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Kommentar : Das Bundesliga-Syndrom

  • -Aktualisiert am

Verliert die Bundesliga bald an Glanz? Bild: dpa

Die Fußball-Bundesliga verliert wirtschaftlich zusehendes an Attraktivität. Ohne mehr Kommerz, Effektivität und Jagdfieber werden die Vereine abgehängt.

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          Schon lange nicht mehr ist die erfolgsverwöhnte Fußballbranche mit solch schlechter Stimmung in eine Saison gestartet. Der WM-Frust im Lande hat sich wie ein Grauschleier auch auf die Bundesliga gelegt. Da geht schon mal unter, dass fast alle Profiklubs in der höchsten Spielklasse die Zahl der Dauerkartenverkäufe wieder erhöhen oder zumindest konstant halten konnten. Und wenn die Vereine in den nächsten Monaten nach und nach ihre Bilanzen präsentieren werden, sind Einnahmerekorde programmiert. Der Grund ist einfach: Erstmals greift in der geschäftlichen Betrachtung die besser dotierte TV-Ausschüttung mit Mehreinnahmen von 85 Prozent. Doch resultiert dieser Sprung aus einem Vertrag aus dem Jahr 2016, als sich die Bundesliga noch Liga der Weltmeister nennen konnte und insgesamt die Phantasie im Markt überschwänglicher erschien.

          Das sind vergangene Meriten. Seither hat sich einiges verändert. Der WM-Absturz der Nationalmannschaft lenkt den Blick auf Risiken und Defizite im Bundesliga-Business. Auch wenn die Liga in den vergangenen zehn Jahren vieles richtig gemacht hat, siebenmal stärker wuchs als die deutsche Volkswirtschaft, zur zweitgrößten Liga (gemessen am Umsatz) der Welt wurde und sich nie zuvor mehr Menschen im Land für Fußball interessierten – diese Dynamik ist in Gefahr. Selbstzufriedene Klubbosse und Manager, mangelnde Angriffslust, fehlender Veränderungswille und eine um sich greifende strategische Biederkeit in vielen Vereinen setzen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga zu. En vogue sind auf einmal Positionen, die unter dem Deckmantel deutscher Fußballtraditionen auf schrägen Anti-Kommerz-Populismus und Abschottung zielen. Um die eigene Stellung zu sichern, verbündet sich manch ein Vereinsvertreter mit fragwürdigen Fangruppen, die sogar Gewalt zur Konfliktlösung propagieren. Seit Jahren gärt eine Konfrontation mit halbstarken Anhängern, welche die Klubs nicht in den Griff bekommen. Jedes Spielwochenende knallt es irgendwo in Deutschland, werden von Bundesliga-Randalierern, die sich zur Jugendbewegung stilisieren, Unbeteiligte bedroht und verletzt, Bahnhöfe beschmiert, Züge der Bahn zerstört oder Stadiontribünen mit gefährlichem Feuerwerk okkupiert. Für die Vereine könnte das alles noch teuer werden, wenn sie sich aufgrund des politischen Drucks oder von Gerichtsentscheiden an den Einsatzkosten der Polizei beteiligen müssten.

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