa stellen Rahaf Al-Qunun und Loujain al-Hathloul das System in Frage. Der 18jährigen gelang eine medienwirksame Flucht über Bangkok schließlich nach Kanada. Die 29järige Loujain hingegen demonstrierte immer wieder gegen das Fahrverbot für Frauen. Seit Mai vergangenen Jahres ist die Frauenrechtlerin in Haft.

          Aus Asien wären Tausende von Frauen insbesondere aus Pakistan, Afghanistan, Indien und Bangladesch zu nennen. Stellvertretend sei die Anwältin Sara Hossain aus Dhaka erwähnt. Die arrivierte Anwältin war federführend beteiligt, das erste Gesetz Bangladeschs zu schreiben, das Gewalt gegen Frauen verbietet.

          In Nepal kämpft Charimaya Tamang vor allem gegen den Frauenhandel – das Entführen auch sehr junger Mädchen, die dann oft in den Bordellen Indiens landen. „Meine Kraft und Stärke kommen daher, dass ich selber verkauft worden bin. Daraus habe ich Lehren gezogen, die mich nun die Dinge verändern lassen wollen“, sagt sie in einem Interview mit Amnesty International. „Nepalesische Frauen müssen immer noch ein Leben als Bürgerinnen zweiter Klasse führen. Das zeigt sich auch daran, welche Herausforderungen die Verteidigerinnen der Menschenrechte hier in ihren eigenen Familien, ihrer Gesellschaft, ihrem Land entgegenstehen.“

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