https://www.faz.net/-gqe-9x1v0

Studie zur Lohnuntergrenze : Was der Mindestlohn bewirkt

  • -Aktualisiert am

Der Mindestlohn in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte – auch in der Baubranche wurde die Lohnuntergrenze zuletzt angehoben. (Symbolfoto) Bild: dpa

Die vor fünf Jahren in Deutschland eingeführte Lohnuntergrenze ist eine Erfolgsgeschichte: Die Einführung hatte einen positiven Nebeneffekt. Der kann jetzt belegt werden.

          5 Min.

          Der allgemeine, flächendeckende Mindestlohn in Deutschland hat gerade seinen fünften Geburtstag hinter sich. Vor dem Hintergrund eines starken Anstiegs der Lohnungleichheit insbesondere am unteren Ende der Lohnverteilung hat ihn die Bundesregierung im Januar 2015 eingeführt. Es war das erste mal in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Mindestlohn wurde auf einen Stundenlohn von 8,50 Euro festgelegt. Somit war ein erheblicher Teil der Arbeitnehmer direkt von der Einführung betroffen: Sechs Monate vor dem Start lag der Lohn von ungefähr 15 Prozent aller Beschäftigten unterhalb der Mindestlohngrenze. Mit einem Verhältnis des Mindestlohns zum Medianlohn von 0,48 hatte der Mindestlohn in Deutschland eine ähnlich hohe Reichweite wie im Vereinigten Königreich (0,49), aber eine höhere als in den Vereinigten Staaten (0,36), und eine niedrigere als in Frankreich (0,61). In einer neuen und umfassenden Studie (Dustmann, Lindner, Schönberg, Umkehrer, und vom Berge, 2020) analysieren wir die Effekte der Einführung des Mindestlohns.

          Noch vor der Einführung warnten viele Ökonomen in Deutschland vor den negativen Konsequenzen, die dieser Eingriff für den Arbeitsmarkt haben würde. Diese Warnungen kamen keineswegs überraschend: Mindestlohneinführungen und -erhöhungen wurden von vielen Ökonomen schon immer mit viel Sorge betrachtet. In ihrer einflussreichen Analyse der Erhöhung des Mindestlohnlohns in den Vereinigten Staaten brachen David Card und Alan Krueger (1995) mit ökonomischer Konvention, indem sie basierend auf sehr gründlichen empirischen Analysen von Mindestlohnerhöhungen in verschiedenen Staaten der Vereinigten Staaten argumentierten, dass diese – wenn überhaupt – nur sehr geringe Effekte auf die Beschäftigung hatten. In einer Zeit, in der theoretische Betrachtungen die Wirtschaftswissenschaften dominierten, schienen diese auf rein empirischer Analyse basierenden Ergebnisse vielen Ökonomen geradezu ein Sakrileg grundlegender ökonomischer Prinzipien zu sein. Stellvertretend sei hier der Nobelpreisträger James M. Buchanan aus einem Aufsatz im „Wall Street Journal“ 1996 als Antwort auf die Arbeiten von Card und Krueger zitiert:

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          700 Kilometer ohne Nachladen: der P7 des chinesischen Start-ups Xpeng auf der Messe in Peking

          Deutsche Automarken : Abgehängt von Chinas Start-ups

          Auf der einzigen Automesse des Jahres in Peking zeigen deutsche Hersteller konventionelle Modelle. Den chinesischen E-Autos haben sie wenig entgegenzusetzen.