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Mehr als Fertigpizza : Warum auch Bio-Fans Tiefkühlgerichte kaufen

Frische auf Vorrat: Tiefgekühltes Gemüse wurde meist kurz nach der Ernte eingefroren. Bild: Your Photo Today

Tiefkühlkost wird in Deutschland oft misstrauisch beäugt. Aber neunzig Jahre nach ihrer Entdeckung ist sie längst auch dort angekommen, wo sie lange verpönt war.

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          Der Mann, der die Tiefkühlkost vor neunzig Jahren in den Westen brachte, entdeckte sie eher zufällig. Clarence Birdseye war eigentlich Meeresbiologe. Das Schockfrosten frischer Lebensmittel soll er sich während einer Reise nach Neufundland von den Inuit abgeschaut haben. Der ehemalige amerikanische Präsident Ronald Reagan war noch Jahrzehnte später so fasziniert von Birdseyes Entdeckung, dass er 1984 den 6. März zum „Frozen Food Day“ ernannte. Birdseye ist nun schon seit mehr als einem halben Jahrhundert tot. Doch seine Entdeckung lebt weiter: 129 Gramm Tiefgefrorenes aßen die Deutschen allein im vergangenen Jahr jeden Tag. Und in Zeiten von Corona dürften Lebensmittel aus der Tiefkühltruhe erst recht an Beliebtheit gewinnen.

          Dabei hatte es die Tiefkühlkost nicht einfach. Der Zivilisationskritik der 1950er Jahre galt sie als denaturiert und dekadent. Mit der Ökologiebewegung der siebziger und achtziger Jahre wuchs die Kritik. „In der Öko- und Reformszene wurden früher alle verarbeiteten Produkte radikal abgelehnt“, erzählt der Ernährungssoziologe Daniel Kofahl. Noch im Jahr 2013 beklagte der Vorstandschef des Deutschen Tiefkühlinstituts eine „kritische Distanz“ bei jungen Leuten: Eine Studie hatte die Hersteller alarmiert. Der Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Iconkids hatte das Ergebnis damals so zusammengefasst: Tiefkühlkost sei „nicht mehr so ganz gesellschaftsfähig“. Das könnte daran liegen, dass sie jahrzehntelang viele falsche Assoziationen geweckt hat.

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