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Der Druck steigt : Firmen beenden Zusammenarbeit mit Waffenlobby NRA

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Jugend ballert: Die NRA versucht auf ihren Kongressen, die Amerikaner so früh wie möglich an Waffen zu gewöhnen (Archivfoto). Bild: Reuters

Nach dem Schulmassaker von Parkland scheint sich der Wind tatsächlich gedreht zu haben: Nun ziehen einige Unternehmen Konsequenzen aus der Debatte um strengere Waffengesetze.

          Nach dem Schulmassaker im amerikanischen Bundesstaat Florida mit 17 Toten wollen verschiedene Unternehmen ihre Zusammenarbeit mit der mächtigen Waffenlobby NRA beenden. Eine Reihe von Firmen, darunter die Versicherer Chubb und MetLife, die Sicherheitsfirma Symantec und die Autovermieter Avis Budget Group, Hertz und Enterprise kündigten an, nicht länger mit der NRA in Verbindung gebracht werden zu wollen. Entsprechende Partnerschaftsprogramme sollen demnach gekündigt werden.

          In der Mehrheit der Fälle handelte es sich um Vorteile für NRA-Mitglieder, etwa um Vergünstigungen bei bestimmten Versicherungen oder beim Mieten eines Autos. Am Donnerstag hatte schon die First National Bank of Omaha angekündigt, einen Vertrag mit der NRA für eine Visa-Kreditkarte nicht zu verlängern. „Kunden-Feedback hat uns dazu veranlasst, unsere Beziehungen zur NRA zu überprüfen“, teilte die Bank im Kurznachrichtendienst Twitter mit. In den sozialen Netzwerken im Internet gab es zuletzt massiven Druck durch die Nutzer. Der Hashtag #BoycottNRA zählte am Freitag zu den am häufigsten verwendeten Schlagwörtern bei Twitter.

          Eine Waffe pro Amerikaner

          Andere Unternehmen machen schon länger Druck auf die amerikanische Waffenbranche. Die Onlinebezahldienste Paypal, Apple Pay, Stripe und Square können nicht für den Kauf von Schusswaffen verwendet werden. Der einflussreiche Deal-Book-Kolumnist der „New York Times“, Andrew Ross Sorkin, forderte gerade, die Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard sollten dem Beispiel genauso folgen wie Amerikas Banken und den Erwerb von Schnellfeuerwaffen und Bump Stocks zu bannen.

          Generell verfehlen öffentliche Kampagnen ihre Wirkung häufig nicht und können Eigentümer von Waffenunternehmen in vertrackte Situationen bringen. So hatte die Beteiligungsgesellschaft Cerberus Capital Management Remington und andere Büchsenmacher gekauft mit dem Ziel, Amerikas größten Waffenproduzenten aufzubauen. Die Plan erlebte einen Rückschlag, als bei einem Massaker in der Sandy Hook  Grundschule in Connecticut, vor fünf Jahren 20 Schulkinder und sechs Erwachsene mit einem Remington-Gewehr ermordet wurden.

          Danach beschlossen Pensionsfonds und Universitätsstiftungen, ihr Geld nicht mehr in Fonds anlegen zu wollen, die von Waffenverkäufen profitierten. Sie hatten auch Gelder in  Cerberus Waffenbeteiligung angelegt und nötigten die Investitionsgesellschaft damals, die Anteile zu übernehmen. Ceberus selbst hatte drei Tage nach dem Attentat verkündet, die Beteiligung verkaufen zu wollen, fand aber keinen Käufer. Die unter einer gewaltigen Schuldenlast leidende Firma Remington, an der Cerberus immer noch die Mehrheit hält, kündigte jetzt im Februar an, Gläubigerschutz zu beantragen.

          Am Valentinstag hatte ein 19 Jahre alter ehemaliger Schüler an einer High School in Florida 17 Menschen erschossen. Die Debatte über die laxen Waffengesetze in den Vereinigten Staaten wurde dadurch neu entfacht. Dabei steht die NRA regelmäßig auf der Seite derjenigen, die das Recht auf das Tragen einer Waffen verteidigen.

          Präsident Donald Trump gilt als NRA-freundlich. Zuletzt hatte er mit dem Vorschlag Kritik ausgelöst, Lehrer an den Schulen mit Waffen auszustatten. Dafür kündigte er aber auch an, die Überprüfungen von potentiellen Waffenkäufern zu intensivieren.

          Insgesamt geht es der Waffenbranche derzeit eher schlecht, paradoxerweise auch, weil die waffenfreundlichen Republikaner Kongress und das Weiße Haus regieren. In dieser Konstellation drohen kaum Waffenrechtsverschärfungen. Damit bleiben Bevorratungskäufe die Ausnahme. Vielleicht spielt auch Marktsättigung eine Rolle: Auf fast jeden der 330 Millionen Amerikaner entfällt eine Schusswaffe.

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